Echtzeit-Strategiespiele: Warum ich sie einfach nicht kann, aber trotzdem liebe

Nils Lassen
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Mit Echtzeit-Strategiespielen verbindet mich eine Hassliebe. Der Gamer in mir liebt sie – und mein Gehirn hasst sie. Wenn es um dieses Genre geht, bin ich zwiegespaltener als Gollum und stelle mich häufig blöder an als irgendwelche dämlichen NPC-Begleiter. Warum greife ich also immer wieder zu Echtzeit-Strategiespielen, wenn sie mich doch so krass überfordern? Lest eine Geschichte aus dem Leben eines denkfaulen Gamers.

Echtzeit-Strategiespiele: Warum ich sie einfach nicht kann, aber trotzdem liebe

Alles begann vor ca. 18 Jahren, als ich aus irgendeinem Grund das erste Age of Empires vor mir liegen hatte – mein allererstes Echtzeit-Strategiespiel. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch relativ jung und unerfahren, dennoch steckte ich viel Zeit in dieses tolle Spiel. Die Matches liefen immer nach den zwei gleichen Schemata ab: entweder ich spielte richtig, baute mir meine Armee auf und rückte dann mit Hopliten, Reitern und Artillerie von Gegner zu Gegner und machte alles dem Erdboden gleich.

Oder aber ich wurde durch einen schnellen Angriff so krass überfordert, dass nur noch der Big Daddy helfen konnte. Nur blöd, wenn gegnerische Priester mein Cheater-Auto dann einfach bekehrt haben. Ich hatte es also geschafft, mir trotz Cheatens noch von der KI aufs Maul geben zu lassen. Stark Nils, ganz stark!

Blicke ich auf diese Zeit zurück und vergleiche meinen damaligen Skill mit meinem heutigen, muss ich leider feststellen, dass ich nach wie vor der gleiche Kacknoob bin wie noch vor 18 Jahren. Autsch, voll in die Gamer-Ehre. Denn in allen darauf folgenden Echtzeit-Strategiespielen baue ich immer langsam alles auf und zieh meine Armee hoch, so lange bis ich keine weiteren Einheiten produzieren kann – und stürze mich dann, übermächtig wie ich bin, in die Schlacht. Das funktioniert gegen Computer-Gegner  vielleicht noch ganz gut, aber spätestens als ich meine ersten Online-Schritte mit StarCraft 2: Wings of Liberty begann, musste ich meine Taktik etwas umstellen. Schnell expandieren, früh Einheiten produzieren, auf den Gegner reagieren, kleinere Einheiten zum Wohle der Allgemeinheit opfern und all der ganze unendlich stressige Kram. Bei mir sieht das häufig so aus:

Wir befinden uns in einem 1-on-1 in StarCraft 2, ich spiele die Zerg, der Gegner die Protoss. Nachdem ich einen gewohnt famosen Start mit Basenbau und Einheitenproduktion hingelegt habe, begebe ich mich mutig auf den Weg Richtung Gegenspieler. In einer gewagten Nacht-und-Nebel-Aktion vernichte ich mit meiner geballten Streitmacht eine seiner Expansionen. Was für ein geiler Macker ich doch bin. Anschließend fällt mein Blick auf meine Ressourcen: wie immer viel zu viele, wie soll ich denn auch neben meinem glorreichen Feldzug noch auf meine Einheiten- und Gebäudeproduktion achten? Als ob Alexander der Große damals noch nebenher Felder beackert hätte, ich bitte euch!

Nachdem ich mich kurz meinem Gottkomplex hingegeben habe, muss ich feststellen, dass mein Gegner sich erholt hat und mich jetzt von zwei Seiten angreift. Dabei pflückt er einzeln meine nachrückenden Einheiten ab – Zergling um Zergling segnen das Zeitliche. Ich scrolle über meine Basen, sämtliche Königinnen glotzen blöd in der Gegend rum (warum können die denn nicht endlich mal eigenständig die Brutstätte anrotzen, ist das zu viel verlangt???). Ich klicke wild umher, produziere sinnlose Gebäude und versuche mit hastig produzierten Nahkämpfern Lufteinheiten anzugreifen. In der Zwischenzeit ist meine Hauptstreitkraft seelenruhig durch ein Meer aus Türmen gelaufen. Aber immerhin habe ich es geschafft gefühlte 100 Arbeiter in die Produktion zu geben, die alle fleißig auf ein einziges Mineralienfeld laufen und dort schön Deutsch eine Schlange gebildet haben.

Als ich merke, wie mir Gehirnmasse aus der Nase läuft, schreibe ich höflich „gg“ in den Chat und beende vorsichtshalber das Trauerspiel. Aber in der nächsten Runde wird alles besser, oder?

Naja, bedingt. Manchmal verliert man halt und manchmal gewinnt der Andere. Aber irgendwie greife ich doch immer wieder zur Maus. Ganz einfach, weil mir diese Art Spiele so viel Spaß macht, dass ich Schläge ins Gesicht besser wegstecken kann als die Klitschkos – und trotzdem verbessere ich mich dabei nicht.

Manche würden jetzt behaupten, ich wäre zu dumm. Ich formuliere es lieber so: ich bin einfach zu faul zum Denken. Wenn ich in einem Spiel auf ein Hindernis, Rätsel oder Bossgegner treffe, lautet meine Devise: als Erstes gegen die verschlossene Tür schlagen, wahllos Schalter umlegen oder eben stumpf auf den Boss einkloppen, um seinen Schwachpunkt zu finden – irgendwann klappt es schon. Bei Hindernissen und Rätseln nehme ich zur Not eine Lösung zur Hand, bei Bossen habe ich deutlich mehr Geduld, da mir das Kämpfen mehr Spaß macht als das Nachdenken.

Daraus könntet ihr, liebe Leser, nun schließen, dass ich bei Echtzeit-Strategiespielen lediglich Einheiten in den Krieg schicken und den Basenbau am liebsten komplett überspringen will. Aber das ist mir dann schon wieder zu simpel. Ich muss zugeben, da stelle ich mich tatsächlich etwas an – ich habe quasi Gaming-Stimmungsschwankungen. Mal habe ich Lust, mal nicht, dann rege ich mich übertrieben auf und im nächsten Moment umarme ich gedanklich meine Truppen. Das heißt: Basenbau muss schon drin sein, aber ich bin schlagartig überfordert, sobald Kämpfe ausbrechen und ich mich auf mehr als eine Sache gleichzeitig konzentrieren muss. Ich will aber trotzdem mein Reich aufbauen, das gefälligst ewig halten soll – ah, verdammt, dieser doofe Gottkomplex schon wieder.

In meiner Laufbahn als Gamer haben mich Echtzeit-Strategiespiele, wie Age of Empires, Warcraft 3, Schlacht um Mittelerde und StarCraft 2 so stark geprägt, dass sie einfach nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken sind. Ich wollte mir immer mal Grey Goo anschauen, da dort der Fokus weniger auf dem Basenbau, als mehr auf taktischen Schlachten basieren soll - und dass, ohne den Aufbau komplett zu vernachlässigen. Wenn da nicht ständig dieses GIGA wäre, bei dem ich meine Zeit mit Kolumnen und News verbringe. Ach, drauf geschissen, ich spiel jetzt Legacy of the Void!

Jetzt kennt ihr meine Meinung über Echtzeit-Strategiespiele. Kennt ihr auch schon Annikas Meinung zu Horror-Spielen?

Die Faszination des Bösen

Weitere Themen: Grey Goo, Age of Empires, StarCraft 2: Wings of Liberty, WarCraft 3: Reign of Chaos , Blizzard Entertainment

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