The Last of Us: Neue Infos von der gamescom – leider!

The Last of Us“ steht auf meiner Liste ganz weit oben. Man spürt einfach, dass Naughty Dog noch mehr will als Abenteuer und Action. Sonys Vorzeigestudio ist den Schuhen von Glücksritter Nathan Drake entwachsen. Man will sich auf neuem Terrain beweisen, neue Themen ausprobieren. Der Verlust der Menschlichkeit wird dieses Mal aufs Spiel gesetzt. Der eingeschlagene Weg führt die Entwickler von der Schatzsuche direkt in die Hölle. Vom leichtfüßigen Buddy-Movie in das schwermütige Grauen der Apokalypse. Von Nathan und Sully zu Joel und Ellie.

The Last of Us: Neue Infos von der gamescom – leider!

Es ist ein Weg, der aus „The Last of Us“ genau mein Spiel machen könnte. Alles wirkt intimer, emotionaler und bedeutender. Den Termin zur gamescom-Pressekonferenz von „The Last of Us“ hatte ich mir deshalb auch knallrot unterstrichen. Ich hatte viele Fragen im Gepäck und lechzte nach mehr Informationen. Die von Sony eingeplante volle Stunde versprach viele Antworten.

Als ich den Saal erreichte, sah ich in viele gespannte Gesichter. Offenbar war ich nicht der Einzige, der sich auf diesen Termin gefreut hatte. Eine lebensgefährliche Unterzuckerung wurde von mir kurzerhand ignoriert – das hier war wichtiger!

Los ging es mit einer vorproduzierten Videobotschaft von Bruce Straley und Neil Druckmann. »Schade, dass wir nicht in Köln sein können«, hieß es dort gleich zu Beginn. Stimmt, das war tatsächlich sehr schade. Der Video-Blog erschien wenig später dann auch auf YouTube. Der Grund für die Anwesenheit der Presse sollte vorerst Sonys Geheimnis bleiben.

Straley und Druckmann redeten im Video über die popkulturellen Einflüsse des Spiels und charakterisieren ihre digitalen Hauptdarsteller. Erhellende Neuigkeiten? Fehlanzeige! Das wussten wir alles bereits. Zum Glück hatte die Pressekonferenz gerade erst begonnen. Irgendetwas musste da ja noch kommen. Und es kam.

Troy Baker und Ashley Johnson wurden der wissbegierigen Journalisten-Scharr präsentiert. Johnson und Baker sind amerikanische Schauspieler mit einem überschaubaren Bekanntheitsgrad. Sie spielen Ellie und Joel in „The Last of Us“. Was folgte, führte die Veranstaltung an die Grenzen des Erträglichen. Ein von Sony gestellter „Community Manager“ las eine halbe Stunde lang vorbereitete Fragen ab – Baker und Johnson antworteten mit bemüht euphorisierten Phrasengedresche.

Fragen von Journalisten waren nicht erlaubt. Wie man sich denn auf die Rolle vorbereitet habe, wollte der exklusiv Fragende wissen. »Eigentlich wie immer« antwortet Johnson. Wie das Zusammenspiel zwischen den beiden so am Set war, wurde dann fast schon investigativ nachgehakt. »Gut, Ashley ist eine wundervolle Schauspielerin«. Es fiel mir zunehmend schwerer, dem bizarren Geschehen zu folgen. Das Wort „Amazing“ schien in Bakers und Johnsons Ausführungen eine tragende Rolle zu spielen. Mein Unterzucker meldete sich zurück. Die Stimmung steuerte zielstrebig auf ihren absoluten Tiefpunkt zu. Erste Menschen verließen – möglichst unauffällig – den Saal des Schreckens.

Ich entschied mich dennoch, bis zum bitteren Ende auszuharren. Über „The Last of Us“ sollte ich an diesem Mittwochnachmittag trotzdem nichts mehr erfahren. Stattdessen gab man uns einen unerträglich detaillierten Einblick in die »Herausforderungen und Chancen des Performance-Capturing«.

Gefühlte Ewigkeiten zwang man uns, Baker und Johnson beim Tracking-Turnen im Ganzkörperkondom zuzusehen. Was Hollywood-Studios normalerweise in den Bonus-Features einer Blockbuster-DVD vergraben, wurde von Sony an diesem Nachmittag zum Ereignis stilisiert.  Die Hoffnung auf Verwertbares flackert ein letztes Mal auf, als für fünf Minuten Fragen der Presse zugelassen wurden. Ein Kollege kam mir zuvor und stellt eine Frage, die sich auf einen bestimmten technischen Aspekt des Motion-Capturing bezog. Er bekam eine sehr ausführliche Antwort.

Die Pressekonferenz war beendet. Hier und da wurde schwer geatmet. Eine unsichtbare Last entwich dem Raum. Es war vorbei.

In den kommenden Tagen musste ich immer wieder an diese eine Stunde „The Last of Us“ denken. Video-Games haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Technik und Software haben die Büchse der Pandora geöffnet. Fotorealistisch digitalisierte Schauspieler kämpfen sich effektvoll durch aufwendige Setpieces während uns die virtuelle Kamera einen versierten Close-up auf das korrekt animierte Mimenspiel schenkt.  Alles scheint möglich. Hollywood ist in greifbarer Nähe.

Dass Games sich immer mehr wie großes Kino anfühlen, empfinde ich als etwas Wunderbares. Gerade Naughty Dog hat uns mit „Uncharted“ gezeigt, wie viel Spaß der gespielte Film machen kann.  Doch muss man sich bei der Annäherung an Hollywood unbedingt auch die Unarten und Oberflächlichkeiten des Filmbusiness mit einkaufen? Inhaltslose Interviews, generische Making-Offs, redundante Vermarktungshülsen und technokratisches Totalgelaber haben in der Berichterstattung über Hollywoodfilme bereits verbrannte Erde hinterlassen. Niemand liest heute noch ein Interview mit Nicolas Cage, kein Mensch interessiert sich für die Werwolf-Animation in „Underworld“. Dennoch werden wir auf allen Kanälen mit diesem wertfreien Quark bombardiert, weil schlichtweg die Alternativen fehlen.

Die Vorstellung, dass die Spielebranche aktuell einen ähnlichen Weg beschreitet, bereite mir Kopfschmerzen. Lasst die Spiele für sich sprechen, lasst die Entwickler für ihr Spiele sprechen oder lasst es bitte ganz – das hier will jedenfalls kein Mensch sehen.

Kommentare bitte! Hier geht es um euch: Wer interessiert sich für die Ausführungen von Baker und Johnson? Wer für die zahlreichen Sony-Videos zum Performance-Captering in “The Last of Us”? Wollt mehr davon sehen oder interessiert ihr euch für die klassischen Inhalte: Gameplay-Videos, Entwickler-Interviews etc?

 

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