Ein Shooter auch noch. High Voltage Software versuchte es 2009 mit dem mittelmäßigen “The Conduit” trotzdem. “Conduit 2″ soll nun alles besser machen. Das ist gelungen – es war aber auch nicht sonderlich schwer.
“Conduit 2″ knüpft nahtlos an die Geschehnisse des ersten Teils an. In dessen offenem Ende rettete sich Held und generischer Namensträger Michael Ford in eines der titelgebenden Portale, schließlich zündete hinter ihm gerade ein nuklearer Sprengsatz. Verantwortlich dafür war ein als Mensch namens John Adams getarntes Alien, das Ford in Teil 2 der Wii-Ballerei nun verfolgt.

Begleitet wird er dabei von Prometheus, dem Geist eines wohlwollenden Außerirdischen. Außerdem trifft Ford bereits zu Beginn des Spiels Andromeda, eine Wächterin von Atlantis. Zwar kommt in der wenig originellen Geschichte rund um eine Riesenverschwörung und Fords Kampf gegen den fiesen Adams nie wahre Spannung auf, dafür sind gerade Prometheus und Ford jetzt wesentlich besser gezeichnete Charaktere als im Vorgänger.
Das liegt mitunter auch daran, dass Michael Ford kein stummer Protagonist mehr ist. Stattdessen ist er nun ein großmauliger Sprücheklopfer, der sich mit Promotheus teils gewollt und teils ungewollt witzige Wortgefechte leistet. Gesprochen wird unser Held übrigens von Jon St. John – der Stimme von Duke Nukem. Entsprechend häufig kriegen wir kernige One-Liner zu hören, die nicht immer ihren Weg ins Humorzentrum finden.
Nicht nur bei der Charaktergestaltung, auch beim grundlegenden Leveldesign hat High Voltage Software einen Gang zugelegt. Es wird viel mehr geskriptet als im Vorgänger, Gebäudeteile stürzen ein, riesige Monster überfallen uns, wir werden von einem Hinterhalt überrascht – all das macht “Conduit 2” wesentlich dynamischer und spektakulärer. Leider lassen die Skriptsequenzen bereits nach der ersten Mission nach, anschließend betreten wir zu oft einen Raum, in dem aus an der Wand hängenden Brutsäcken solange Aliens spawnen, bis wir das Teil beseitigt haben – das kann nerven.
Das Schwarze Loch zum Mitnehmen
Auch die Gegner-KI bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm und reagiert nur selten auf unser Vorgehen. Da bleiben feindliche Soldaten wie angewurzelt außerhalb der Deckung stehen oder bemerken uns einfach nicht, obwohl wir nur wenige Meter vor ihrer Nase stehen. Wo die Konkurrenz von “Call of Duty” und Co. geschickt die geskripteten Gegner kaschiert und uns die feindliche Armee als intelligent agierende Bedrohung verkauft, lässt uns “Conduit 2″ durch den Vorhang hinter die Kulissen blicken – an einigen Stellen haben wir Feinde sogar aus dem Nichts spawnen sehen.

Trotzdem macht “Conduit 2″ deutlich mehr Spaß als sein Vorgänger. Kein Wunder, schicken uns die Entwickler doch nun auf wesentlich abwechslungsreichere Missionen. Haben wir eben noch auf einer Bohrstation gegen einen riesigen Leviathan gekämpft, schleichen wir uns im nächsten Moment durch alte Tempelanlagen in China oder ballern uns wie wild durch das grüne Dickicht Südamerikas.
Die Steuerung des Vorgängers wurde dabei übernommen, soll heißen: Wir können sämtliche Eigenschaften der Wiimote individualisieren – hat man damit erst einmal eine passende Einstellung gefunden, spielt sich die Alienjagd fortan superflüssig. Wer wiederum so gar nicht mit der Bewegungssteuerung zurechtkommt, kann auch auf einen Classic Controller wechseln. So sieht eine vorbildliche Bedienung aus!
Eine weitere Stärke von “Conduit 2” ist das Waffenarsenal. Abseits gewöhnlicher Maschinengewehre gibt es hier einfallsreiche Tötungsmaschinen mit schräger Alientechnologie. Etwa die Hive-Kanone, mit der wir einen Schwarm Insekten auf unsere Feinde hetzen können – optional sogar zielsuchend. Oder die Darkstar, die ein schwarzes Loch kreiiert, in das sämtliche Widersacher hineingesogen werden. Weiterhin trägt Ford den sogenannten Destroyer-Kampfanzug, der sich mit verschiedenen Upgrades aufrüsten lässt.
So können wir unseren Waffenschaden erhöhen, unendlich lang sprinten oder unsere Rüstung verbessern. Die Pläne für solche Verbesserungen finden wir überall in den Levels versteckt oder kaufen sie gezielt im Shop. Die Credits dafür erhalten wir durch Achievements, gefundene Geheimnisse und das Spiel im Multiplayer – das motiviert und bringt mehr taktische Tiefe ins Spiel.
Wieder mit dabei: Das “Alles Sehende Auge”, kurz ASA (engl. ASE – “All Seeing Eye”), mit dem wir die Umgebung nach geheimen Schriften oder sammelbaren Secrets abscannen können. Das ist anfangs noch ganz witzig, wird aber aufgrund der schieren Masse an versteckten Dingen schnell zur Fleißarbeit.

Splitscreen- und Onlinefreude
Nach etwa sieben Stunden ist die Kampagne vorbei, in bester “Conduit”-Tradition natürlich mit einem fetten Cliffhanger. Wer sich durch die Story gekämpft hat, sollte seinen Kampfanzug aber noch lange nicht an den Nagel hängen. Schließlich wartet “Conduit 2″ mit einem umfangreichen Mehrspieler-Modus auf. Bis zu vier Spieler dürfen über Splitscreen an einer Konsole mit- oder gegeneinander zocken, Online ziehen bis zu zwölf Teilnehmer in den Sci-Fi-Krieg.
Neben gewöhnlichen Modi wie Deathmatch und Team-Deathmatch gibt es auch den VIP- und Bounty-Modus, in dem wir gezielt einzelne Spieler ausschalten müssen. Weiterhin können wir uns in zielbasierten Spielen messen, bei denen der Besitz des ASA heiß umkämpft wird. Wer selbst darauf keine Lust hat, kann sich in den etwas albernen Basketball-Partien mit dem ASA behaupten oder die an “Mario Kart” erinnernden Ballon-Kämpfe bestreiten. Das sorgt zwar für Abwechslung, vermag aber im Gegensatz zu den “ernsthaften” Modi nicht lang an den Bildschirm zu fesseln.
Neben den kompetitiven gibt es auch kooperative Mehrspieler-Modi, in denen wir gemeinsam anrückenden Wellen von Aliens und Soldaten trotzen müssen. Ihr merkt schon: Der Multiplayer-Teil von “Conduit 2″ ist sehr umfangreich und kann durchaus für einige schlaflose Nächte sorgen, auch wenn High Voltage für keinen der Modi einen Innovationspreis erhalten würden.
Der erste Teil von “The Conduit” wurde kurz vor dem Erscheinen mit seiner leistungsfähigen Grafikengine beworben. So gut wie auf der Xbox 360 sollte sie aussehen, die Edeloptik auf der Wii. Das Ergebnis war ernüchternd – Texturmatsch, uninspiriertes Charakter- und Leveldesign, kaum Abwechslung. Dafür haben die Shader auf den Waffen schön geglänzt. Das tun sie jetzt immer noch, aber auch der Rest der Grafik hat einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht.

Die abwechslungsreichen Ortschaften sind detaillierter, die Effektive knalliger und die teils haushohen Bossgegner bombastischer. Trotzdem leidet “Conduit 2″ unter der limitierten Hardware der Wii, was zu polygonarmen Objekten und schwach aufgelösten Texturen führt. Abgesehen davon bricht die Framerate des öfteren mal ein, was bei hektischen Situationen mit vielen Feinden schonmal zum vorzeitigen Ableben führen kann. Originalität darf man auch nicht erwarten: Diese Aliens haben wir schon zig mal zuvor gesehen.
Fazit:
Mit “Conduit 2″ befindet sich High Voltage Software auf dem richtigen Weg: Die Kampagne ist mit mehr Skriptsequenzen versehen und dadurch deutlich spannender, der Held hat dank prominenter Stimme nun etwas mehr Charakter und die Waffenvielfalt ist vorbildlich. Hinzu kommt ein durchaus gelungener Multiplayer-Modus.
Leider haben wir all das schon mal gesehen, “Conduit 2″ bietet uns nichts wirklich Neues und ist mit seiner zwar überdurchschnittlichen Kampagne noch weit von Genregrößen wie “Halo: Reach” entfernt. Dafür ist die KI zu simpel gestrickt, das Gamedesign an manchen Stellen zu lahm und die Story etwas zu generisch.
(Thomas)
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Pro
- Tolles Waffenarsenal
- Abwechslungsreiche Schauplätze
- Individualisierbare Steuerung
- Umfangreicher Multiplayer
- Anzug mit Upgradesystem
- Die Stimme vom Duke
Contra
- Teils altbackenes Leveldesign
- Wenig originelle Story
- Veraltete Grafik
- Doofe Gegner-KI
Wertung

