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Internet - Das Ende einer Ära?

casi
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(de traxx)Jeden, der jetzt denkt, dass ich das Ende des Internet verkünden möchte, muss ich leider enttäuschen. Denn hier ist nicht das Internet das Opfer.
Vielmehr wird es unfreiwillig in die Täterrolle gedrängt. Die aktuelle Entwicklung in der Spieleindustrie zeigt, dass immer mehr Entwickler dazu neigen ihre Spiele mit einem Internetzwang auszustatten.

Internet - Das Ende einer Ära?

Dies schützt vor Softwarepiraterie. Und wen interessiert der Kolleteralschaden?
Scheinbar niemanden. Denn die Spieleschmieden sehen sich durch marodierende Piraten so in ihrer Existenz bedroht, dass sie wie mit Scheuklappen alles für ihren Selbsterhalt tun. Aber was haben die Schutzmechanismen der Spieleentwickler sonst für folgen?

Betrachten wir hierzu mal einen durchschnittlichen, 16 jährigen Zocker.
Er geht zur Schule (oder fängt vielleicht gerade eine Ausbildung an) und vertreibt sich danach mit seinem Hobby die Zeit. Er kommt nach Hause und hängt stundenlang vor dem Rechner, bis er mitten in der Nacht mit Augenringen ins Bett fällt, um morgens völlig übermüdet wieder aufzustehen und den Kreislauf von Neuem zu beginnen. So sehen das zumindest die Leute, die es so sehen wollen. Die Realität sieht so aus, dass der Durchschnittszocker gerade mal ein paar Stunden am Tag spielt, da auch er – man glaubt es kaum – Freunde, Pflichten und andere Hobbys hat.

Ich für meinen Teil (und da wird es vielen wohl genauso gehen), habe sowieso nie viel darauf gegeben, zu Hause 8 Stunden am Stück irgendeinen Singleplayer durchzuzocken. Doch irgendwann kommt der wahre Kern des ziemlich abwegigen Zockerchliches zum Vorschein. Es gibt tatsächlich eine Zeit, in der sich der – sonst so normale – Gamer in seine Höhle zurückzieht, um von der Außenwelt vollkommen abgeschottet seinem Laster zu frönen: Die LAN-Party.

Und was passiert mit unseren LAN-Partys, wenn zukünftig sämtliche Spiele nur noch mit einer aktiven Internetverbindung spielbar sind? Erstmal recht wenig. Denn jeder von uns wird wohl eine DSL-Leitung zu Hause haben, die in der Lage ist, die paar Datenpakete zu den (dies ist lediglich ein Beispiel) EA-Servern zu leiten, um ihnen mitzuteilen “Ich bin KEIN Pirat!” Also: Kein Problem.

Doch jetzt kommt das große ABER: Was passiert, wenn ein Spiel – wie zum Beispiel Starcraft 2 – erst gar keinen LAN-Modus integriert bekommt?
Folge ist, dass man das Spiel im Multiplayer lediglich über das Internet spielen kann. Abgesehen davon, dass es des Arbeitsaufwandes wegen logischer wäre, dann direkt mit seinen Freunden übers Internet zu spielen, kann dies, bei niedriger Bandbreite oder entsprechend vielen Teilnehmern der LAN definitiv zu Problemen führen, ja diese sogar gänzlich unmöglich machen. Da fragt man sich doch, wieso die Spieleentwickler uns diesen kleinen Teil soziales Leben – und nebenbei auch noch einen riesen Spaß – wegnehmen.

Eine Erklärung liegt nahe: Die Wirtschaftlichkeit. Sprich: “Weniger Raubkopien, mehr Gewinn”. In der Klausur zu “Medienbetriebslehre” bin ich zwar ziemlich abgestunken, allerdings hätte ich mir da definitiv eine Frage gewünscht, wie sie sich die Blizzardmitarbeiter vor geraumer Zeit wohl gestellt haben sollten: Mit welchem Spiel ließen sich größere Gewinne erzielen? Begründen Sie Ihre Antwort!: a) Ein Spiel, welches sich im ersten Jahr ca. 12 Millionen mal verkauft und danach mittelmäßig, aber nicht wenig, erfolgreich ist b) Ein Spiel, dass sich im ersten Jahr ca. 8 Millionen mal verkauft (Defizit, weil Raubkopien) und dermaßen erfolgreich wird, dass es eine eigene Sportart hervorbringt, 10 weitere Jahre – trotz völlig veralteter Technik – gespielt und gekauft wird und welches – nicht zuletzt – seinem Nachfolger einen so großen Hype versetzt, dass (ganz zu schweigen von seinem bevorstehenden Release) der Start dessen Betaphase ein Meilenstein der Gaminggeschichte darstellt. Ich denke jeder von uns kennt die Antwort. Aber den Softwareentwicklern ist wohl nicht klar, dass der langfristigen Erfolg eines Computerspiels durch solche Einschränkungen massiv in Mitleidenschaft gezogen wird.

Alles in allem werden die Piratenabwehrsysteme wohl das Ende der Ära LAN und der Jahrzehnte lang erfolgreichen Computerspiele bedeuten. Man sieht, dass es in der Spieleindustrie – wie in der Politik – nicht um Nachhaltigkeit, sondern um kurzfristigen Erfolg und Profit geht.

Wie steht ihr dem Thema gegenüber? Eure Meinung bitte in die Comments!

Weitere Themen: Internet, StarCraft 2 Demo, Activision Blizzard

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