Der PC wird 30: Wer hat's erfunden?

Flavio Trillo
35

Wir schreiben den 12. August. Das Jahr: 1981. Zu diesem Zeitpunkt bin ich kaum mehr als ein Funkeln im Auge des Postboten und Apples Macintosh steckt noch in den Kinderschuhen, doch bei IBM hat man bereits Großes vor. Der IBM-PC wird geboren und für 3.000 US-Dollar verkauft. Auf den ersten Blick ein Jubiläum, die Geburtsstunde des PC (“Personal Computer”, zu Deutsch “Einzelplatzrechner”) jährt sich zum 30. Mal. Schön rund, aber leider falsch.

“Hello, I’m a Mac” – “And I’m a PC”. So lautet der Einstieg in die bekannten Spots der langjährigen Werbekampagne für Apple-Rechner. Unterschiedlicher könnten sie kaum sein, die personifizierten Computer. In Wahrheit ist ein PC aber nicht unbedingt gleich ein IBM- oder Windows-Rechner.

Der erste IBM-Computer mag erst 30 Jahre alt sein. Gefeiert wird aber das Jubiläum des PCs, also des Gerätes als solchem. Dabei sollte man den eigentlich Urvater des Einzelplatzrechners nicht vergessen, der in den Siebziger Jahren in einer Garage irgendwo in Kalifornien zusammengelötet wurde. Steve Jobs und Steve Wozniak verkauften am 11. April 1976 den ersten Apple I, einen Bausatz, der mithilfe einer Tastatur und eines Fernsehers zum 1-MHz-Leben erweckt wurde.

Damit ist es also schon mehr als 35 Jahre her, dass der erste Anwender sich über seinen eigenen, in Eigenregie benutzbaren PC freuen durfte. Ältere Semester mögen sich an den Hype und den medialen Aufruhr erinnern, der seinerzeit vollkommen ausblieb. Kein Presse-Event, keine Keynote, nicht einmal ein Apple Store, der offline gehen könnte um die Hoffnung auf neue Geräte zu schüren.

Bild: Innereien des Apple I – Wikimedia:Geni

Mein erster Computer war kein Commodore 64. Es war auch kein Atari KXR-42G1, den es womöglich auch gar nicht gab. Es war ein schnöder Intel-Rechner mit irgendeinem Prozessor darin. Außen hatte er ein Gehäuse, dazu Maus, Tastatur und Monitor. Mithilfe eines Turbo-Knopfes ließ sich das Monster von 33 auf 66 Megahertz Taktfrequenz “beschleunigen”. Irgendwann kam ein Bekannter vorbei (der so genannte “Guru”, den wir mit Gummibärchen fütterten) und installierte eine Sound-Karte: “Creative SoundBlaster 16″ – Wahnsinn. Im Laufe der Jahre wurden die Computer natürlich schneller und interessanter. Auf meinem Schreibtisch wich die graue zunächst der schwarzen Hülle und irgendwann hielt dann auch der erste Apfel Einzug.

Dabei gab es schon damals so viel zu entdecken, die Computer der frühen Neunziger Jahre waren schließlich Leistungsbestien im Vergleich zu ihren unmittelbaren Vorfahren. Mit nicht mehr als einem ganzen Megahertz, also 1.000.000 Takten pro Sekunde mussten die Käufer des ersten Apple-Computers sich zufrieden geben. Heute ist das Tausendfache nicht mehr schnell genug. Mehr gab die CPU, ein MOS 6502, einfach nicht her. Mit maximal 48 Kilobyte Speicher und einer hardwareseitigen Unterstützung von 40 mal 24 Buchstaben waren die Möglichkeiten aus heutiger Sicht sehr eingeschränkt.

Als Monitor diente ein Fernseher und zusammensetzen musste man die Bauteile auch noch selbst. Trotzdem war es, gemäß der Definition eines Einzelplatzrechners, der erste Computer, den eine Person allein bedienen konnte, ohne dafür die Hilfe diverser Wissenschaftler und tonnenschwerer Rechen-Schränke zu benötigen.

Am 11. April 2011 feierte der PC also seinen 35. Geburtstag. Der Begriff ist zwar seit dem Marketing-Coup von IBM von grauen Microsoft-Maschinen besetzt, findet in seiner ursprünglichen Bedeutung ebenso gut auf jeden Apple-Rechner Anwendung. Herzlichen Glückwunsch nachträglich also zum 35., lieber PC.

Titelbild: Wikimedia:Engelbert Reineke

Weitere Themen: The Elder Scrolls: Arena Download, Bethesda Softworks

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