Neues Papyrus für Autoren: Andreas Eschbach im Interview

Marcel Magis

In der Autorenszene hat Papyrus Autor schon vor der Veröffentlichung Aufsehen erregt: Der Bestseller-Autor Andreas Eschbach hat auf seiner Webseite eine Ode an die neue Version der Textverarbeitung verfasst, die sich speziell an Schriftsteller und Autoren widmet. Auf seinen Erfahrungen beruht auch die Stilanalyse, die Wortdoppelungen, schwachen Verben und Füllwörtern auf die Spur kommt. Im Interview erklärt Andreas Eschbach sein Verhältnis zum Mac, die Zusammenarbeit mit R.O.M und gibt jungen Autoren einen Rat mit auf den Weg.

R.O.M. Logicware aus Berlin dürfte manchem Atari-Veteran noch ein Begriff sein: Die Software Papyrus konnte schon auf der untergegangenen Plattform ein treues Publikum für sich gewinnen, vor allem wegen pfiffiger Funktionen: So lassen sich zum Beispiel schon seit der Atari-Version mehrere Textblöcke mit gedrückter Shift-Taste gleichzeitig auswählen, die Software kontrolliert die Leerzeichen – zwei sind eins zu viel. Nach der reinen Textverarbeitung ergänzte der Hersteller die Software um Datenbank- und Tabellenfunktionen. Gegenüber anderen Produkten kann Papyrus seit einiger Zeit vor allem mit der Rechtschreibprüfung punkten, die der Duden Korrektor übernimmt. Ideale Voraussetzung für ein neues Produkt.

Papyrus Autor: Eine Frage des Stils

An Schriftsteller, Autoren und Journalisten wendet sich R.O.M Logicware mit der Software Papyrus Autor, die vor allem mit einer neuen Stilüberprüfung Schreibende unterstützen will. Sie basiert auf den Vorschlägen von Andreas Eschbach, der einen 10-Punkte-TÜV für Autoren entwickelt hat: Passivkonstruktionen und Wortdoppelungen gehören ebenso auf die Liste der Stil-Unreinheiten wie schwache Verben, Füll- oder Blähwörter und zu lange Sätze. Glücklicherweise kann der Autor selbst einstellen, wie empfindlich diese Überprüfung sein soll. Im Support-Dokument betont der Hersteller aber auch, dass man sich nicht allzu sklavisch an die Stilüberprüfung halten solle – sie sei nur eine Hilfe. Ein Test kann dieses Urteil unterstreichen, selbst wenn man wie Hemingway und Gertrude Stein Wortdoppelungen als Stilement einsetzen sollte. Rigoros angewendet sieht zumindest der Autor dieses Artikels die Gefahr, dass am Ende leblose, nach Creative Writing-Muster glatt gebügelte Texte entstehen könnten.

Vom Klemmbrett bis zur Mumifizierung

Zettels Traum lässt grüßen: Notizzettel sind für viele Schriftsteller eine unverzichtbare Organisationshilfe – der Text stellt im Idealfall nur die sichtbare Spitze eines Eisberges dar, manche Autoren skizzieren ganze Lebensgeschichten selbst ihrer Nebenfiguren. Bei der Überarbeitung hilft die Mumifizierung von Texten: Anstatt eine Passage für immer und ewig zu löschen, lässt sie sich mumifizieren und verschwindet – und ist wieder da, wenn man sie doch wieder haben will. Ein durch eigene Vorschläge ergänzbarer Thesaurus gehört ebenfalls in die Liste nicht ganz alltäglicher Funktionen.

Papyrus Autor kostet inklusive Duden Korrektor 149 Euro und setzt Mac OS X 10.3 und höher voraus. Eine Demoversion ist auf der Herstellerseite erhältlich.

Interview mit Andreas Eschbach

R.O.M Logicware hat wie beschrieben eng mit Andreas Eschbach zusammen gearbeitet. macnews.de hat sich deshalb die Gelegenheit nicht nehmen lassen, einige Fragen an den Autor zu stellen – über Papyrus, den Mac und das Schreiben.

 

macnews.de: Sie sind erst vor kurzer Zeit von PC auf den Mac umgestiegen. Wie sind Ihre Erfahrungen und erste Eindrücke?

Andreas Eschbach: Sagen wir es mal so: Ab und zu muss ich an den PC meiner Frau, und dann wundere ich mich jedes Mal, dass ich mich früher nie darüber gewundert habe, wie umständlich damit alles ist. Ich will damit nicht sagen, dass der Mac vollkommen ist, aber jedenfalls kann ich damit die Dinge, die ich tun will, einfach tun, ohne dass ich über den Computer selbst nachgrübeln muss. So, wie ich mit meinem Hammer Nägel in die Wand schlage: Ich kann mich darauf konzentrieren, die Nägel an die richtigen Stellen zu setzen, und muss nicht Mitglied einer Hammer User Group werden.

 

macnews.de: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit R.O.M. Logicware?

Eschbach: Auf meiner alten Homepage hatte ich Links zu diversen Schreibprogrammen, darunter Papyrus, das es ja schon ziemlich lange gibt. Eines Tages hat sich Ulli Ramps, der kaufmännische Geschäftsführer von R.O.M. Logicware, mit einer Mail dafür bedankt, wir kamen ins Gespräch über die Vorzüge und Macken von Papyrus, und als er erwähnte, dass er das Programm gern mehr auf die Bedürfnisse von Romanautoren ausrichten wolle, war es geschehen: Von da an bombardierte ich ihn mit Ideen und Vorschlägen, dass es nur so qualmte im Internet. Zufällig ist das nämlich eines meiner Lieblingsthemen: Wie die perfekte Schriftsteller-Textverarbeitung aussehen muss.

 

macnews.de: Wie kann Papyrus Autor Schriftsteller unterstützen, wodurch hebt sich Papyrus von vergleichbaren  Programmen ab?

Eschbach: Das erste, was mich an Papyrus verblüfft hat, war die Möglichkeit, Text zu “mumifizieren”. Was für eine pfiffige Idee, dachte ich: Das erlaubt einem, mit Textvarianten zu spielen – man kann Satzteile, Sätze, ganze Passagen einfach probeweise “wegklappen”, und wenn man feststellt, nein, man braucht sie doch, holt man sie wieder zurück. Genial, oder? Hat kein anderes Programm.

Dann kam die Version, die den Duden eingebaut hat: Verglichen damit sind die Rechtschreibprüfungen anderer Programme allenfalls nette, aber untaugliche Versuche. In anderen Schreibprogrammen hatte ich bis dahin die Rechtschreibprüfung meistens ausgeschaltet, weil sie meine Fehler sowieso nicht entdeckte, dafür immer die falschen Sachen anmoserte. Erst in Papyrus funktioniert die Rechtschreibprüfung wirklich.

Das neue Papyrus Autor verfügt über eine für die Bedürfnisse eines Schriftstellers ausgebaute Gliederungsfunktion. Ein Roman gehört in die Kategorie “umfangreicher Text”, ist gegliedert in Kapitel und Szenen – die meisten Textprogramme machen es einem nicht leicht, sich darin zurechtzufinden, weil sie eher dazu gedacht sind, kurze Texte, Briefe und dergleichen, zu schreiben. Hier hat Papyrus Autor viel zu bieten, und ich freue mich, dass einiges davon auf meine Anregungen zurückgeht.

Die wichtigste Neuerung dürfte aber die Funktion der Stilanalyse sein, die mehr oder weniger meine Methode des “10-Punkte-TÜVs” für die Überarbeitung von Texten umsetzt und damit – bedenkt man den Aufwand, die Markierungen von Hand zu machen – eigentlich erst richtig praktikabel macht.

 

macnews.de: Warum braucht man eine Stilüberprüfung? Schreiben am Ende nicht alle gleich?

Eschbach: Was für eine Idee …! Nein, das ist so ungefähr die geringste Sorge, die ich habe. Ziel der Stilüberprüfung ist, den Computer zum persönlichen, jederzeit verfügbaren Lektor zu machen – natürlich nur so gut, wie eine Maschine oder sagen wir, ein algorithmischer Prozess das leisten kann, klar. Was ist der Job eines Lektors? In Ihrem Text alle Stellen anzustreichen, die er problematisch findet. Was Sie dann daraus machen, liegt bei Ihnen. Wenn Sie einen Text lektoriert zurückbekommen, dann werden Sie an vielen Stellen sagen, au ja, da hat er recht – das ändern Sie dann. An anderen Stellen werden Sie merken, dass Sie das aber genau so sagen wollten – dann lassen Sie es, wie es ist. 

Meine Erfahrung ist, dass man die Auseinandersetzung mit einem kritischen Lektor braucht, um seinen eigenen Stil überhaupt erst zu finden. Der Vorteil der computergestützten Stilanalyse ist, dass Sie deren Pingeligkeit selber einstellen können – und dass Sie ihre Vorschläge ablehnen können, ohne Streit befürchten zu müssen…

 

macnews.de: Wann kommen die zahlreichen Fragen und Antworten zum Schreiben auf Ihre neue Homepage?

Eschbach: Wenn ich mich überwinden kann, den alten PC nochmal hervorzukramen und einen entsprechenden Auszug aus der Datenbank zu machen. Vielleicht werde ich das über Weihnachten machen. Falls die alte Kiste nochmal anspringt, heißt das.

 

macnews.de: Welches ist/wird das erste Buch von Ihnen sein, das auf dem Mac entsteht?

Eschbach: Schon längst passiert: Das erste Buch, das auf dem Mac entstand, war der letzte Band meiner “Marsprojekt”-Reihe, “Die schlafenden Hüter” (Arena-Verlag). Und über das nächste Buch verrate ich nur, dass es mit Hilfe von Papyrus Autor entstehen wird …

 

macnews.de: Bitte geben Sie uns noch einen ultimativen Tipp für angehende Schriftsteller.

Eschbach: Überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten. Der ultimative Kniff dabei: Vergleichen. Vergleichen Sie die vorige mit der neuen Fassung. Legen Sie die Seiten nebeneinander: Im Vergleich sieht man Qualitätsunterschiede am besten. Behalten Sie die bessere Version. Oder verschmelzen Sie die jeweils besseren Passagen zu einer weiteren Fassung. Die Sie dann auch wieder neben die vorige legen. So verbessern Sie Ihren Text, ohne Gefahr zu laufen, ihm dabei das Leben auszutreiben.

macnews.de: Vielen Dank für das Interview!

 

“Andreas Eschbach lebt als Schriftsteller in der Bretagne. Einem breiten Publikum wurde der Autor durch “Das Jesus-Video” bekannt. Zuletzt erschienen von ihm “Eine unberührte Welt”, “Das Marsprojekt: Die schlafenden Hüter” sowie “Ausgebrannt” als Taschenbuchausgabe.

Bild Teaser: R.s.m.b. Sees: “Hieroglyphics On Papyrus “. Some rights reserved. Flickr

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