Valves Big Picture Mode – Die überfällige Revolution

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Es gibt Erfindungen, die machen das Leben über Nacht einfacher. Der Reißverschluss zum Beispiel. Vor ihm lebten die Menschen in einer komplizierten Welt voller Schnüre, Fibeln und fummeliger Knöpfe. Dann tauchte plötzlich der Reißverschluss auf und zzzzzzzzzzzzzip – die Welt war eine andere. Der Big Picture Mode soll Valves Version des Reißverschlusses sein. Er bringt die erfolgreichste PC-Spiele Plattform Steam mit einem Knopfdruck auf den heimischen Fernseher und befreit uns damit von nervigen Einstellungen und frustrierender Keyboard-Akrobatik. Das wurde auch langsam mal Zeit.

Valves Big Picture Mode – Die überfällige Revolution

Steam erreicht also endlich die Couch. Wegweisend oder gar revolutionär wäre das vielleicht vor drei Jahren gewesen. Im Jahr 2012 ist Valves Big Picture Mode kaum mehr als eine überfällige Anpassung an den Spielealltag. Zumindest an meinen.

Ich spiele PC-Games auf dem Fernseher, seit ich mir ein peinlich gigantisches HD-TV-Gerät spendiert habe. Besonders viele Gedanken habe ich mir zu der Verbindung zwischen Computer und TV-Gerät dabei nie gemacht. Für mich war das einfach ein logischer Schritt. Warum am Schreibtisch buckeln, wenn doch das Sofa so viel bequemer ist. Warum auf die bessere Grafik verzichten, wenn doch die meisten Multiplattform-Titel auf dem PC deutlich besser aussehen. Warum auf nützliche Zusatz-Programme wie Teamspeak oder die produktive Modding-Szene verzichten, wenn all das nur eine Tab-Bar entfernt ist.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Sofa-Seins

Natürlich hatte diese komfortable Kombination aus High-End-Rechner und entspannter Liegeposition von Anfang an ihre Grenzen. Schließlich lassen sich komplexe Strategiespiele, Online-Rollenspiele und schnelle Multiplayer-Shooter nicht am TV-Gerät spielen, ohne sich komplett der Lächerlichkeit preiszugeben. Das dachte ich zumindest.

Doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Vorsätze und Prinzipien werden in einer angenehmen Körperhaltung schneller über Bord geworfen, als man »Battlefield 3 mit Gamepad« sagen kann. Anfangs ärgert man sich noch über die eklatanten Nachteile der eigenen Faulheit und jeder zusätzliche Abschuss in einer Mehrspielerpartie erhält die auto-aggressive Fußnote: »selbst Schuld, Alter!«.

Für die technischen Fallstricke, die mit der Signalausgabe auf dem TV-Gerät einhergehen, kann ich hingegen nichts. Daran sind andere schuld. In meiner frühen Phase als Sofaspieler habe ich mich ausgiebig über das suboptimale Catalyst Control-Center aufgeregt. Das Einstellen von Anzeige und Treibern hat mich unter Windows nicht selten an den Rand des Wahnsinns getrieben. Nicht weniger ärgerlich sind unausgereifte Gamepad-Unterstützungen. Insbesondere dann, wenn in der Konsolen-Version alles problemlos funktioniert. Am schwersten wogen allerdings schon immer die miesen virtuellen Keyboards, denn hier wird uns TV-PC-Spielern auf schmerzhafte Weise vor Augen geführt, wie bescheuert wir sind. Die Tastatur liegt nur wenige Meter entfernt auf dem Schreibtisch und doch lassen wir einen zehrend umständlichen Eingabe-Exzess über uns ergehen – bloß nicht aufstehen. Ein Trauerspiel.

Valves Big Picture Mode kommt spät aber richtig

Wenn man also wie ich gewillt war, all diese eklatanten Nachtteile über Jahre hinweg für ein Paar hochgelegte Füße in Kauf zu nehmen, dann scheint Valves Big Picture Mode doch reichlich spät zu kommen. Hätte Steam mein Leid nicht schon sehr viel früher erkennen müssen? Mit derartig schwerwiegenden Problemen und Bedürfnisse lässt sich doch Geld verdienen.

Besser spät als gar nicht heißt somit wohl die Devise, unter der man ab heute auf Steam in die Betaphase gehen kann. Immerhin: Auch wenn der Big Picture Mode zu spät kommt – wenigstens kommt er dafür richtig.

Richtig gut nämlich: Der alternative Betriebsmodus der weltgrößten Vertriebsplattform bietet alle Vorteile der Konsolen, bedient sich dabei der bewährten Xbox 360-Optik und kann sogar noch ein Bisschen mehr als LIVE und PSN. Simpel, intuitiv und zugänglich führt der Big Picture Mode seine Nutzer durch den kompletten Steam-Kosmos. Shoppen, chatten, surfen, glotzen – alles geht leicht von Hand, sieht überraschend gut aus und wurde mit sinnvollen Anpassungen an die Gamepad-Steuerung angereichert. Mit einem funktionierenden virtuellen Keyboard zum Beispiel.

Für uns Sofa-Revolutionäre ist Valves Big Picture Mode also kein großes Ding mehr. Wir liegen da ja schon. Das Mehr an Komfort ist trotzdem willkommen.

Ein Test für die Steam Box

Über die eigentliche Revolution hinter dem Big Picture hat Valves Greg Coomer übrigens auch schon gesprochen. Die mirakulöse Steam Box nämlich, die seit einigen Monaten immer wieder in der Gerüchteküche auftaucht. »Was wir wirklich wollen«, so Coomer gegenüber Kotaku, »ist Big Picture Mode auszuliefern und zu lernen. Wir wollen herausfinden, was die Leute daran wertschätzen. Wie sie ihn benutzen. Ob das überhaupt eine gute Idee für unsere Kunden ist. Dann entscheiden wir, was wir tun und dann könnte es durchaus Sinn machen, diese Box von der sie da sprechen, zu bauen.«

 

Wir wollen natürlich auch herausfinden, ob euch der Big Picture Mode gefällt. Oder anders gefragt, wer spielt überhaupt PC-Games auf dem Fernseher?

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