Street Fighter 5 im Test: Kämpfe für Anfänger und Profis?

Robert Meissner
27

In Street Fighter 4 habe ich bereits ein paar hundert Stunden investiert. Mit Street Fighter 5 geht das Franchise jetzt einen Schritt weiter. Im Rahmen meines Tests sage ich euch als SF-Veteran, was sich verbessert hat und was mir gar nicht gefällt. Ich will außerdem die Möglichkeit nutzen, euch zu erklären, welche Faszination mich antreibt, so viel Zeit in diese Spielereihe zu stecken.

Schaut euch den Trailer zu Street Fighter 5 an:

6.821
Street Fighter 5: CG-Trailer

Street Fighter: Aller Anfang ist schwer

Jedes Mal, wenn wir uns einem neuen Spiel stellen, lernen wir neue Fähigkeiten. In Rollenspielen lernen wir Regelwerke und damit Welten verstehen, in Egoshootern neue Umgebungen und Waffen. Fighting Games bewegen sich außerhalb dieser riesigen Bereiche der Spielebranche. Sie wurden auch längst überholt von MOBAs und sind nach wie vor ein Nischenprodukt.

“Zu verstehen, was an Fighting Games so faszinierend ist, heißt zu verstehen, was nach dem Feuerball kommt.”

Zu verstehen, was an Fighting Games so faszinierend ist, heißt zu verstehen, was nach dem Feuerball kommt. Erst, wenn die Ausführung der Attacken einigermaßen gemeistert wurde, kann Platz im Hirn gemacht werden für den wirklichen Meister des Spiels. Planung und Antizipation. Genau wie im Schach müssen Street-Fighter-Spieler ab einem gewissen Niveau verstehen lernen, dass es nicht nur darum geht, was ich mache, sondern wann ich es mache.

Dieser Schritt vom Ausführen einer Attacke hin zum planvollen Ausführen ist unglaublich aufwändig. Während in anderen Spielen die Optionen genauso vielfältig sind, ist die Ausführung dort jedoch viel einfacher. Selten wird mehr vom Spieler verlangt, als das bloße Drücken eines Knopfes um spektakuläre Attacken zu starten. Der berühmte Feuerball (Hadouken!) von Ryu aus Street Fighter verlangt hingegen ein wenig mehr Koordination, das Shoryuken sogar noch mehr. Diese Koordination erlangt jeder Spieler nur durch Übung – und genau hier versucht Street Fighter 5 mit seinem Erbe zu brechen.

Street Fighter 5: Alle Kämpfer + Move-Listen in der Übersicht

Alle Street-Fighter-Spiele in der Historie

Alles anders bei Street Fighter 5?

Street Fighter 5 hat ein eindeutiges Ziel: Mehr neue Spieler generieren. Die 16 verfügbaren Charaktere haben weniger Special Moves als in ihrem Vorgänger und sie sind leichter in Kombos aneinanderzureihen als jemals zuvor. Ihr bekommt also nur eine sehr übersichtliche Anzahl an Attacken, die miteinander kombinierbar sind. Als Beispiel: Jeder Charakter hat mit dem mittleren Tritt eine weitreichende Attacke, an die sich keine weitere Attacke knüpfen lässt. Dieser sogenannte “Poke” ist für jeden Charakter ähnlich aufgebaut. Street Fighter 5 hat einige solcher charakterübergreifenden “Regeln”, die dafür sorgen, dass Neulinge nicht sofort den Überblick verlieren.

Lina schildert ihren Eindruck als Street-Fighter-Neuling: Als kompletter Neueinsteiger sollte Street Fighter 5 für mich eine echte Herausforderung werden. Im Story-Modus probierte ich mich an dem typischen Button-Mashing. Schließlich zeigte mir die Move-Liste bloß irgendwelche bunten Bildchen an, mit denen mir eine Auseinandersetzung noch recht kompliziert erschien. Als ich dann den Survival-Modus angespielt habe, verstand ich endlich, weshalb es überhaupt wichtig ist, einige Moves zu kennen. Mit dieser Motivation war das Lesen der Symbole keine große Herausforderung mehr. Es ist also durchaus möglich, den Einstieg in das Kampfsystem von Street Fighter 5 innerhalb von kurzer Zeit zu schaffen – wenn man das richtige Mindset dafür mitbringt oder findet.

Verwirrend könnte es dennoch werden, denn V-Skill, V-Trigger und V-Reversal sind bei jedem Charakter anders. Dabei handelt es sich um verschiedenste Fähigkeiten, die zusätzlich zu den Special- und Super-Moves zur Verfügung stehen. Der V-Skill zum Beispiel ist durch das zeitgleiche Drücken zweier Knöpfe (Mittlerer Schlag und Mittlerer Tritt) auszulösen. Der Fanfavorit Ryu erhält dadurch die Möglichkeit, die Attacken seines Gegner zu absorbieren. Rashid dagegen springt entweder in die Luft oder rollt sich vor. Im richtigen Moment eingesetzt ist das eine gute Option, um beim Gegner für große Augen und einen offenen Mund zu sorgen.

Trotz des Fokus auf neue Spieler, wird auch den Veteranen der Serie der Einstieg möglichst einfach gemacht.Versteckt unter “Other Options” findet sich die Aktivierung sogenannter “Legacy Controller”. Wer einen Arcade Stick oder Controller der alten Generation besitzt, kann diesen auch in Street Fighter 5 weiterhin nutzen, obwohl diese normalerweise nicht an der Playstation 4 funktionieren. Nicht noch einmal viel Geld für einen neuen Stick ausgeben zu müssen, hat mich als Fan dieser alternativen und präzisen Steuerungsoption extrem gefreut.

Street Fighter 5 zeigt einfach, dass es gespielt werden will. Ich soll mit schwitzigen Händen und lautem Fluchen möglichst viele Matches genießen.

Street Fighter 5: Einsteiger-Tipps und Guide zum Kampfsystem

Die Faszination, nicht aufhören zu können

Ich fluche viel. Ich liebe es einfach, wenn mir das Spiel keine Wahl lässt, als Emotionen zu zeigen. Jeder, der das hier liest und das Spiel mag, kennt das. Die Spiele, die wir am meisten lieben, sind oft auch die Spiele die uns am lautesten Schreien und am härtesten in den Controller beißen lassen.

Eine der Grundregeln für Anfänger in Street Fighter ist: “Spiele nicht um zu gewinnen!”. Das ist leichter gesagt als getan. Diese Regel hat einen guten Grund. Wer verkrampft versucht ein Match für sich zu entscheiden, wird nicht viel Spaß haben. Der Sieg wirkt am Anfang nahezu unmöglich. Zu Beginn ist der andere Spieler zu schnell. Der Gegner wälzt euch mit seinen Fähigkeiten einfach nieder. Mehr als der eine oder andere Glückstreffer ist einfach nicht drin.

Sich in Street Fighter 5 von diesem Punkt weg zu arbeiten, dauert weniger lang als in den Vorgängern, ist aber immer noch mit Aufwand verbunden. Wer keine Lust hat, im gekachelten Trainingsraum stumpf das Ausführen von Special Moves zu üben, wird auch an diesem Teil keinen Spaß haben. Nur wenn die Muscle Memory sitzt, ist Platz im Kopf für die Meta. Platz für die Taktik.

Denn wer weiß, dass bei seinen Eingaben auch das reinkommt, was eingegeben wird, der guckt nicht mehr auf seinen eigenen Charakter. Der Blick geht rüber zum Gegner. Das ist der Moment, an dem ein entscheidender Gedanke das erste Mal auftritt: “Was macht er wohl als Nächstes?”. Diese Antizipation führt dann zum ersten Sieg. Zu hochgerissenen Armen, zum lauten Schreien – vor Freude.

Street Fighter 5, es gibt da ein Problem: So gerne ich Street Fighter 5 mag, so sehr verstört mich seine unangebrachte Darstellung der Frauen – insbesondere Rainbow Mika und Laura Matsuda. Diese beiden Charaktere sprengen jeglichen Rahmen des guten Geschmacks. Das Outfit, das Laura in ihrer Story trägt, würde nicht einmal in einem Porno angemessen wirken. Zusammen mit Cammy wird die Position dieser Charaktere als Lustobjekt mit degradierenden und voyeuristischen Kameraeinstellungen nur zementiert. Auch die Aussage, dass Street Fighter nun einmal mit Stereotypen arbeitet, ist allenfalls eine Beleidigung für die Frauen der Länder, die diese Charaktere repräsentieren sollen. Dabei kann das Spiel eigentlich auch anders! Karin Kanzuki ist ein Beispiel für eine toll gestaltete Frau, deren Storyoutfit auch ohne Tanga und Brüste ansprechend aussieht. Und mal ehrlich: Es gibt da draußen genug starke Frauen in den Kampfsportarten dieser Welt, die sich Capcom durchaus als Vorbild hätte nehmen können. Meine persönliche Konsequenz daraus ist, dass ich keinen dieser Charaktere spielen werde, bis sie ein ordentliches Design erhalten.

Mein Test-Fazit zu Street Fighter 5:

Street Fighter 5 hat an den richtigen Stellen geschraubt. Es ist immer noch ein komplexes Spiel, aber charakterübergreifende Regeln für Moves und ein runtergeschraubtes Set an Special Moves sorgt für mehr Übersichtlichkeit. Das Spiel sieht mit seinem visuell farbenfrohen Stil fantastisch aus, der Soundtrack sitzt. Auf der Strecke bleiben leider weiterhin der Storymodus und das Design der weiblichen Charaktere. Weniger wäre dann direkt ganz nackt. Schade!

Street Fighter 5 erscheint am 16. Februar 2016 für PlayStation 4 und PC. Ihr könnt .

Die GIGA GAMES Wertungsphilosophie

Hat dir "Street Fighter 5 im Test: Kämpfe für Anfänger und Profis?" von Robert Meissner gefallen? Schreib es uns in die Kommentare oder teile den Artikel. Wir freuen uns auf deine Meinung - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook, Twitter oder Google+ folgen.

Wertung

8/10
Getestet von Robert

Spielerisch toller Fighter, der sich auf das Wesentliche konzentriert und damit Einsteiger wie Veteranen anspricht. Klarer Minus-Punkt für das degradierende Design der weiblichen Kämpferinnen.

Weitere Themen: Street Fighter, Capcom

Neue Artikel von GIGA GAMES