Shiness - The Lightning Kingdom im Test: Zuckersüße High-Fantasy mit AAA-Momenten

Marina Hänsel

Kannst Du uns sehen? Ja, er kann uns sehen! Wir sind die Shiness, Geister der Erde. Du musst jemand ganz besonderes sein — Und ich möchte Dir ein ganz besonderes Spiel vorstellen.

Keine Zeit für den gesamten Test? Ganz unten findest Du eine Zusammenfassung!

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Shiness - Behind the Scenes Trailer

Ich sitze vor dem Bildschirm meiner PS4 Pro und kritzele auf einen kleinen Zettel: „Süß: Tolle und kreative Dialoge, schöne Atmosphäre.“ Dann, „Bugs, aber keine Game-Breaker (nach den Patches)“ und schließlich, „Wechsel von Action-Elementen zu gar nicht so einfachen Rätseln — schön!

Shiness: The Lightning Kingdom ist ein Action-Rollenspiel vom französischen Entwickler Enigami, es wurde über Kickstarter finanziert und erinnert sehr stark an ein JRPG. Aber Shiness ist noch mehr — es ist eine eigene Welt mit einer eigenen Sprache, es ist Comic und Furry, es ist High-Fantasy und es ist süß. Sogar ziemlich süß.

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Terra und das Reich des Lebens

Erste Minuten

Schwärze. Mystische Klänge durchbrechen die Stille und dann eine Stimme. Ob ich Dich sehen kann? Nein. Du sagst, Du bist ein Geist der Erde. Das Bild füllt sich und ich erkenne Sterne, Lichter — einen Planeten? Meteor? Ich fliege durch das All und es ist wunderschön.

Die ersten Minuten von Shiness: The Lightning Kingdom geleiten mich mit sanften Worten und einer mystischen Melodie auf eine der himmlischen Inseln: Fliegende, leuchtende Planeten-Brocken im Weltraum. Dann eine Zwischensequenz. In Cel-Shading-Grafik stellt mir das Spiel zwei der Hauptcharaktere vor: Eine stolzer Katzen-Krieger und eine menschliche Frau, die im Regen vor etwas oder jemandem fliehen. Ich will die ersten Szenen verarbeiten, sie in Verbindung setzen, doch ein weiterer Blackscreen folgt — und plötzlich beobachte ich das Schicksal zweier Furry-Hunde, die gerade mit ihrem fliegenden Schiff abstürzen.

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Wow, denke ich. Ganz schön viel auf einmal. Aber da wusste ich auch noch nicht, dass dieses kleine Kickstarter-Projekt hier versucht, sein ganz eigenes Universum vorzustellen.

Zwischen High-Fantasy

In Shiness: The Lightning Kingdom dreht sich alles um den zerbrochenen Planeten Mahera. Chado und sein Freund Poky sind junge Furry-Hunde, sogenannte Waki, die mit ihrem Schiff auf einem Brocken von Mahera abstürzen. Dort geraten sie zwischen die Fronten mehrere Königreiche; ein Krieg steht kurz vor dem Ausbruch und da wäre auch noch Rosalya, die mit ihrem weisen Beschützer Kayenne aus der Stadt Adorya geflohen ist. Habe ich schon erwähnt, dass die beiden Waki eigentlich das sagenumwobenen Reich des Lebens suchen?

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Gleich zu Beginn übernehme ich den draufgängerischen Chado und werde von der niedlichen Shiness Terra durch das kurze Tutorial geführt. Dabei wird schnell klar: Das Spiel ist ein Mix aus unterschiedlichsten Genres; es gibt Textboxen in JRPG-Manier, auswählbare Dialoge, Zwischensequenzen mit der Ingame-Cel-Grafik und andere Sequenzen im Manga-Stil.

Dazu kommt noch die gigantische Story rund um das Universum der Shiness — erst nach und nach werden Namen, Orte und erzählte Ereignisse erklärt und in Zusammenhang gebracht, sodass die anfängliche Verwirrung einer homogenen, greifbaren Welt weicht.

Beat'em'Up

Greifbar, lebendig und nicht ganz so originell, wie es anfangs scheint. Nachdem die Bombe an etlichen Storysträngen, Charaktern etc. geplatzt ist und mein Rollenspieler-Herz mir vor Freude fast aus der Brust springen will — häufen sich die Standard-Quests und Beat'em Up-Fights.

Ich habe tatsächlich sehr viel gekämpft. Dazu sei gesagt, dass die Auseinandersetzungen in Shiness: The Lightning Kingdom stark an Titel wie Marvel vs. Capcom erinnern. Gemessen wird sich in einer Arena, die aufploppt, sobald ich mich einem Gegner auf der Map nähere. Hier heißt es dann Einer-gegen-Einen, wobei ich meine boxenden Companions nach Belieben austauschen kann. Fingerfertigkeit zählt: Ein Mix aus Offensive, Defensive, Shi-Zaubern und Spezialfähigkeiten verlangt von mir rasante sowie taktisch kluge Reaktionen, sonst liegt mein süßer Furry alsbald flach auf dem Boden.

Während ein guter Boxkampf in Shiness ziemlich viel Spaß macht, ermüden die typischen Hol-das-und-sprich-mit-dem-Aufgaben, welche jedes Mal eine Schar an Beat'em Ups hinter sich herziehen. Ist das alles, was mir dieses anfangs vielversprechende Spiel zu bieten hat?

... und Überraschungen.

Ich sitze bereits den gesamten Tag an Shiness: The Lightning Kingdom und mein Notizzettel ist voll. Die Lust am Spielen ist mir vergangen: Zu viele ähnliche Quests, zu viele Kämpfe. Bugs.

Dann jedoch passiert etwas Unerwartetes.

Plötzlich stecke ich mitten in einem Fight gegen ein Monster, bei dem die alten Taktiken nicht funktionieren. Wie kann dieses Skelett immun gegen all meine Angriffe sein? Ich werde aus meiner Trance gerissen, denke um und schaffe es, haarscharf dem Tode zu entkommen. Doch es geht noch weiter — nach dieser Überraschung folgt ein Level, in welchem ich fast ausschließlich rätseln darf. Sofort hat Shiness mich wieder an der Angel und mir wird klar, dass dieses Game nicht nur Genres mixt oder ein ganzes Universum in 20-30 Spielstunden packen will; nein, es wächst auch während des Spielverlaufs und lässt sich ungern in eine Schublade stecken.

Mein AAA-Moment: Sie starb und ich war schuldig

Ist Shiness: The Lightning Kingdom mehr als es scheint, oder scheint es mehr als es ist? Es gab einen Moment im Spiel, der mich überzeugt hat: Die Entscheidungen meines Charakters spielten bis dato keine Rolle, also hatte ich diesen RPG-Aspekt bereits abgehakt.

Dann jedoch starb jemand. Und ich war schuldig.

Dazu muss gesagt werden, dass die Gegner in Shiness nicht blutend zu Boden fallen, sondern entweder verpuffen oder nach dem Kampf die Waffen niederlegen. Umso geschockter war ich, als sich aufgrund meiner Entscheidung ein Story-relevanter NPC gegen mich wandte — und nach dem Boxkampf plötzlich röchelnd am Boden lag. Der Ernst des Lebens schlug mit einer Gewalt in die strahlende Welt der Shiness ein, dass ich zunächst einmal schlucken musste.

Und ich war überzeugt: Dieses Spiel ist mehr als es scheint und begeistert mit jähen AAA-Momenten, die es über sich selbst hinauswachsen lassen.

Alles auf einen Blick

Zusammenfassung

Shiness: The Lightning Kingdom packt ein High-Fantasy-Universum in 20-30 Spielstunden und weiß, den Spieler mit einigen AAA-Momenten zu überraschen. Im Vordergrund jedoch stehen Marvel-vs.-Capcom-ähnliche Beat'em Ups und die JRPG-Elemente, die einen Großteil des Action-Rollenspiels füllen. Dabei ist und bleibt es vor allen Dingen eines: Zuckersüß.

Fazit

Die niedlichen Furry-Charaktere sind sympathisch, lustig und wachsen Dir schnell ans Herz. Du wirst über Standard-Quests, Bugs und repetitive Kämpfe hinwegsehen müssen, machst es am Ende aber gerne, um die Story in ihrer Fülle erleben zu können.

Du wirst Shiness: The Lightning Kingdom lieben, wenn Du:

einen Furry-Fetisch hast, die Grafik von Jet Set Radio abgöttisch liebst, in InuYasha verliebt warst oder leidenschaftlich im JRPG-Stil boxt.

Du kannst Shiness: The Lightning Kingdom vergessen, wenn Du:

immer sofort alles verstehen möchtest, süße Dinge (wie süße Katzen) Dich anekeln, Blut sehen willst oder ungern Deine Maus / Tastatur / Controller-Knöpfe während des Kampfes massierst.

Wertung

6.5/10
Getestet von Marina

Kleine Helden, große Story. Shiness: The Lightning Kingdom wartet mit einer epischen Story auf, die in Beat’em-Up-Manier durchs Spiel geboxt wird. Oh, und Furry-Katzen!

Na, angefixt?
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Weitere Themen: Marvel vs. Capcom: Infinite, Marvel vs. Capcom 3: Fate of Two Worlds, Nintendo

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