Tschö mit ö: Warum ich LucasArts gut gehen lassen kann

Kein LucasArts mehr. Und jetzt? Warum bin nicht traurig? Oder zumindest ein bisschen nachdenklich gestimmt? Wenn hier jemand ein Recht auf Gefühlsausbrüche hat, dann bin ich das! LucasArts gibt es seit 1982.  Da war ich sechs. Die legendäre Spieleschmiede mit dem L im Logo existiert also schon fast mein ganzes Leben lang. LucasArts hat mich wie unser treuer Familienhund durch meine Kindheit begleitet. Das Unternehmen stand mir auch in der schweren Adoleszenzphase bei und Helden wie Indiana Jones und Han Solo verdanke ich mein Männerbild. OK, jetzt werde ich doch ein bisschen rührselig (und peinlich). Aber mal im Ernst. Kein LucasArts mehr – das ist schon in Ordnung.

Tschö mit ö: Warum ich LucasArts gut gehen lassen kann

Damit man mir hier keine mangelnde Wertschätzung unterstellen kann, noch einmal zum Mitschrieben: Spielen wie „Zak McKracken“, “The Secret of Monkey Island“, „X-Wing Alliance“ oder “Dark Forces“ verdanke ich nicht nur eine sehr schöne Zeit;  mit ihrer Hilfe habe ich gelernt, gute Spiele von schlechten zu unterscheiden. LucasArts beziehungsweise Lucasfilm Games, das war für mich eine Zeit lang die Inkarnation von allem, was gut war in der Spielebranche.

Ein bisschen mag das sicher auch daran gelegen haben, dass ich ein Kind des 80er Jahre-Kinos bin und Typen wie Steven Spielberg und George Lucas damals noch fantastische Filme gedreht haben. Der „Sense of Wonder“, die abenteuerliche Magie, die die Streifen dieser Filmemacher beseelte, sie fand sich immer wieder auch in den digitalen Spiele-Ausdeutungen des Namen Lucas. Ich war also leichte Beute und nahm die warmen Hände, die mir LucasArts in Spielen wie „The Dig“ oder „Rebel Assault“ reichte stets mit einem debilen Grinsen im Gesicht an.

Das Band zwischen LucasArts und mir

In dieser Zeit wurde zwischen LucasArts und mir ein Band geknüpft, das jeder Zerreißprobe standhielt. „Force Commander“ habe ich ohne zu murren gespielt, auch wenn andere das Genre längst besser beherrschten. „Star Wars: Republic Commando“ habe sogar noch richtig gefeiert, obwohl es eklatante Schwächen hatte. Selbst „Fracture“ habe ich über mich ergehen lassen, nur weil LucasArts drauf stand. Meine Leidensfähigkeit war in Bezug auf LucasArt gewaltig.

In den letzen Jahren war unser Verhältnis dann aber immer mehr abgekühlt. Und das lag bei Leibe nicht an mir. Ein „Lego Star Wars III – The Clone Wars“ löst in mir nun mal keine Begeisterungsstürme mehr aus. Dann doch lieber ein HD-Remake von „Monkey Island“. Und genau das scheint das Problem zu sein. LucasArts scheint es nicht nur verpasst zu haben, aus Nostalgikern wie mir Profit zu schlagen, dem Unternehmen fehlte es auch an frischen Ideen, die über das ewige Star Wars-Franchising hinausgingen.

Abgang mit Ansage

Früher funktionierte das mit den frischen Ideen ganz hervorragend. Spiele wie „Loom“, „Outlaws“ oder auch „Vollgas“ entfachten den besagten Lucas-Funken in immer neuen, unverbrauchten Universen. Zumindest mir hatte das zuletzt sehr gefehlt. Vielleicht ist das auch der Grund für die wiedererstarkte Prominenz eines Rob Gilbert oder eines Tim Schäfers. Zwei Spielemacher, die vor allem für Verspieltheit und einen lässigen Umgang mit Genrekonventionen stehen – und zwei Spielemacher, die LucasArts irgendwann verlassen haben. Wie Gilbert und Schäfer suchten auch wir LucasArts-Fans unsere Heil fortan woanders.

Natürlich gab es unter den vielen LucasArts-Mitarbeitern, die nun leider entlassen wurden ganz sicher auch sehr viele Talente mit frischen Ideen. So richtig wollte man den Geist aber in der jüngsten Vergangenheit nicht mehr aus der Flasche lassen. „Star Wars 1313“ und “Star Wars: First Assault“ sahen unfassbar sexy aus und standen auf meiner geheimen Fanboy-Liste ganz weit oben – nüchtern betrachtet waren sie jedoch kaum mehr als der wahrscheinlichste Umgang mit einer rentablen Marke.

Mit anderen Worten: Ich werde LucasArts weit weniger vermissen, als ich zunächst dachte, denn im Grunde vermisse ich die große Spieleschmiede, die einst waren schon seit Jahren. Ich bin das schon gewohnt und komme über die traurige Nachricht deshalb ganz gut hinweg. „Star Wars“-Spiele wird es immer geben, vielleicht sogar gute. Wenn mir nach klassischen LucasArts-Verrücktheiten ist, schaue ich halt nach, was Double Fine gerade wieder ausheckt und wenn mich die Nostalgie packen sollte, dann zücke ich kurzerhand ein iPad und spiele “The Secret of Monkey Island“ zum sechsten Mal. Was soll sein...wir werden´s überleben.

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Weitere Themen: gamescom 2013: Vorverkauf für 2014 hat begonnen, Lucas Arts

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