Virtual Reality auf der PlayStation VR konnte bisher selten so richtig überzeugen, nun wagt sich Bethesda gleich mit drei Spielen an die neue Technik. Den ersten Schritt macht Skyrim VR, ehe Doom VFR und Fallout VR folgen. Klingt ambitioniert, doch wie kann ein 100-Stunden-Rollenspiel in Virtual Reality funktionieren?

The Elder Scrolls V: Skyrim – PlayStation VR E3 Trailer
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Erwachen. In der Gefangenschaft der Kaiserlichen Wachen bemerke ich die Fesseln an meinen Händen. „Zur Hinrichtung mit ihnen!“ heißt es. Wie kann ich mich hier bloß befreien? Mist. Keine Chance. Während ich nach einem Fluchtweg suche, ist auch schon der erste Rebell enthauptet. Doch… Was ist das? Ein riesiger Schatten bedeckt den Boden. Ist es etwa… Nein, das kann nicht sein! Ein Drache! Diese gewaltige, wütende Kreatur… So schön und doch tödlich.

In diesem ersten besonderen VR-Moment wird dir klar: Die Immersion ist gigantisch. Außerhalb deiner Träume warst du einem Drachen nie näher. Durch den Untergrund der zerbröckelten Festung suchst du mit einem Soldaten einen Fluchtweg, ehe du zum Dorf Flusswald fliehst. Und weil das Spiel schon gute sechs Jahre auf dem Buckel hat, soll die darauffolgende Handlung hier im Hintergrund stehen, zumal ohnehin nur ein Bruchteil der Skyrim-Spieler die Hauptquest zu Ende gespielt hat. Es gibt schlicht zu viele Möglichkeiten, sich die Zeit anderwertig zu vertreiben. Denn in dieser wunderbar gestalteten, offenen Welt warten unzählige Nebenquests darauf, erledigt zu werden. In der Theorie ist Skyrim perfekt geeignet für eine VR-Erfahrung. Titel wie Resident Evil 7 und Star Trek: Bridge Crew nutzten das Potenzial schon sehr weit aus, Farpoint versuchte es gar mit einem eigens kreierten Ziel-Controller. Doch ein VR-Spiel dieser Größe gab es zuvor nicht – auch die drei Skyrim-DLCs Dawnguard, Hearthfire und Dragonborn sind inklusive.

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Wie funktioniert es?

Du steuerst Skyrim VR entweder per Dualshock-Controller oder per Move-Controller. Letzteres ist klar die bessere Variante. Außerdem stehen zwei Arten der Fortbewegung zur Auswahl: eine Art Teleportation sowie die freie Bewegung per Move-Taste. Richtungskorrekturen werden über die linke Hand gesteuert, zwei Tasten machen 45-Grad-Bewegungen nach rechts oder links möglich. Die freie Bewegung kann allerdings Motion Sickness (Übelkeit) hervorrufen. Hilfreich: In den Optionen kannst du das Sichtfeld einschränken. So kann ein simulierter Tunnelblick-Effekt, also eine schwarze Vigniette um den Bildmittelpunkt herum, Übelkeitsprobleme einschränken. Ohnehin ist es empfehlenswert, dass du vor Skyrim VR schon die ein oder andere Virtual Reality-Erfahrung erlebt hast und dir Pausen bzw. ein tägliches VR-Limit setzt. Bei der Fortbewegung durch Teleportation ist eine Art Flugkurve zu sehen, die dir anzeigt, wo du landest. Das hat zwar den Nachteil, dass die Immersion, in dieser Welt zu stecken, immer wieder gebrochen wird, dafür ist diese Variante nicht allzu anstrengend. Der Vorteil ist außerdem, dass du so schneller in Himmelsrand unterwegs bist, als jedes andere virtuelle Wesen.

Spannend wird es im Kampf gegen Wölfe, Mammuts, Trolle oder den gewaltigen Drachen. Das Kampfsystem war allerdings schon im Original-Spiel nicht besonders tiefgründig, wodurch die VR-Version relativ einfach zu handhaben ist. In Virtual Reality schwingst du mit echten Handbewegungen das Schwert, wirkst Magie oder verschießt Pfeile. Während du für Magie lediglich auf Feinde zielst und die hinteren Trigger benutzt, ist das Kämpfen mit dem Schwert etwas hakelig. Am besten funktioniert allerdings der Kampf mit Pfeil und Bogen: Mit dem linken Move-Controller hältst du den Bogen, mit dem rechten spannst du die Pfeile in die Sehne. Während die Angriffe weitesgehend hervorragend funktionieren, sind die Schwächen der Move-Controller hier klar zu erkennen: Vernünftige Seit- oder Rückwärtsbewegungen sind mit der Steuerungsform nicht möglich, hier fehlt einfach ein Analogstick. Sich vernünftig zu den einigermaßen clever bewegenden Gegnern zu positionieren, ist manchmal nahezu unmöglich.

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Karte, Quest-Übersicht und Ausrüstung rufst du auf, indem du erst eine Taste drückst. Anschließend hältst du den hinteren Trigger gedrückt, um durch Bewegung nach vorn, hinten, rechts oder links einen Menüpunkt auszuwählen. Auch Dialoge werden so ausgewählt. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kannst du dich relativ präzise durch die Menüs steuern. Diese wurden allerdings nicht überarbeitet, sodass dir sämtliche Texteinblendungen zu dicht vor der Nase schweben. Es ist, als würdest du nur 5 Meter von der Kinoleinwand entfernt sitzen. Das nervt besonders wenn, du deine mitgeführten Rüstungen und Gegenstände managen musst, um Platz zu schaffen. Das Inventar wird links aufgeklappt, sodass du erst den Kopf nach links drehst, um die Liste der Gegenstände durchzugehen. Um sich Infos wie das Gewicht anzuschauen und zu vergleichen, musst du aber weit nach rechts sehen. Im Kampf musst du gar ständig nach unten schauen, um den Kompass und Hitpoints zu sehen – ärgerlich!

Immersion unperfekt

Wie in Resident Evil 7, das ebenfalls als normale und als VR-Version erhältlich ist, musste die Technik erneut angepasst werden. Das hat zur Folge, dass die VR-Version beispielsweise in der Sichtweite und Klarheit der Spielwelt das Nachsehen hat. Dass Skyrim schon sechs Jahre alt ist, macht sich an den unscharfen Texturen bemerkbar, denen du nun viel näher bist, als je zuvor. Clipping-Fehler treten auf, Figuren oder Gegenstände kollidieren ineinander, Charaktermodelle schweben über dem Boden.

Und hin und wieder passiert sowas: 

Tauchen solche Fehler nicht auf, wirst du jedoch kaum aus der Immersion herausgerissen. In der Atmosphäre kann Skyrim ohnehin überzeugen. In VR ist sie so intensiv, dass Gänsehaut keine seltene Reaktion ist.

Der eisige Wind frisst sich ins Kettenhemd. Mir bleibt der Atem stehen, wenn ich den majestätischen Mond im Nachthimmel vom schneebedeckten Gipfel aus betrachte. Ich könnte hier ewig stehen, doch weitere Drachen bedrohen die Bewohner von Himmelsrand.

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Verstärkt werden solche Momente vom fantastischen Soundtrack, der sich über die Kopfhörer zwischen deinen Ohren manifestiert. Gewöhnst du dich an gewisse Umstände, macht Skyrim VR so viel Spaß, dass du die Brille kaum noch weglegen willst, ehe du bemerkst, dass du viel länger in der Spielwelt unterwegs warst, als geplant. Ein größeres Kompliment kann eine VR-Erfahrung kaum bekommen.

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Skyrim VR ist die ultimative Fassung des letzten Elder Scrolls-Teils, dass die Grenzen zwischen Realität und Spiel nach einer gewissen Spielzeit vermischt. Das erste VR-Spiel von Bethesda beweist, dass Virtual Reality weit über kurze Erfahrungen hinausgehen kann. Abgesehen von einigen technischen Macken bietet Skyrim VR die stärkste Immersion des Spiels. Damit zählt Skyrim VR zu dem Besten, was Virtual Reality Stand jetzt zu bieten hat. Kennst du Skyrim bereits in- und auswendig, lohnt sich die neue Art der Immersion. Wenn du Skyrim noch nie gespielt hast, aber eine PlayStation VR besitzt, gibt es ohnehin keine Ausrede mehr.

Wird dir gefallen, wenn du Rollenspiele magst, aber Skyrim noch nie gespielt hast.

Wird dir nicht gefallen, wenn du keine Rollenspiele magst und dir in der Virtual Reality stets schlecht wird.

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