Tekken 7 im Test: Es gibt wieder eins auf die Nuss!

Lisa Fleischer

Lange haben Fans darauf warten müssen, jetzt ist es endlich da: Zum ersten Mal hat es die bekannte Prügler-Reihe Tekken auf die aktuelle Konsolen-Generation geschafft! Ich habe das Beat-’em-Up ordentlich in die Mangel genommen und weiß, welches Potential leider noch ungenutzt bleibt.

Zu viel Text? Unten gibt’s eine Zusammenfassung.

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Tekken 7 – Release-Trailer

Nach Tekken 6 folgt Tekken 7. So weit, so gewöhnlich. Denkst du! Zwischen diesen beiden Teilen liegen zehn Jahre. Erschien der sechste Teil damals kurz nach der Veröffentlichung der Xbox 360 und PlayStation 3, ließen sich die Entwickler um Katsuhiro Harada dieses Mal doch deutlich länger Zeit.

Das Ergebnis kann sich rein oberflächlich sehen lassen: Zwei unterschiedliche Story-Modi mit jeweils mehreren Stunden Spielzeit, der klassische Arcade-Modus, der Treasure-Modus, durch den du Kleidungsstücke für die Charaktere freischalten kannst, sowie der Trainings- und lokale Versus-Modus. Online kannst du sowohl ein schnelles Spiel, Ranglistenspiele oder gar ein ganzes Turnier absolvieren.

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Obendrauf gibt es die Option „Anpassen“, durch die du nicht nur dein Profil, sondern auch alle Charaktere individualisieren kannst, eine Bilder- und Video-Galerie und sogar eine Jukebox, in der du dir die verschiedene Tekken-Soundtracks aller Spiele noch einmal anhören und als Hintergrundmusik für das aktuelle Spiel einstellen kannst. Und auch an einen extra VR-Modus haben die Entwickler gedacht. Aber kann dieser Batzen Modi auch spielerisch überzeugen?

Tekken ist wie Fahrrad fahren: Man verlernt es nicht

Tekken 7 glänzt mit 37 verschiedenen Charakteren, von denen jeder auf dem gleichen Steuerungs-Prinzip basiert, sich jedoch vollkommen anders spielt. Gleich zehn Charaktere feiern ihren ersten Auftritt in der Serie. Alle fügen sich gut in das bestehende Line-Up ein und spielen sich für Tekken-Kenner intuitiv. Lediglich Akuma ist, wie sich das für Street-Fighter-Charaktere gehört, relativ träge, was jedoch die Kluft zwischen beiden Spielern schmälert und Street-Fighter-Fans einen Zugang zur Konkurrenz gewährt.

Tekken 7: Charaktere im Überblick - Die Kämpferliste

Zwar habe ich seit grob 2010 nicht mehr aktiv Tekken gespielt, um mich an das Gameplay von Tekken 7 zu gewöhnen, war jedoch kein langes Training nötig, ich konnte nahezu direkt mit dem Story-Modus und den PvP-Matches loslegen. Das liegt vor allem daran, dass sich die Steuerung der einzelnen Charaktere nicht großartig verändert hat. Die Kombos von Jin sind wie immer die Gleichen und wenn ich die Kontrolle über Asuka übernehme, ist mir wie immer keine KI gewachsen. Die Schläge werden nahezu unmittelbar nach der Eingabe präzise ausgeführt, Glitches sind eine seltene Ausnahme.

Kampf_Tekken_7_Asuka

Das heißt nicht, dass Tekken 7 keine Herausforderung ist. Will ich neue Charaktere ausprobieren, muss ich Anfangs eine halbe Ewigkeit Movesets und Combos auswendig lernen, um überhaupt etwas erreichen zu können. Gegen Pros habe ich trotzdem (noch) nicht den Hauch einer Chance. Das macht aber nichts, besteht die Motivation doch gerade darin, dass Tekken 7 so schwer zu meistern ist. Da hilft nur eins: Am Ball bleiben, noch härter trainieren und Button-Abfolgen so oft wiederholen, bis der Daumen schmerzt. Und solltest du trotz allem einmal an den Rand der Verzweiflung kommen, kannst du den Schwierigkeitsgrad zumindest bei KI-Kämpfen auf leicht stellen.

Tekken 7: Tipps für den perfekten Spielstart

Experimente im Story-Modus

Wurde bisher im Story-Modus so gut wie jeder Charakter mit einer eigenen Kampagne bedacht, gibt es dieses Mal gleich zwei verschiedene Story-Modi. In der Hauptstory steht die Geschichte der Familie Mishima im Fokus, die endlich in ganzer Breite beleuchtet wird. Leider leidet unter der zusammenhängenden Geschichte das Gameplay, wechselst du doch zwischen gleich mehreren Charakteren hin und her. So wirst du ständig von neuem ins kalte Wasser geworfen und kannst kaum fokussiert kämpfen.

Zum Glück haben sich die Entwickler extra für den neuen Modus eine Gameplay-Erleichterung einfallen lassen. Hältst du die linke Schultertaste gedrückt, sind deine Schläge stärker, auf der rechten liegt ein Super-Move, mit dem du ebenfalls ordentlich Schaden machst.

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Der zweite Story-Modus ist hingegen relativ klassisch gehalten: Mit deinem Lieblingscharakter trittst du darin gegen einen anderen Charakter an, mit dem dich eine Story verbindet. Diese ist nicht weltbewegend, sondern relativ kurz gehalten. Was der eine Modus in die eine Richtung falsch macht, verpatzt der andere also genau andersherum: Das Gameplay ist gut, die Story aber zu knapp und unspektakulär.

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Die Paradedisziplin? Aktuell leider nicht spielbar

Der Story-Modus war aber sowieso noch nie die Paradedisziplin von Tekken. Im siebten Teil sollte das wohl eher der Online-Modus sein. Allerdings kam ich bislang überhaupt nicht dazu, diesen auszuprobieren, wird das Spiel doch von massiven Server- und Match-Making-Problemen geplagt. Auch die Entwickler sind darauf schon aufmerksam geworden; ein Update, dass die Probleme beheben soll, ist in Arbeit. Wann dieses erscheint, ist bislang noch nicht bekannt. Nicht weiter tragisch also, könnte ich mich bis dahin mit den anderen Modi beschäftigen.

Das ist leider nur bedingt der Fall, sind der Treasure- und Arcade-Modus doch nur begrenzt motivierend, da Loot und Rang keinen Einfluss auf das Spiel haben. Der VR-Modus beweist zwar, welch großen grafischen Schritt die Entwickler von Teil sechs zu Tekken 7 gemacht haben, bietet aber ebenfalls keinen spielerischen Mehrwert und lässt die Frage offen, warum ihn die Entwickler überhaupt mit ins Spiel genommen haben. Und so bleibt mir bis zum alles entscheidenden Update nur der lokale PvP-Modus, der allerdings auch nur dann etwas nützt, ist ein williger und fähiger Mitbewohner oder Partner als Trainigspartner zur Hand.

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Zusammenfassung und Fazit: Lange nicht perfekt, aber spaßig

Natürlich ist es ärgerlich, dass es Bandai Namco trotz zehn Jahren Entwicklungszeit nicht gelungen ist, ein nahezu perfektes Tekken-Spiel zu veröffentlichen. Die technischen Probleme im Online-Modus sind aber nur zum Teil Schuld der Entwickler, außerdem liegt der Fokus des Spiels sowieso auf dem Gameplay. Und das ist auf jeden Fall gelungen, sowohl für Neulinge zugänglich und trotzdem noch eine Herausforderung für Veteranen.

Die beiden Story-Modi sind trotz Schwächen im Gameplay und in der Geschichte empfehlenswert und klären endlich den Sinn der Geschehnisse der letzten Teile auf. Und auch Treasure- und Arcade-Modus habe ich trotz der wenig motivierenden Umsetzung gerne gespielt. Dennoch hoffe ich jetzt schon, dass wenigstens dann der achte Teil einschlägt wie eine Bombe. Denn dieser kommt bestimmt, zumindest, wenn ich dem Ende des aktuellen Teils Glauben schenke.

Tekken 7 wird dir gefallen, wenn du Tekken nicht zum ersten Mal spielst, eingefleischter Beat-’em-Up-Fan bist und vor Herausforderungen nicht zurückschreckst.

Tekken 7 wird dir nicht gefallen, wenn es dir ein Rätsel ist, wie jemand komplexe japanische Storys mögen kann, Loot brauchst, um dich zu motivieren und massig guten Inhalt als Entschädigung für die lange Entwicklungszeit verlangst.

Wertung

8/10
Getestet von Lisa

Ein technisch perfektioniertes Beat-'em-Up, das trotz der langen Entwicklungszeit seine Schwächen hat. Überzeugen kann vor allem das präzise Gameplay, die beiden Story-Modi sind ein netter Bonus, aber nicht mehr.

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