Star Wars: The Old Republic – Stirbt das Abo-Modell endgültig aus?

Eigentlich hatten sich die Kollegen des Gaming Blogs Joystiq für ihr Interview mit den BioWare Chefs Muzyka und Zeschuk ein ganz anderes Thema zurechtgelegt. Es sollte um neue Inhalte für das Online-Rollenspiel „Star Wars: The Old Republic“ gehen. Doch es kam anders. Ohne überhaupt danach gefragt worden zu sein, verstiegen sich Muzyka und Zeschuk in eine verbissene Verteidigungsrede ihres gewählten Bezahlmodells. Die klassische Regelung mit monatlichen Abonnement-Gebühren habe auch weiterhin seine Berechtigung und werde sich trotz der starken Free-2-Play Konkurrenz behaupten können. BioWares verkrampfte Rechtfertigungsorgie ist ein schönes Sinnbild für die aktuellen Umbrüche in der Spieleindustrie. In der Branche stellt man sich selbst eine große Frage: Ist „SWTOR“ der letzte Vertreter einer aussterbenden Art?

Star Wars: The Old Republic – Stirbt das Abo-Modell endgültig aus?

Die Frage nach dem Sinn und Unsinn der monatlichen Gebühren ist ein verdammt alter Hut. Sie begleitet die Spieler schon seit „Ultima Online“ und „Everquest“ und wurde spätestens mit dem Erfolg von „World of Warcraft“ zu einem Allgemeinplatz. Viel getan hat sich in all den Jahren aber nicht. Noch immer werden die gleichen Vor- und Nachteile dieses Geschäftsmodells mit den gleichen Argumenten diskutiert, noch immer werden Verkaufszahlen analysiert und noch immer wird in Foren geschimpft. 2012 könnte sich das allerdings ein für allemal ändern.

Der beeindruckende Erfolg des Free-2-Play Models hat nicht nur Millionen in die Kassen vieler Publisher gespült, er hat auch zu einer spürbaren Verunsicherung auf dem konventionellen Abo-Markt geführt. Das Geschäftsmodell des Monatsbeitrags ist auf dem Rückzug. Nicht wenige Branchenkenner halten „SWTOR“ für das letzte Spiel seiner Art.

"The Old Republic" zapft seinen Spielern noch monatliche Gebühren ab
“The Old Republic” zapft seinen Spielern noch monatliche Gebühren ab

 

Demnach ist das millionenschwere Online-Rollenspiel aus dem Hause EA  kaum mehr als ein letzter, zum Scheitern verurteilter Versuch, dem Quasi-Monopolisten „World of Warcraft“ mit der starken Star Wars Lizenz ein paar mickrige Dollar abzuknüpfen. Sobald Activision Blizzard mit einer neuen IP selbst nachlegt, wird der Abo-Markt – so die Meinung der Kritiker – wieder auf Jahre übersättigt sein. Glaubt man den Skeptikern, dann lautet das abschließende Fazit aus acht Jahren „World of Warcraft“-Herausforderung: Es kann nur einen geben.

WoW-Alternative? Es kann nur einen geben!

Diejenigen, die aktuell den Schwanengesang auf das Abo-Modell anstimmen, haben durchaus schlüssige Argumente. In ihrer Perspektive ließ die monetäre und psychologische Logik des Geschäftsmodells von Anfang an nie mehr als einen großen Gewinner zu. Wer bereits monatlich zur Kasse gebeten wird, überlegt es sich eben zweimal, ob er Abo Nummer eins kündigt oder doppelt zahlt. Für die WoW-Konkurrenz war dies stets ein schwerwiegender Nachteil, der letztlich dazu führte, dass „WoW“ seine Position über so viele Jahre behaupten konnte. Wenngleich diese Analyse für viele Spieler zutreffen mag – sie unterschlägt, dass es den meisten Anwärtern auf den Abo-Thron schlichtweg an Qualität oder Alleinstellungsmerkmalen fehlte.

Ob man den Interpretationen der Abo-Kritiker nun folgt oder nicht – fest steht: Wenn man nicht Activision Blizzard heißt, verdient man sein Geld heute auf andere Weise. Die meisten Publisher investieren momentan in den Bereich Social- oder Mobile Games. Wer ein Spiel mit monatlichen Gebühren im Line-up hat, der hat entweder schon auf das Free-2-Play Model umgestellt oder plant dies für die nahe Zukunft. Ein logischer Schritt, denn die Publisher verdienen damit besser als vorher. „Der Herr der Ringe Online“, „Dungeons & Dragons Online“ und „DC Universe Online“ zeigen wie´s geht. Aus den einstigen Abo-Ruinen wurden blühende Free-2-Play-Landschaften. Wer sofort kostenlos anbietet und direkt auf Mikro-Transaktionen setzt, steht sogar noch besser da. Das zeigen zum Beispiel die Renditen der Hamburger Casual-Produzenten von Bigpoint.

SWTOR war mit einer halben Milliarde Dollar nicht gerade billig

Aus Sicht der Finanziers setzt „SWTOR“ also auf das falsche Pferd und geht mit dem klassischen Abonnement-Model zudem ein hohes Risiko ein. Der Produktionswert des Online-Rollenspiels wurde unlängst auf 500 Millionen Dollar geschätzt. „The Old Republic“ muss also auf das Abo-Model setzen, um wenigstens eine Chance auf profitable Bilanzen zu haben.

Das wissen natürlich auch BioWares Muzyka und Zeschuk. Die gefühlten 150 Interviews zu den Vorteilen der monatlichen Gebühren bekommen damit einen faden Beigeschmack. BioWare kommt momentan die undankbare Aufgabe zu, ein sterbendes Geschäftsmodel mindestens so lange zu legitimieren, bis man selbst schwarze Zahlen schreibt. Um das zu erreichen, bemühten Muzyka und Zeschuk Argumente, die schon lange widerlegt sind. Dass es zum Beispiel das Abo-Model braucht, um mehr Entwicklungszeit und Ressourcen in ein Spiel investieren zu können, kann spätestens seit „Guild Wars“ als falsch bezeichnet werden.

Uns interessiert wie immer auch eure Meinung. Werden wir 2012 das Ende des Abo-Models erleben oder werden auch zukünftige Titel weiterhin auf diese Zahlungsweise setzen? Was glaubt ihr?

Folge uns auf Facebook, Twitter oder Youtube. So bist du immer auf dem neuesten Stand.

Weitere Themen: Mists of Pandaria - WoW Add-on , Electronic Arts

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz