Super Lucky's Tale im Test: Zurück in die 90er-Jahre

Lisa Fleischer
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Spätestens seit dem Kickstarter-Erfolg von Yooka Laylee sind sie wieder in aller Munde: 3D-Plattformer im kunterbunten Stil der 90er-Jahre. Auch Super Lucky’s Tale springt auf den Zug auf und möchte den Charme der alten Klassiker in neuem Gewand zurückbringen.

Welche Endgegner sich Lucky auf seiner Reise entgegenstellen, erfährst du im neuen Trailer:

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Super Lucky's Tale – Gameplay-Trailer

Yooka Laylee. A Hat in Time. Das Crash Bandicoot-Remaster. Nur einige Spiele, die in letzter Zeit erschienen sind und an den Erfolg der alten 3D-Plattformer anknüpfen wollten. Mit ihrem bunten Äußeren, den lustigen Charakteren, den knackigen Rätseln und abwechslungsreichen Leveln waren solche Games in meiner Kindheit ein besonderes Highlight. Ob die Neuauflagen die heutige Generation, die sich sicherlich an einen gewissen grafischen Standard gewöhnt hat, genauso erreichen kann, ist fraglich. Denn selbst uns „alte Hasen“ kann längst nicht jedes der neue 3D-Plattformer überzeugen.

So gleich und doch so anders

Auf den ersten Blick wirkt Super Lucky’s Tale ähnlich wie seine Konkurrenz: Im Spiel vom amerikanischen Entwickler Playful übernimmst du die Kontrolle über einen niedlichen Protagonisten, hier Lucky genannt, der sich einem übermächtigen Gegner gegenüber stellen muss, der gleich mehrere Welten bedroht. In Super Lucky’s Tale ist das die böse Katze Jinx, die das Buch der Geschichte gestohlen hat.

Um ihn zu stellen, bereist du verschiedene Welten. In jeder finden sich mehrere Portale, die dich ins jeweilige Level befördern. Klassisch rennst oder hüpfst du durch die Level und gibst Gegnern mit einem gezielten Schlag mit deinem Schweif eins auf die Mütze. Lucky kann sich an manchen Stellen sogar in die Erde einbuddeln und so ungesehen unter Feinden geschickt durchschlüpfen. Doch du meisterst nicht nur verschiedene Jump-and-Run-Passagen in 2, 2 1/2 oder 3D, du hilfst auch den Bewohnern der Welt bei kleinen und größeren Rätseln.

Schließt du ein Level ab, erhältst du ein Kleeblatt. Hast du genügend Blätter gesammelt, kommst du zum Endgegner-Portal. Dort wartet nicht Jinx auf dich, wie in Super Mario Odyssey steht hier einer von vier seiner kleinen Katzen-Komplizen.

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Ein äußerliches Wrack

Das klingt nun nicht sonderlich anders als vergleichbare 3D-Plattformer. Zumindest in der Theorie hat Super Lucky’s Tale aber einen entscheidenden Vorteilt, erscheint das Spiel doch nicht nur exklusiv für die Microsoft-Plattformen Xbox One und Windows 10, sondern ist sogar Release-Titel für die neue Vorzeige-Konsole Xbox One X. Die ist bekanntlich auf hohe grafische Qualität ausgelegt. In Form eines 4K-Updates profitiert davon auch Super Lucky’s Tale.

Blöd nur, dass Super Lucky’s Tale das nicht viel nutzt, führt das Spiel doch den altbekannten, an Kinderbücher erinnernden Stil der 3D-Plattformer fort. Und das noch nicht einmal in gut: Die tierischen Charaktere haben kein Fell, sondern bestehen aus einer homogenen, undefinierbaren Masse; schon in der ersten Cutscene fällt auf, dass Luckys Augen nicht gewöhnlich aussehen, sondern aus mehreren Grafik-Schichten bestehen. Und obwohl das Design des Spiels recht simpel ist, sind einige Level-Details nicht sofort sichtbar sind, sondern werden erst nach einigen Sekunden nachgeladen.

Auch spielerisch hat Super Lucky’s Tale mit einigen Problemen zu kämpfen. Die Steuerung ist ungewöhnlich schwammig, Richtungsänderungen nimmt Lucky zumindest im Buddel-Modus erst nach minimaler Verzögerung vor. In gewöhnlichen Leveln ist das nicht weiter tragisch, geht es aber in die Luft und läuft Lucky Gefahr, von knapp berechneten Plattformen zu fallen, kann das ständige Trial and Error in Bezug auf die Steuerung schon mal auf die Nerven gehen.

Was zählt sind die inneren Werte

Wer darüber hinwegsehen kann, der merkt aber schnell, wie viel Liebe Playful in den niedlichen Plattformer gesteckt hat. Der quirlige, manchmal etwas naive Lucky wächst mir schnell ans Herz, die Bewohner in Form von Farmer-Würmern und prolligen Maulwürfen entlocken mir nicht nur einmal ein zufriedenes Schmunzeln. Selbst die einzelnen Welten, die eigentlich nur als Weg zum nächsten Level dienen, stecken voller Details und Geheimnisse, die es zu entdecken gilt.

Auch der Aufbau des Spiels überzeugt. Wirken einige Level am Anfang unverhältnismäßig schwierig, konnte ich selbst die kniffligsten nach einigen Anläufen lösen – und habe mich umso mehr darüber gefreut. Anders, als du es aus anderen Plattformern gewöhnt sein wirst, sind die Level weitaus mehr als einfache Schläuche. An jeder Ecke warten auf dich optionale Mini-Games. Beispielsweise soll ich zwölf entlaufene Hühner mit einem gezielten Schweif-Schlag zurück in ihren Stall befördern. Das ist nicht nur eine fluffig leichte, willkommene Abwechslung vom sonstigen Levelziel, sondern bringt mir sogar ein paar zusätzliche Münzen ein.

Super Lucky's Tale im Test: Der perfekte 90er-Jahre-Flashback

Der 3D-Plattformer Super Lucky’s Tale vereint die besten und schlechtesten Eigenschaften der 3D-Plattformer der 90er-Jahre: Während die Grafik und das Gameplay mit so einigen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sind vor allem die Welten, Level und vielfältigen Charaktere ein großer Pluspunkt von Super Lucky’s Tale. Längst nicht der beste 3D-Plattformer des Jahres, verdient das Spiel doch Beachtung von all jenen, die sich den Charme der alten Klassiker schon lange zurück wünschen. Denn so schön unkompliziert und trotzdem abwechslungsreich, so niedlich und schwierig zugleich war schon lange kein neues Spiel mehr.

Natürlich gelingt es Super Lucky’s Tale nicht, auch nur ein bisschen an Nintendos neustes Meisterwerk Super Mario Odyssey heranzureichen. Spiele wie Yooka Laylee schlägt der niedliche Plattformer aus dem Hause Microsoft aber mit Leichtigkeit.

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Wird dir gefallen, wenn du dir die klassischen 3D-Plattformer in ihrer ursprünglichen Form schon lange zurück wünscht, du auf niedliche Charaktere mit Humor stehst und Nebenquests nicht abgeneigt bist.

Wird dir nicht gefallen, wenn ein Spiel für dich grafisch perfekt sein muss, du dich schnell über eine schwammige Steuerung aufregst oder nur auf der PS4 zockst.

Wertung

7/10
Getestet von Lisa

Wer über die grafischen und spielerischen Schwächen von Super Lucky's Tale hinwegsehen kann, erhält einen niedlichen und humorvollen, klassischen 3D-Plattformer, der bis zum Schluss motivierend ist.

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