The Last of Us Test + Gewinnspiel: Wunderschöner Weltuntergang

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Als mir „The Last of Us“ für den Test in die Hände gelegt wurde, hatte ich noch die Befürchtung, dass Naughty Dog hier einen als Survival-Spiel maskierten Standard-Shooter auf den Markt wirft. Stattdessen lassen die Amerikaner das Spektakel und die Leichtigkeit eines „Uncharted“ hinter sich und erzählen uns eine der wichtigsten Videospielgeschichten aller Zeiten. Besser könnte diese Konsolengeneration nicht aufhören.

Die ganze Zombie-Nummer ist zwar nichts Neues mehr, „“ erschafft sich aber eine eigene Mythologie um seine von Sporen infizierten ‚Untoten‘. Wie, wann und warum die Seuche ausgebrochen ist, spielt dabei gar keine große Rolle. Die Story konzentriert sich mehr auf die gemeinsame Reise von Joel und Ellie, die als ungleiches Paar gegen Infizierte und Jäger ums Überleben kämpfen.

Echtes Survival

Und das ist für mich auch die große Überraschung von „The Last of Us“. Hier gibt es keine Ballerorgien gegen ständig respawnende Gegnermassen. Keine ständig einstürzenden Brücken oder zusammenbrechende Gebäude. Fast jeder Kampf ist eine Herausforderung. Das hat mehrere Gründe: Es gibt kein sich selbst regenerierendes Leben und nur begrenzte Ressourcen. Im Laufe des Spiels hat sich in Joels Rucksack zwar ein ordentliches Arsenal an Waffen angesammelt, nur die Munition ist immer knapp.

Das führt dazu, dass ich in „The Last of Us“ tatsächlich jede Waffe nutze. „Jeder Schuss zählt!“, predigt Joel – und er hat Recht. Nicht selten finde ich mich mit knapper Munition in einem zerfallenen Gebäude voller Plünderer wieder. Mit geworfenen Steinen oder Flaschen lenke ich die Feinde ab, schleiche mich wagemutig hinter ihren Rücken und leg sie mit einem Nahkampfangriff um.

Ich könnte die Situation aber auch anders angehen, mir etwa aus gesammelten Teilen eine Bombe basteln, diese strategisch platzieren und Gegner anschließend in die explosive Falle locken. Da das Leveldesign von „The Last of Us“ meist aus mehrstöckigen Gebäuden oder großen Arealen besteht, habe ich stets Bewegungsfreiraum und kann meine Vorgehensweise selbst bestimmen. Vorsichtig muss ich aber immer sein – die Rambo-Variante endet nämlich schnell im Tod.

Und gestorben bin ich oft, „The Last of Us“ ist nämlich selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ein schweres Spiel. Gerade der Kampf gegen Infizierte hat mich zu Beginn viele Nerven gekostet. Die sogenannten Clicker sind zum Beispiel Zombies, die zwar blind sind, aber auf Geräusche reagieren. Außerdem töten sie sofort, wenn man ihnen zu nahe kommt. Das Upgradesystem verschafft dem Ganzen später Abhilfe, dann kann man nämlich eines seiner selbst gebastelten Messer einem Clicker in den Rachen rammen, um sich in letzter Sekunde zu retten. Außer natürlich man hat keine Messer mehr...

Der Mix aus Echtzeit-Inventarmanagement, Crafting, dem Upgrade-System und den vielen Waffen gibt dem Überlebenskampf von „The Last of Us“ unheimlich viel Abwechslung und spielerische Freiheit. An manchen Stellen wird „The Last of Us“ aber auch einen Tick zu frustig – der Onehit-Kill eines Clickers gepaart mit einem etwas zu weit entfernten Checkpoint kostet Nerven. Die meisten Tode sind allerdings selbst verantwortet – ich zumindest musste zu Beginn das vorsichtige Vorgehen erst lernen, habe mich später im Spiel aber umso mehr gefreut, wenn eine minutiös geplante Falle aufging.

Selten verfällt „The Last of Us“ in den Shooter-Modus. Dann gibt es enge Korridore und nur den direkten Weg nach vorn, Knarre im Anschlag. Das ist im Vergleich zu den sonst so spannenden Gefechten eher langweilig, bleibt aber zum Glück die Ausnahme. Manchmal ist das Leveldesign des Spiels auch zu vorhersehbar. An einer Stelle kam ich etwa in einem befreundeten Lager an, die friedliche Stimmung suggerierte einen Ruhepol. Die auffällig platzierten, hüfthohen Kisten überall in den Gängen verrieten aber bereits die Schießerei, die fünf Minuten später ausbrach.

Generell folgt „The Last of Us“ einem scheinbar klaren Muster: Kampf gegen Plünderer -> großes Gebiet zum Entdecken -> Kurzes Rätsel -> Kampf gegen Infizierte und wieder von vorn. Die Rätsel gleichen sich alle leider sehr. Meist muss ich Ellie irgendwie von Punkt A nach Punkt B bringen, damit sie für Joel einen neuen Weg öffnen kann. Gefühlte zwanzig Mal habe ich Ellie am Ende des Spiels auf einer Holzpalette durchs Wasser befördert, damit sie einen Hebel für mich umlegt – sie kann nämlich nicht schwimmen.

Dafür steht sie mir aber auch so gut wie nie im Weg und macht auch Feinde nicht auf sich aufmerksam. Das ist manchmal etwas kurios, weil es Momente gibt, in denen Ellie sehr deutlich von einem Jäger hätte gesehen werden müssen, stattdessen geht der Typ aber einfach weiter, als wäre da nichts gewesen. In dem Fall bin ich für diese Kuriosität aber dankbar, wäre das Spiel an der Stelle realistisch, wäre es auch sehr frustig.

The Last of Us Test: Wunderschöner Weltuntergang

So durchschaubar das spielerische Muster von „The Last of Us“ auch sein mag, es ist auf jeden Fall abwechslungsreich, außerdem stimmt der Spielfluss. Nach einem wieder mal knappen Kampf gegen ein paar fies entstellte Infizierte genieße ich den ruhigen Gang über einen der zerfallenen und überwucherten Highways, am Horizont die fast schon friedlich aussehende Stadtruine, die langsam von der Natur zurückgeholt wird. Atmosphärisch ist „The Last of Us“ ein Ausnahmetitel – vor allem, weil sich derart ruhige Momente mit düsteren Trips durch von Sporen vernebelte Kellergewölbe abwechseln. Dann wird Naughty Dogs Survival-Spiel fast schon zu einem Horror-Titel.

Zwölf Stunden Spielzeit hatte ich nach den Credits auf dem Zähler. Das ist ordentlich, mir aber fast schon etwas zu lang. Ich will zwar mehr Zeit in dieser Welt verbringen, gerade in der Mitte hat „The Last of Us“ aber einen kleinen Hänger und hätte gestrafft werden können, zumal das Spiel erzählerisch ohnehin schon eher langsam voran schreitet.

Nun zum Glanzstück dieser Postapokalypse: Die Story. „The Last of Us“ hat das Pech, das kurz zuvor mit „The Walking Dead“ eine der besten Videospiel-Stories im gleichen Genre erzählt wurde. Viele Elemente erkennt man sofort wieder, allen voran die Dynamik zwischen Joel und Ellie im Vergleich zu Lee und Clementine. Trotzdem hat „The Last of Us“ gerade gegen Ende ein ganz eigenes Gefühl entwickelt und erzählt – auch wenn man es kaum glauben mag – die deutlich finsterere Geschichte.

Mehr sei nicht verraten, nur so viel: Die Charaktere, die ihr auf eurer Reise treffen werdet, sind allesamt hervorragend geschrieben, das Spiel bleibt die meiste Zeit über logisch und nachvollziehbar, nimmt sich Zeit für die Etablierung seiner Spielwelt und des grundlegenden Konflikts. Selten streckt es die Grenzen der Glaubwürdigkeit, etwa wenn Ellie und Joel vor Maschinengewehrfeuer fliehen und partout nicht getroffen werden oder wenn sich in einer Zwischensequenz ein Feind ein paar Sekunden zu viel Zeit lässt, um das Feuer zu eröffnen.

Ich würde gerne mehr über die Geschichte schreiben, spüre den Drang, mich darüber zu unterhalten. Aber ich kann nicht. Auch hier in der Redaktion hat noch niemand außer mir „The Last of Us“ gespielt, also mache ich mir vorerst meine eigenen Gedanken. Und glaubt mir: Über „The Last of Us“ wird man noch viel zu sagen haben. Zusammen mit „BioShock Infinite“ und „The Walking Dead“ erzählt Naughty Dog hier eine der besten und wichtigsten Stories der letzten Jahre.

Achtung, Gewinnspiel! (beendet; Gewinner wurden ausgelost)

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Fazit:

Wenn ihr vom Actionspiel-Einerlei der aktuellen Generation die Schnauze voll habt, dann schnappt euch eure angesparten 60 Euro und kauft „The Last of Us“! Ohne Händchen halten und ohne Kompromisse inszeniert Entwickler Naughty Dog hier einen echten Survivaltrip, der euch spielerisch herausfordert und mit seiner Geschichte wichtige Fragen stellt. Mit seinen harten Kämpfen und seinen nicht immer sympathischen Charakteren wird „The Last of Us“ nicht jedem gefallen. Und das ist verdammt gut so.

Wertung

9/10
Getestet von Thomas

Schön, schwer, wichtig: The Last of Us ist echtes Survival mit einer Ausnahme-Story.

Leserwertung
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Weitere Themen: gamescom 2013 – Alle Infos, das Gewinnspiel und wo ihr uns treffen könnt


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