Deutschlands Fighting Game Community: Schlägertypen auf verzweifelter Szenesuche

Die EVO, das weltweit größte Fighting Game Turnier, fand erst vor wenigen Wochen im Caesars Palace in Las Vegas statt. Wie viele Teilnehmer einen Hangover hatten, ist nicht sicher. Jedoch pilgerten über 6000 Fight Game Pros aus aller Welt in die Wüste, um im virtuellen Ring die Krone des Genres zu erlangen. Dies sorgte dafür, dass die diesjährige EVO die Größte seit Turnierbeginn im Jahre 2002 war.

Deutschlands Fighting Game Community: Schlägertypen auf verzweifelter Szenesuche

Die Evolution Championship Series, kurz EVO, brach dieses Jahr mit zeitweise fast 150.000 zeitgleichen und über 1.7 Millionen Zuschauern insgesamt alle Rekorde. Doch in der elfjährigen Turniergeschichte schaffte es bisher erst ein deutscher Gamer unter die Top 8. Mustafa Akcakaya, alias „Ice“, kämpfte sich dieses Jahr in Super Smash Bros. Meele bis auf Platz 7 vor. Mit Deutschland als 5. größtes Gaming-Land, müsste das zumindest statistisch ganz anders aussehen.

Also was sind die Gründe für den deutschen „Fighter“-Mangel? Dass die EVO in den Staaten stattfindet, ist ganz klar ein zu beachtender Punkt. Jedoch selbst, wenn wir die EVO außen vor lassen, ist die Fighting Game Community hierzulande kaum vertreten.

Die Fighting-Game Hochburgen USA und Japan haben ihre großen Szenen ganz klar den dort zulande sehr beliebten Spielhallen (nicht mit unseren Spielhallen vergleichbar), den sogenannten „Video-Arcades“ zu verdanken. Sie sind essentieller Bestandteil der Entstehung von entsprechenden Communities in den jeweiligen Städten. Dort werden regelmäßig Turniere abgehalten und dadurch oft neue Spieler angelockt.

Fighting Communites hierzulande kaum vertreten

Da es hierzulande nichts Vergleichbares gibt, erschwert es das Entstehen einer Szene extrem. Internet-Foren und Community-Pages schaffen da nur geringfügig Abhilfe. Die ohnehin schon kleine Masse an Fighting Game-Interessierten verteilt sich auf mehrere Foren und englischsprachige Communitys.

Selbst in anderen EU-Ländern ist die Community vergleichsweise groß. So sind beispielsweise in England fast monatlich Turniere, was für weiteren Zuwachs sorgt. In Deutschland sind Turniere eher die Ausnahme. Dabei sind diese, wenn sie denn stattfinden, verhältnismäßig gut besucht. Es ist die Unwissenheit darüber, wie viele Fighting Game-Interessierte man in seiner Region tatsächlich hat.

Die in Games erstellten Online-Lobbys nach meiner Stadt zu benennen, sorgte dafür, dass ich binnen kurzer Zeit einige Leidensgenossen in meiner nähren Umgebung gefunden hatte. Mit denen konnte man sich dann leicht auf ein paar Bier zu einem lokalen Duell treffen, was deutlich spannender ist, als das ständige Kommunizieren via Headset. Außerdem hilft ein fester Sparringpartner ungemein beim Verbessern der eigenen Skills. Größer wird die Spielerzahl dadurch jedoch nicht.

Fighting Games: Lange Lernkurve schreckt Neulinge ab

Ein weiterer Grund ist die lange Lernkurve, um ein derartiges Game beherrschen zu können. Klar bieten die meisten Vertreter des Genres Tutorials und Training Modes. Jedoch sind diese oft keine große Hilfe. So gehen die Macher in Street Fighter 4 davon aus, dass Ihr das Timing der Schläge um Combos auszuführen bereits kennt und beherrscht. Anders kann ich mir nicht erklären, warum es keinen Anhaltspunkt auf das Timen der Eingaben gibt.

Bei Tekken hingegen wird in Videos erklärt, wie diverse Combos funktionieren. Diese beinhalten sogar die gedrückten Tasten. Jedoch kann die Masse an Moves für Neulinge schnell überfordernd sein. Fighting Games leben nach dem Motto „Easy to Learn, Hard to Master“. Im Bezug auf Tutorials besteht also enormer Verbesserungsbedarf.

Gehen neue Spieler nach einem kleinen Training sowie einigen Kämpfen gegen die KI schon in den Onlinekampf, werden sie dort regelrecht meist zerkaut und in die Ecke gespuckt. Das sehr lange und nötige Üben ist sicherlich eines der größten KO-Kriterien für diese Art von Games.

Dabei ist es eines der interessantesten Genres, vor allem im kompetetiv und E-Sports Bereich. Jemand der absolut null Ahnung von dem Game hat, bei dem er grade zusieht, ist von Ego-Shootern, sofern der Spieler nicht grad eine lange Headshot-Folge hat, nur mäßig beeindruckt. RTS-Games à la DOTA sorgen bei Zuschauern, die mit der Materie nicht vertraut sind, nur für ein riesengroßes Fragezeichen.

Ein Kampf hingegen erklärt sich von selbst und ist somit von Beginn an spannend. Oft reicht das genauere Zuschauen schon aus, um die speziellen Grundprinzipien zu verstehen. In Gesellschaft mit Freunden sind beispielsweise ein paar Tekken-Kämpfe ganz lustig und schnell gemacht. Dafür wiederum würden sich FPS und RTS-Games nicht eignen, da sie einfach nicht zu diesem Zweck gedacht sind. Sportspiele eignen sich da wiederum auch gut und haben den Bonus, dass sich hierzulande unter anderem der Fußball hoher Beliebtheit erfreut.

Viele von uns hatten bereits Fun beim Spielen von Street Fighter und Co. Also woran liegt es, dass Leute nicht dran bleiben? Ist es der Mangel an Turnieren? Fehlen hierzulande tatsächlich die Video-Arcades? Oder lässt die „Easy to Learn, Hard to Master“- Philosophie Interessierte vorzeitig KO gehen?

Folge uns auf Facebook, Twitter oder Youtube. So bist du immer auf dem neuesten Stand.

Weitere Themen: Capcom

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz