Warum ich The Division irgendwie doof finde und trotzdem nicht aufhören kann, es zu spielen

Kristin Knillmann
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Warum ich The Division irgendwie doof finde und trotzdem nicht aufhören kann, es zu spielen
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Letztes Wochenende habe ich fast nichts anderes gemacht, als The Division zu spielen. Den ganzen Samstag und Sonntag habe ich im verseuchten Manhattan verbracht. Nur um kurz vor dem Wochenstart auf meine Spielstunden zu blicken und mich ernsthaft zu fragen: Hätte ich mit meiner Zeit nicht eigentlich etwas Besseres anfangen können? Eine Abrechnung mit mir selbst.

Hach, The Division. Knapp 20 Stunden habe ich mit dem wilden Genre-Mix aus Shooter und Rollenspiel und Looten und Leveln inzwischen verbracht. 20 Stunden, in denen ich nicht wirklich auf die Zeit geachtet habe – die verging wie im Flug. 20 Stunden, nach denen ich mich aber auch nicht signifikant besser, anders, schlauer oder erholter fühlte. Im Gegenteil: The Division ist Arbeit, und ich kann einfach nicht damit aufhören, mir den Arsch abzuarbeiten.

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Ernsthaft: Wenn ich ganz bewusst darüber nachdenke, finde ich The Division nicht wirklich gut. Die Story wabert mir zu sehr im Hintergrund herum, das Missionsdesign ist austauschbar und die typischen Sammelaufgaben aus dem Hause Ubisoft nerven mich langsam auch, nachdem ich bereits zwei komplette Stadtviertel für ein paar Handygespräche und Buchseiten auf den Kopf gestellt habe. Und wenn ich dann zu meiner neuen Aufgabe möchte, muss ich zwischen Start- und Zielpunkt eine gefühlte Ewigkeit laufen. Dazwischen? Gähnende Leere. Außer, einer dieser immer gleichen Zivilisten geht mir mal wieder für einen Müsliriegel auf den Sack.

Ich weiß ja nicht. Meinem rationalen Ich ist The Division irgendwie zu leblos, zu wenig Verschwörung, zu viel MMO. Zu viel Grinden. Zu viel vom Gleichen. Noch mal zehn Gegner umnieten für noch mehr XP. Dieses eine Kopfgeld holen, dauert ja nicht lang. Und am Ende? Unendliche Aufgaben, und doch fühle ich mich leer. Sinnfrei. Wofür das alles? Ich habe keine Ahnung. Wie sagte die Girlband Tic Tac Toe damals so passend? „Nur für den Kick, für den Augenblick. Und warum?“

TheDivision_Atmosphäre

The Division ist eigentlich genau das: für den Augenblick. Den schnellen Kick. Eine Runde Spaß mit Freunden. Etwas mitnehmen für das, was außerhalb des virtuellen Manhattan passiert? Wohl kaum. Und so ging es mir auch am Sonntag Abend: Ich hatte ununterbrochen The Division gespielt, habe ziellos dutzende Missionen erfüllt, und mich danach gefühlt, als hätte ich zwei Tage meines Lebens an etwas verloren, das ich zwar gern habe, mir in seiner Zeit aber einfach gar nichts zurückgegeben hat. Ein Placebo sozusagen.

„Warum?“ singen Tic Tac Toe wieder ganz leise in mein Ohr. Mädels, das kann ich euch gern sagen: Weil ich einfach nicht mehr aufhören kann, viele dieser kurzen Runden The Division an einem Stück zu spielen. Es ist ja nicht meine Schuld, wenn das Spiel trotzdem so viel Spaß macht und mich so pervers gut für meine Arbeit entlohnt.

Ich kenne das aus dem Büro. Morgens komme ich rein, schaue auf meine To-Do-Liste, und – fleißiges Bienchen wie ich bin – arbeite alles sorgfältig ab. Nebenmission E-Mails schreiben? Check. Hauptmission Artikel verfassen? Doublecheck. Es macht mich glücklich, wenn alles erledigt ist – und JA, auch meine roten Benachrichtigungs-Bobbels aufm Smartphone müssen immer alle weggeklickt werden, bevor ich meinem Leben weiter nachgehen kann.

Genau so ist das auch bei meinem neuen Nebenjob als Division-Agentin: Da sind gaaaaanz viele bunte Aufgaben auf meiner Karte und ich muss sie alle alle ALLE weg machen, bevor ich wieder ruhig schlafen kann.

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The Division übt mit seinem Looten und Leveln einen unfassbaren Sog auf mich aus. Biste einmal tief genug drin, kommste nicht mehr raus. Der nächste Fix ist nur eine Straßenkreuzung entfernt, und macht trotz seiner ständigen Wiederholungen unverschämt viel Laune. So viel, dass ich gleich danach weiterziehe in den nächsten Stadtteil und aus der Nur-noch-eine-einzige-allerletzte-Mission-Spirale gar nicht mehr rauskomme. So lang bis die Augen weh tun oder der Wecker geklingelt hätte.

Ubisoft spielt in meiner Sucht nicht die Rolle meiner sorgsamen Eltern, sondern die des kleinen Teufelchens auf meiner Schulter: „Hey Kristin, schau mal. Wir haben hier eine lilafarbene Waffe als Belohnung für dich – willst du die nicht mal in dieser einen kleinen Superduperminiwirklichnurganzkurz-Mission am nächsten Straßenrand testschießen?“ Und ob ich das will. Genauso, wie ich auch jede neue Bommelmütze, jede todschicke Winterjacke und den größten, besten und schönsten Rucksack nur noch ganz kurz anziehen und spazieren tragen möchte.

Leute, jetzt mal kurz unter uns: Das kann doch so nicht weitergehen. Ich bin jetzt im Endgame, und sehe hier Tageseinsätze, den Challenge-Modus, Phönix Credits, anstehende Gratis-Updates und gelbe Highend-Items, mit denen ich mich noch eleganter und sinnbefreiter durch Manhattan ballern kann als jemals zuvor. Das ist so viel motivierender Content, sind so viele neue bunte Kugeln auf meiner Karte. Ich will das nicht. Ich will mein Leben zurück.

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In The Division waren am letzten Wochenende 1,2 Millionen Spieler und Spielerinnen unterwegs – und das völlig zurecht. Wegen der Atmosphäre, der Dark Zone, dem Mehrspieler-Spaß. Und wir hätten uns ja auch schlecht drücken können – irgendwer muss die Welt schließlich retten. 1,2 Millionen Division-Agenten… da braucht ihr mich und meine schicke lila-farbene Ausrüstung gar nicht mehr.

Ich gehe jetzt auf Entzug und mache Platz für eine neue Obsession. Kneife die Augen ganz fest zusammen und klicke vorsichtig auf „Deinstallieren“. Und wenn ihr ab jetzt jemals eine „kristinthefox“ in der Dark Zone über den Haufen schießt, dann wisst ihr, dass ich ganz schlecht darin bin, Dinge aufzugeben, die mich immer abwechselnd runterziehen und glücklich machen, oder dass ich The Division vielleicht dann doch irgendwie besser fand als ich zugeben wollte.

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