The Division im finalen Test: Willkommen auf dem Planet der Waffen!

Markus Grundmann
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Mit The Division versucht sich nun auch Ubisoft daran, Single- und Multiplayer-Aspekte im fließenden Übergang zu kombinieren. Ihr kämpft euch durch ein verwüstetes New York, in dem die staatliche Ordnung nicht mehr existiert und legt euch dort wahlweise mit Computergegnern oder menschlichen Kontrahenten an. Wie gut das funktioniert und ob das auch über einen längeren Zeitraum Spaß macht, lest ihr im Test.

The Division – Grafikvergleich:

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The Division: Grafikvergleich PC und PS4

The Division im finalen Test

The Division wird häufig als Mischung aus anderen Spielen beschrieben. Es sei wie eine Kreuzung aus Destiny, Borderlands und The Last of Us, heißt es dann etwa. Mit einer Prise Gears of War, denn ein bisschen Deckungsshooter ist The Division auch. Ich finde aber, solche Umschreibungen werden dem Spiel nicht gerecht. Denn tatsächlich gehört The Division nicht nur zu den ehrgeizigsten Spieleproduktionen dieses Jahres, es fühlt sich auch erstaunlich eigenständig an – weit ab auch von den bewährten Formeln anderer Ubisoft-Reihen wie Assassin’s Creed oder Far Cry.

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The Division ist im Manhattan der Jetztzeit angesiedelt. Eine Epidemie hat New York dahingerafft, nur noch wenige Menschen säumen die Straßen, die meisten Überlebenden sind krank. Behörden und Verwaltungsorgane arbeiten nicht mehr, die staatliche Ordnung ist zusammengebrochen. In dieser Situation schlüpft ihr in die Rolle eines Angehörigen der Strategic Homeland Division und kämpft dafür, Recht und Gesetz in der zerfallenden Metropole wiederherzustellen. Und das ist, wie sich schnell zeigt, gar nicht mal so einfach: Denn neben Plünderern und Banditen machen auch Fanatiker die Straßen unsicher, die mit Flammenwerfern gegen alles und jeden kämpfen, von dem sie glauben, es oder er könnte den fatalen Virus in sich tragen. Hilfreich sind dagegen Waffen – viele von ihnen.

Obwohl The Division auf den ersten Blick aussieht wie eine Militärsimulation, präsentiert Ubisoft den Kampf gegen die Bedrohung viel mehr als Rollenspiel, denn als Shooter. Alles in The Division hat Werte: Jede Waffe und jeder Gegner. Ein Gegner stirbt, wenn seine Lebenspunkte null erreicht haben, so einfach ist das – daran ändert sich auch dann nichts, wenn ihr ihm in den Kopf schießt. Der Schaden wird dadurch zwar größer, der Gegner segnet aber nicht automatisch das Zeitliche.

Zunächst wirkt es schon ein wenig befremdlich, wenn ein Gegner auch nach dem fünften Kopfschuss noch aufrecht steht und unbeirrt weiterkämpft. Tatsächlich setzt nach und nach aber ein gewisser Gewöhnungseffekt ein. Ich habe diese Kuriosität jedenfalls nach einer guten Stunde im Spiel nicht mehr als solche wahrgenommen. Auch weil das Spiel davon abgesehen ziemlich grandios in Szene gesetzt ist. Da streunen Hunde durch die Straßen, kranke Überlebende betteln um eine Flasche Wasser oder einen Müsliriegel, und wenn zwischen den verlassenen Häuserschluchten der Stadt die Sonne aufgeht, wirkt das auf eine bizarre Art romantisch. Selbst dann, wenn ich gerade vor einer Wand stehe, auf die ein Graffiti-Künstler mit großem Mitteilungsbedürfnis die schönen Worte „Headshot, Motherfucker“ gesprüht hat.

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Das zerstörte und verrottende New York ist ein riesiger Abenteuerspielplatz, den ihr vollkommen frei begehen könnt. Die Hauptmissionen und verschiedene kleinere Aufträge sind über die gesamte Karte verteilt – jede Mission kann entweder im Team oder alleine bestritten werden, wobei der Schwierigkeitsgrad für Einzelkämpfer schon enorm hoch ist. Im Grunde ist das Spiel auf diese Art nur für jene meisterbar, die bereit sind, die Verhaltensmuster der Gegner auswendig zu lernen. Zusammen mit ein paar anderen Agenten kämpft es sich da schon deutlich leichter, insbesondere wenn diese ihre Fähigkeiten mit Bedacht einsetzen.

Bildergalerie The Division: Screenshots zum Test

Letztere sind in drei Kategorien eingeteilt: Heilung, Schutz und Technik. Auf welchen Bereich ihr euch konzentriert, bestimmt am Ende, wie ihr The Division spielt. Soll heißen: Eine direkte Wahl der Klasse gibt es nicht – stattdessen ergeben sich die bekannten MMO-Rollen wie Heiler, Damage Dealer oder Support direkt aus dem Spielverlauf und der Wahl der Fähigkeiten selbst. Voranbringen könnt ihr die drei Teilbereiche jeweils, in dem ihr die korrespondierenden Flügel im Hauptquartier ausbaut, und das wiederum geht erst, wenn ihr genug dazugehörige Missionen erfolgreich beendet habt.

Neben dieser allmählichen Verbesserung der eigenen Spielfigur bietet The Division aber auch Ausrüstungsgegenstände – und davon jede Menge. Es gibt allein ein halbes Dutzend verschiedener Rüstungskategorien, dazu einen immensen Haufen Waffen, die dann auch noch nach eigenem Gutdünken umgebaut werden können – etwa mit einer neuen Zielvorrichtung oder einem größeren Magazin. Wer sich nicht darauf verlassen will, dass die Gegner einen nützlichen Ausrüstungsgegenstand fallen lassen, kann sich die Schießeisen natürlich auch selbst bauen oder kaufen. Egal, wie: Neue Ausrüstung fühlt sich in The Division immer gut an. Und die beste gibt es im Zentrum der Stadt. Dort nämlich liegt die sogenannte Dark Zone.

Der Big Apple fault von innen heraus

In der Dark Zone herrscht, mehr noch als im Rest Manhattans, Anarchie. Spieler/innen, die sich sonst nur dann sehen, wenn sie sich zusammen in einem Team oder einem Unterschlupf befinden, können sich hier rein zufällig über den Weg laufen und dann entscheiden, ob sie Freund oder Feind sein wollen. Tatsächlich erschien mir das Verhältnis zwischen wohlwollenden und aggressiven Mitspielern zum Testzeitpunkt recht ausgewogen. Ich traf sie beide: Die barmherzigen Samariter, die auch in der Dark Zone lieber mit mir zusammen Jagd auf Computergegner machten, und die kaltblütigen Killer, die jeden anderen Spieler beim ersten Zusammentreffen über den Haufen schießen. Die Frage, um welchen Typus es sich beim Gegenüber wohl handeln mag, ist reiner Nervenkitzel und ein Aspekt von The Division, der das Spiel auch nach Abschluss der Geschichte noch spielenswert macht.

Daneben könnt ihr nach Erreichen von Stufe 30 tägliche Herausforderungen und schwerere Varianten der Hauptmissionen freischalten. Bei Erfolg belohnt euch das Spiel mit sogenannten Phoenix-Credits, einer Art Endgame-Währung, mit der ihr besonders mächtige Ausrüstungsgegenstände, Waffen und Blaupausen kaufen könnt. Diese Gegenstände sind für die hochstufigen Gegner in der Dark Zone aber auch bitter nötig, wodurch ein rundum motivierender Kreislauf aus Herausforderung und Belohnung entsteht.

Bei der starken Konzentration auf den Multiplayer-Part und der spielmechanischen Detailverliebtheit von The Division, hat am ehesten die Story gelitten. In dieser umfangreichen, prall gefüllten, mit Möglichkeiten und Missionen übersäten Spielwelt, bleibt für sie einfach nicht mehr viel Platz. The Division ist aber kein zweites Destiny – die Geschichte ist durchaus vorhanden und sie wird stetig weitererzählt – durch die Missionen selbst, aber auch durch kleine Videos, Audio-Botschaften und die Echos: Hologramme, die sich überall auf der Karte finden lassen und die mit Hilfe zahlreicher Einzelschicksale den Zeitpunkt dokumentieren, zu dem in Manhattan aus Ordnung Chaos wurde. Die Geschichte ist solide geschrieben, sie ist aber auch nichts, was Videospieler/innen nicht schon in der einen oder anderen Variante gesehen hätten. Die zwei bis drei überraschenden Wendungen, die sie bis zum Ende beinhaltet, können im Eifer des Gefechts zudem schon einmal untergehen.

Ein wenig war ich beim Spielen allerdings von mir selbst überrascht: Denn obwohl ich in der Regel viel Wert auf eine interessante Geschichte lege, hat mich ihr mangelnder Tiefgang hier nicht gestört. Die Geschichte fehlt bei The Division nicht, sie hält sich vornehm im Hintergrund wie ein zuvorkommender Butler, nur um dann im richtigen Moment wieder auf den Plan zu treten, wenn das Spiel für irgendetwas eine Erklärung benötigt. Das gefällt – denn so kann ich mich auf meinen Charakterausbau und die richtige Ausrüstung konzentrieren. Nichts in The Division ist so befriedigend wie der erfolgreiche Praxistest einer mühevoll erbeuteten Waffe. Das klingt pervers, aber The Division fühlt sich eben nicht an wie eine Geschichte über menschliche Schicksale. Das Spiel atmet pure Mechanik. Meine Waffe subtrahiert ihren Schaden von euren Lebenspunkten. Und wenn ihr am Ende umfallt, ist die Rechnung aufgegangen.

Mein Test-Fazit zu The Division:

The Division ist alles, nur kein klassischer Militärshooter. Es ist ein actionreiches Rollenspiel, das sich auf gut ausgeklügelte Spielmechaniken verlässt, auf ein intuitives Deckungssystem, viele Individualisierungsmöglichkeiten. Im Ubisoft-Portfolio ist The Division eine dringend benötigte Erfrischung, jenseits bekannter Marken. Vor allem aber ist The Division eins: schwer einzuordnen. Es ist nicht so schnell wie Borderlands und hat nicht die mitreißende Geschichte eines The Last of Us, aber ein ähnliches Szenario. Es sieht aus wie eine Simulation, ist aber keine. Es fesselt für Stunden an den Bildschirm, lässt aber auch schnelle, kurze Spielsessions in der Dark Zone zu. Es funktioniert besser mit Freunden, aber immer noch gut mit Fremden. Es ist etwas Neues und ich bin gespannt, wie Ubisoft den Titel weiterentwickeln wird.

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Wertung

8/10
Getestet von Markus

The Division ist ein fast schon unverschämter Genre-Mix. Das Spiel hat den gewissen Nur-noch-diese-eine-Mission-Effekt. Ich verzeihe ihm gerne eine mittelmäßige Geschichte – ich will mich aus dem verseuchten Manhattan trotzdem gar nicht mehr zurückziehen.

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