Was ist BarCraft? Ein Besuch in der Berliner E-Sport-Kneipe „Meltdown“

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E-Sport ist mir egal. Das war schon immer so. Als sich meine Freunde in den 90ern hinter beschlagenen Sporthallenfenstern zu den ersten Lan-Partys versammelten, habe ich dankend abgelehnt. Als GIGA eSports einige Jahre später die Matches der neu gegründeten E-Sports-Ligen erstmals im TV übertrug, habe ich weggeschaltet. Auch als die Live-Streams zu den „League of Legends“ und „StarCraft 2“-Meisterschaften einen Zuschauerrekord nach dem nächsten brachen, habe ich nur mit den Achseln gezuckt. E-Sport ist eben nicht mein Ding. Mit dieser Haltung stehe allerdings ziemlich alleine da, wie ein Besuch der Eröffnungsparty des Meltdown, der ersten „reinen eSports-Bar in Berlin“ mir auf höchst stimmungsvolle Weise vor Auge führte.

Was ist BarCraft? Ein Besuch in der Berliner E-Sport-Kneipe „Meltdown“

Es geht um BarCraft. Natürlich weiß der informierte Gamer längst, was genau diese Modevokabel umschreibt und wo der Sozialtrend seinen Ursprung hatte. Ich musste vor meinem Besuch des Meltdown erst einmal recherchieren.

Zu den genauen Ursprüngen des BarCraft gibt es variierende Erzählungen. Mal wird ein User-Post auf Reddit als Initialfunken zitiert, mal werden die Bemühungen eines Koreanischen Barbesitzers aus Seattle als die entscheidende Pionierleistung ins Feld geführt. In beiden Fällen ging es um Live-Übertragungen von Matches der North American Star League, dem größten „StarCraft 2“-Turnier außerhalb von Korea. Hier spielen 50 der weltweit besten SC2-Profis um sehr viel Geld – bei einem BarCraft sieht man ihnen via Live-Stream in einer Kneipe dabei zu.

BarCraft: StarCraft + Live-Stream + Freunde + Kneipe

Warum das Interesse an Veranstaltungen dieser Art so groß ist, erschließt sich bei einem Blick auf die Zuschauerzahlen der E-Sports-Turniere. Die wachsenden seit Jahren beständig und erreichen bisweilen das Niveau einer Bundesligapartie. Wenn zum Beispiel am 05. März die 24 Teilnehmer der „Intel Extreme Masters World Championship“  um den ersten „StarCraft II: Heart of the Swarm“-Weltmeisterschaftstitel kämpfen, dann ist mit einem Millionenpublikum zu rechnen. Doch warum sollten die Live-Stream-Zuschauer Zuhause alleine vor dem Rechner hocken, wenn man den Besten der Besten auch gemeinsam mit anderen Interessierten und Fans zuschauen kann.

Genau das dachten sich wohl auch die Initiatoren der ersten deutschen BarCrafts als sie in ihren Heimatstädten nach einem möglichen Übertragungsort suchten. Da es dafür nur eine vernünftige Internetleitung und eine Beamer braucht – Lizenzkosten fallen bisher nicht an –  waren die ersten deutschen BarCrafts dann auch recht schnell organisiert. Von den Besucherströmen wie sie die amerikanische Szene derzeit an jedem Wochenende hervorbringt, ist man hierzulande zwar noch weit entfernt, doch der Kneipentrend BarCraft spricht sich langsam rum.

In München kümmert sich zum Beispiel die Seite „Munich-StarCraft“ um die neue Szene und auch in Köln und Hamburg erfreute sich das gesellige Public-Viewing zuletzt wachsender Beliebtheit. In Berlin hatte sich unter anderem David Krause um die Organisation der ersten BarCrafts gekümmert. Das brachte ihm so viel Zuspruch ein, dass er sich kurzerhand entschloss, gemeinsam mit Freunden eine reine E-Sport-Bar zu eröffnen.

Das Meltdown-Berlin feierte am vergangenen Samstag in der Berliner Urbanstraße 87 seine Eröffnung. In Zukunft wollen David und seine Freunde der florierenden Berliner Szene ein passendes Zuhause geben – und zwar an jedem Wochentag.

Ganz auf sich allein gestellt sind die mutigen Barbesitzer dann aber doch nicht. Der Name Meltdown ist der Pariser Schwesterbar entliehen und die feierte als »weltweit erste reine e-Sports-Bar« bereits große Erfolge. In Paris brummt der Laden und das dortige Team steht dem Berliner Meltdown mit Rat und Tat zur Seite. Auch am Abend der Eröffnung sind die Pariser BarCrafter präsent – eine Skype-Schaltung verbindet beide Bars, später wird sogar noch ein Turnier zwischen Paris und Berlin ausgetragen.

Eintagsfliege oder nachhaltiger Trend?

Ob sich das Phänomen BarCraft auch in Deutschland als fester Bestandteil der hiesigen Kneipenlandschaft etablieren wird, muss sich noch zeigen. Mit festen Event-Adressen wie dem Berliner Meltdown sind erste Schritte in diese Richtung aber getan. Fragt sich nur, wie oft E-Sport-Interessierte die eigenen vier Wände verlassen, um ihrem Hobby gemeinsam mit Gleichgesinnten nachzugehen. Nicht minder interessant ist zudem die Frage, ob Publisher oder Liga-Verbände die Barbesitzer irgendwann für die Übertragungsrechte an Live-Streams zur Kasse bitten.

Die Zukunft des BarCraft mag ungewiss sein, am Eröffnungsabend des Meltdown war die Bude jedenfalls gerammelt voll. Dank der lockeren Stimmung und dem bunt gemischten Publikum war dieser Abend sogar für E-Sports-Muffel wie mich ein wirklich gelungener.

Weitere Themen: Starcraft 2: Heart of the Swarm Demo, gamescom 2013 – Alle Infos, das Gewinnspiel und wo ihr uns treffen könnt, Activision Blizzard


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