In all dem Trubel um das große Herbstgeschäft hätten wir “Stronghold 3″ beinahe vergessen. Kein Wunder, schließlich zünden die Publisher im Oktober eine Marketingbombe nach der nächsten und lenken mit aufwendig produzierten Trailern, Spots und Anzeigen alle Aufmerksamkeit auf ihre Megaseller. Ein Spiel wie “Stronghold 3″ hat es da sehr schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Als die finale Testversion dann plötzlich bei uns im Postfach lag, schien uns der miesepetrige Grottenolm, der das dürftig designte Cover von “Stronghold 3″ ziert, vorwurfsvoll zu sagen: Vergesst mich nicht!

Füsse hoch – Adrenalin runter

Wir haben “Stronghold 3″ weder vergessen, noch haben wir es bereut, so viel Zeit mit diesem Kleinod aus längst vergangenen Echtzeit-Tagen verbracht zu haben. Den Firefly Studios ist es erneut gelungen, unser dauergereiztes Gamerhirn mit Apfelernten und Pechgräben angenehm zu entschleunigen. Bei all so viel Rasanz und Spektakel in der gegenwärtigen Spielwelt wird das wohlig-warme Tempo von “Stronhold 3″ zur willkommenen Abwechslung.


Es geht wieder einmal um die Kombination aus klassischer Aufbauarbeit und mittelalterlichen Echtzeitkämpfen. Rohstoffe wie Holz und Steine abbauen, die langsam entstehende Siedlung planen und möglichst effizient verwalten, eine schlagkräftige Armee ausheben und schließlich eine Festung bauen, die auch dem stärksten Ansturm standhält. Mit “Stronghold” hatten die Firefly Studios diese Elemente 2001 nahezu perfekt vermengt. Danach ging es allerdings steil bergab. Zahlreiche Verschlimmbesserungen und überflüssige Experimente ließen die Entwickler das Wesentliche aus den Augen verlieren.

Innovation? Nein danke!

Nun hat man bei den Firefly Studios endlich begriffen, was “Stronghold” seinerzeit so gut machte. Der dritte Teil steht deshalb auch eher im Zeichen der Konservierung als im Zeichen der Innovation. Die wirklichen Neuerungen lassen sich an einer Hand abzählen. Neu ist zum Beispiel, dass die Platzierung der Wohnhäuser Einfluss auf die Zahl der Dorfbewohner hat, die dort Platz finden. Ein Gehöft, das direkt neben unserem Bergfried steht, bietet mehr Menschen ein Dach über dem Kopf, als eine Behausung am Rande unserer Siedlung. So zwingen uns die Entwickler, schon früh eine genaue Vorstellung von unserer mittelalterlichen Stadt zu entwickeln.


Auch die Gesetze der Schwerkraft feiern in “Stronghold 3″ erstmals ihren Einstand. Die Havok-Engine sorgt dafür, dass das Gemetzel auf dem Schlachtfeld realistischer wirkt. Dass von Pfeilen durchsiebte Lanzenträger nun einen Abhang herunterrutschen, ist uns ehrlich gesagt ziemlich egal – dass die Geschosse unsere Triboke in den feindlichen Mauern physikalisch korrekt einschlagen und die herumfliegenden Splitter dazu noch nahestehende Soldaten verletzten, ist dagegen schon ziemlich cool.

Cool im herkömmlichen Wortsinn ist in “Stronghold 3″ ansonsten eher wenig. Die beiden Einzelspieler-Kampagnen “Die Rache des Wolfes” und “Lady Catherines Abtei” werden mittels schlichter Bleistiftzeichnungen denkbar trocken dargereicht und auch sonst gibt sich das neue “Stronghold” eher funktional und sachlich. Auch den im Vorfeld beworbenen Tatbestand einer “erstklassigen Grafik” erfüllt der Titel eher schlecht als recht. Verwaschene Texturen, unschöne Feuereffekte und spärliche Vegetation stellen “Stronghold 3″ im direkten Vergleich mit den Genrekollegen wie “Shogun 2″ ganz klar ins Abseits. Menüs und Minimaps gewinnen ebenfalls keinen Schönheitspreis und selbst der Sound wollte uns nicht so recht überzeugen.