Star Wars Battlefront 2 im Test: Gier ist der Pfad zur dunklen Seite [Update]

Alexander Gehlsdorf
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Star Wars: Battlefront 2 will die ultimate Star Wars-Erfahrung bieten. Helden, Raumschiffe, Laser-Schlachten und eine gelungene Story. Im Test klären wir, ob aus dem Spiel wirklich das erhoffte Rundum-Sorglos-Paket geworden ist.

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Star Wars Battlefront 2 - Launch Trailer

Update vom 16.11.2017 — Keine Wertung für Star Wars: Battlefront 2

Ich habe Star Wars: Battlefront 2 mit dem Beginn der Early-Acces-Phase am 9. November ausgiebig gespielt und basierend auf meiner persönlichen Spielerfahrung am 14. November eine Wertung von 8/10 Punkten vergeben. In diesem Zeitraum haben DICE und Electronic Arts mehrmals auf Feedback der Beta- und Early-Access-Phase reagiert und unter anderem Level-Schranken, überarbeitete Loot-Box-Inhalte und niedrigere Preise für freischaltbare Helden implementiert. Durch die Änderungen war ich beispielsweise innerhalb weniger Tage in der Lage, sowohl Luke als auch Darth Vader freizuschalten, ohne dafür Kristalle gekauft zu haben.

Zum Testzeitpunkt befand sich Star Wars: Battelfront 2 also auf dem besten Wege, die zahlreichen Vorwürfe bezüglich der Lootboxen und der Pay2Win-Systeme einzuschränken und zu überarbeiten. Nach der Veröffentlichung des Testes blieben weitere derartige Maßnahmen jedoch aus. Zudem stellte sich im weiteren Verlauf heraus, dass die getätigten Schritte nicht ausgereicht haben und die Progression im Multiplayer von Tag zu Tag zäher wird. So werden zu Beginn etwa das Absolvieren der Kampagne sowie erste Erfolge im Arcade-Modus großzügig mit Credits und Loot-Boxen belohnt. Auch Meilensteine der einzelnen Klassen und Raumschiffe beschenken den Spieler mit derartigen Leistungen, sodass in den ersten Tagen der Eindruck einer steten Flut an neuen Loot-Boxen und Star Cards besteht.

Ich spiele als Luke und Vader:

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Star Wars Battlefront 2: So sehen Darth Vader und Luke Skywalker in Aktion aus

Inzwischen — einen Tag vor dem Launch wohlgemerkt — hat sich das Erspielen neuer Loot-Boxen allerdings tatsächlich zu einem zähen Grind entwickelt. Dazu kommt, dass nahezu alle Spieler inzwischen die nötigen Mindestlevel erreicht haben, um auch die höchststufigen Star Cards zu craften. Ab diesem Punkt haben zahlende Spieler einen entscheidenden Vorteil — ein Trend, den ich zum Testzeitpunkt in dieser Konsequenz nicht ausreichend antizipieren konnte. Mittlerweile ermittelt sogar die belgische Glückspielkommission gegen Spiele wie Star Wars: Battlefront 2 und Overwatch.

Zudem hatte ich auf dem PC keinerlei technische Schwierigkeiten, während hingegen insbesondere die Xbox One-Version unter teils heftigen technischen Probleme leidet. Auch diesen Faktor konnte ich in meinem ursprünglichen Test nicht ausreichend berücksichtigen. Da ich zudem stark davon ausgehe, dass DICE und Electronic Arts in den kommenden Tagen und Wochen weitere Änderungen am Balancing und der Ingame-Ökonomie vornehmen werden, habe ich mich dazu entschlossen, die bisherige Wertung zurückzuziehen und an Star Wars: Battlefront 2 vorerst keine Endnote zu vergeben, bis die wichtigsten Fragen rund um die Zukunft des Mutliplayer-Modus geklärt sind und das Spiel sich in einem fertigen und stabilen Zustand befindet.

Original-Test vom 14.11.2017

2015 erschien mit Star Wars: Battlefront ein Reboot des beliebten Multiplayer-Hits, der viele Fans jedoch mit gemischten Gefühlen zurückließ. Zwar bot das Spiel spektakuläre Schlachten, in einer grafischen Finessse die es zuvor in keinem Star Wars-Titel zu sehen gab, allerdings sorgte vor allem der maue Umfang für ein flaues Bauchgefühl. Es gab keine Weltraumschlachten, Helden waren nur als zufällig erscheinende Power-Ups erhältlich und besonders viele Karten waren auch nicht enthalten. Vor allem fehlte vielen Spielern aber eine Story-Kampagne.

Für Teil Zwei gelobte Electronic Arts schließlich Besserung und versprach, diesmal wirklich alle Wünsche der Fans zu erfüllen. Und tatsächlich ist Star Wars: Battlefront 2 bis zum Rand vollgepackt mit Inhalten. Entsprechen diese aber alle der gewünschten Qualität?

Auf der dunklen Seite der Macht

Die Lücke zwischen Episode 6 und 7 schließen — mit diesem Ziel wurde die Einzelspieler-Kampagne von Star Wars: Battlefront 2 im Frühjahr angekündigt. Kein leichtes Unterfangen, schließlich umfasst dieser Zeitraum mal locker 30 Jahre. Wie soll ein einziges Spiel das schaffen? Spoiler: Das Spiel schafft es nicht. Viel mehr bildet die Story eine Art Epilog zu Die Rückkehr der Jedi-Ritter und behandelt vor allem die Wochen und Monate nach der Zerstörung des zweiten Todessterns.

Das erwartet dich in der Einzelspieler-Kampagne:

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Star Wars Battlefront 2 - Singleplayer Trailer

Allerdings schlüpfst du dieses mal nicht in die Haut eines gestandenen Rebellen-Helden, sondern erlebst die Geschichte aus der Sicht von Iden Versio, Tochter eines imperialen Admirals und Commander des Infernon Squads, das Sondereinsatzkommando des Imperiums. Ein spannender Rollentausch also, der das Leben in der Galaxis mal aus einem andere Winkel betrachtet. Zumindest in der Theorie. Denn natürlich ist Iden nicht nur eine imperiale Kampfmaschine, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut und verfügt dementsprechend auch über Moral und ein Gewissen, das all zu bald beginnt, ihre Rolle im Imperium kritisch zu hinterfragen. Per se ist das eine großartige Vorlage für einen spannenden Gewissenskonflikt, in dem Iden zwischen den Fronten aus Familie und Moral steht, letztlich löst dich dieser jedoch zu schnell und zu oberflächlich.

Ohnehin bleibt für Idens Charakterentwicklung nicht all zu viel Zeit, da im Vordergrund natürlich die zwölf Missionen stehen, in denen in erster Linie geballert und nicht gequatscht wird. Tatsächlich spielen diese sich recht abwechslungsreich, da sie immer wieder zwischen Infanterie-Einsätzen, optionalen Schleichpassagen, Fahrzeug-Sequenzen und natürlich Raumschlachten alternieren. In vielen der Level schlüpfst du zudem in die Haut bekannter Star Wars-Helden wie Han Solo oder Leia Organa, was auf dem Papier natürlich abermals super klingt, der Story aber die nötige Integrität und Konsistenz nimmt. So ist es am Ende eben keine persönliche Geschichte über den Werdegang Iden Versions, sondern der besagte Epilog, der allerhand lose aufeinander aufbauende Missionen aneinanderreiht.

Diese ikonischen Charaktere kannst du in Star Wars: Battlefront 2 auswählen

Star Wars Battlefront 2: Alle Helden und Schurken in der Übersicht

Spaß macht das natürlich trotzdem, bleibt aber dennoch hinter den Erwartungen beziehungsweise hinter dem Potential zurück, das der Ausgangssituation inhärent ist. So bietet die Kampagne unterm Strich sechs bis acht Stunden solide Unterhaltung, aber eben keine wesentliche Bereicherung des Star Wars-Mythos, der auch nicht-spielende Star Wars-Fans zum Kauf hätte bewegen können.

So klein und schon bei den Sturmtruppen?

Natürlich ist die Kampagne aber nur eine der Neuerungen, denn auch in den Online-Schlachten hat sich im Vergleich zum Vorgänger jede Menge getan. Herzstück des Multiplayer-Modus ist der 40-Spieler-Modus Galactic Conquest, das Rundum-sorglos-Paket für jeden Spieler-Typen. Enthusiastische Infanteristen wählen eine von vier Klassen aus und stürzen sich in Feuergefechte, Piloten schwingen sich an Bord eines Raumschiffs und mischen das Feld von oben auf und Einzelgänger schicken ihre Lieblingshelden in die Schlacht.

Star Wars Battlefront II (2017) Screenshot 2017.11.13 - 20.25.19.25

Allerdings ist das nicht von Anfang an möglich, Helden und Raumschiffe wollen erst freigespielt werden. Jede Aktion, jeder Kill, jedes bewältigte Missionsziel lässt Punkte springen, die du anschließend investieren kannst. Raumschiffe und Fahrzeuge gibt es schon für wenige Punkte und sind mit wenig Mühe erspielt, für einige der Film-Helden sind hingegen mehrere Tausend Punkte nötig. Innerhalb der Matches gestaltet sich dieses System jedoch recht spendabel. Wer also nicht zu den erfolgreichsten Schützen gehört, sich aber seine Punkte brav aufspart, sollte spätestes in der letzten Phase genug Punkte gesammelt haben, um auch einmal als Luke Skywalker oder Kylo Ren für Verwüstung zu sorgen.

Diese Unlocks ersetzen das unbeliebte Power-Up-System des Vorgängers, in dem es in erster Linie Glückssache war, auch mal das Lichtschwert in die Hand zu nehmen. Jetzt werden stattdessen individuelle Leistungen belohnt und gewünschte Schiffe oder Helden gezielt ausgewählt. Sehr gut! Im nächsten Match geht die Punktejagd dann wieder von vorne los. Gekämpft wird in bekannten Schauplätzen aller drei Film-Epochen, etwa in den Klonfabriken auf Kamino, dem Mos Eisley-Raumhafen auf Tataooine oder rund um Maz Kanatas Bar auf Takodana.

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Nur Fliegen ist schöner

Während im Galactic Conquest der Sitz im Cockpit eines X-Wings noch freigeschaltet werden muss, startet im Starfighter Assault hingegen jeder sofort hinter einem Steuerknüppel seiner Wahl. Dafür verzichtet der Modus vollständig auf Infanteristen und Fahrzeuge, die es im Vakuum schließlich auch reichlich schwer haben dürften. Der Spielmodus ist das heimliche Highlight von Star Wars: Battlefront 2, denn seit der Rogue Sqadron-Reihe und den X-Wing-Spielen von Lawrence Holland hat es keine so großartigen Star Wars-Raumschlachten mehr gegeben.

Die Steuerung ist butterweich, Abschüsse fühlen sich befriedigend an und zudem sehen die Schlachten — wie übrigens auch der gesamte Rest des Spiels — fantastisch aus. Die Entscheidung, mit Criterion Games ein eigenes Game-Studio mit den Weltraumschlachten zu beauftragen, hat sich also definitiv gelohnt.

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Schließlich gibt es mit den Spielmodi Heroes vs. Villains, Strike und Blast auch noch ein paar kurzweilige Alternativen für den unkomplizierten Star Wars-Fix zwischendurch. In Heroes vs. Villains stehen sich jeweils vier Helden-Charaktere gegenüber, Strike ist eine abgespeckte Version des Galactic Conquest, ohne Fahrzeuge und Helden. Hinter Blast versteckt sich das gute alte Team-Deathmatch.

Im Arcade-Modus verbergen sich außerdem einige kurze Szenarios, in denen du dich in drei Schwierigkeitsstufen gegen die KI erwehren musst. Leider gibt es jedoch keine Möglichkeit, sich die zahlreichen Level auch einfach abseits des Kampfgeschehens anzusehen, denn grafisch ist Star Wars: Battlefront 2 kurz gesagt das schönste Star Wars-Spiel aller Zeiten. Jede Karte glänzt aufgrund der ikonischen Umgebungen mit allerhand Wiedererkennungswert. Sicher bin ich nicht der einzige, der sich die Konferenzräume des Todessterns auch einmal in Ruhe ansehen möchte oder gern einen Blick in der Cantina von Mos Eisley werfen will, ohne von allen Seiten beschossen zu werden.

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Wut um Loot

Die größte Kontroverse des Spiels sind allerdings die Star Cards. Sämtlicher Charakterfortschritt ist an die Karten gebunden, die du ausschließlich in Loot-Boxen finden kannst. Das wichtigste vorweg: Die Boxen und somit alle Upgrades im Spiel kannst du über kurz oder lang kostenlos freischalten, kein Inhalt ist ausschließlich Echtgeld-Spielern vorbehalten. Trotzdem bereitet das System Bauchschmerzen. Einerseits ist es wirr und unintuitiv. Wie genau die Star Cards funktionieren wird nämlich nirgendwo erklärt. Stattdessen ist viel Zeit im Menü notwendig, um sich in die zahlreichen Fähigkeiten und Boni einzulesen.

Jede Karte und damit jede Fähigkeit gibt es in vier Seltenheitsstufen, die entsprechend höhere Boni gewähren. Um dem Vorwurf des Pay2Win zu entgehen, hat Entwickler DICE es so eingerichtet, dass Karten der Stufe „Episch“ nicht in den Loot-Boxen zu finden sind. Stattdessen kannst du bestehende Karten aufrüsten, um ihre Seltenheit und damit Effektivität zu erhöhen. Das kostet Ressourcen, die du ebenfalls in den Kisten findest, setzt aber auch stets einen Mindestrang voraus. In der Theorie klingt das schlüssig, so werden die besten Fähigkeiten nur denjenigen zugänglich gemacht, die auch entsprechend viel Spielzeit investiert haben, in der Praxis dauert es allerdings nicht all zu lange, die nötigen Ränge zu erreichen.

Star Wars Battlefront II (2017) Screenshot 2017.11.13 - 20.21.43.61

Wie man es dreht und wendet, die Star Cards und Loot-Boxen sind ein zwielichtiges System. Ja, alle Fähigkeiten und Helden lassen sich auch kostenlos freischalten und nein, zum Spielstart ist es nicht möglich, die besten Star Cards für echtes Geld zu kaufen. Spätestens nach ein bis zwei Wochen aber, sobald alle Spieler in den höheren Rängen unterwegs sind, haben diejenigen einen Vorteil, die echtes Geld locker machen und damit Zugang zu mehr Loot-Boxen haben. Eine Stellungnahme von EA auf Reddit, die das System verteidigt, ist inzwischen zum Reddit-Post mit den meisten negativen Bewertungen aller Zeiten geworden.

Zusammenfassung & Fazit

Star Wars: Battlefront 2 ist in praktisch jeder Hinsicht ein besseres Spiel als sein Vorgänger und dennoch ein zweischneidiges Schwert. Die Kampagne ist abwechslungsreich und weiß zu unterhalten, bleibt emotional aber dennoch weit hinter der Qualität der Filme zurück. Der Multiplayer-Modus ist extrem umfangreich und macht enorm viel Spaß, wird jedoch durch das dubiose System der Loot-Boxen geschmälert. In zweierlei Hinsicht kann Star Wars: Battlefront 2 aber auf ganzer Linie überzeugen. Zum einen gehört die Grafik zum Schönsten, was derzeit auf PC und Konsolen bewundert werden kann. Zum anderen kann sich der Starfighter Assault in die Tradition der großen Star-Wars-Raumschiff-Klassiker aus den neunziger Jahren einreihen. Bitte mehr davon!

Wird dir gefallen, wenn du mit Leib und Seele Star Wars-Fan bist und spektakuläre Raumschlachten vermisst hast.

Wird dir nicht gefallen, wenn du dir von der Kampagne eine filmreife Story erhofft hast und dir Loot-Boxen suspekt sind.

Weitere Themen: Star Wars, E3 2017, Electronic Arts

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