The Swapper Test: Besseres Rätseln geht nicht

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Seien wir mal ehrlich: Das Rätsel-Niveau in modernen Mainstream-Spielen ist lachhaft. „Uncharted“ schreibt die Lösungen zu seinen ohnehin zu leichten Denkaufgaben gleich in Nathan Drakes Notizbuch, bei „Tomb Raider“ werden die wenigen Rätseleinlagen als Nebenquest ausgelagert. Wer wirklich sein Hirn anstrengen will und eine geistig anspruchsvolle Herausforderung sucht, greift zu „Portal“. Oder eben zu Indie-Spielen wie „The Swapper“.

Denn Rätselniveau und –Design in „The Swapper“ sind absolut erstklassig. Die Prämisse klingt kompliziert, geht aber leicht von der Hand. Mit der namensgebenden „Waffe“ kann ich bis zu vier Klone meiner selbst erschaffen und anschließend von ihnen Besitz ergreifen. Mehr gibt es nicht, keine Upgrades, keine neuen Geräte oder Gadgets. Alle Tricks, die ich im Laufe der knapp vier Stunden langen Reise durch eine scheinbar verlassene Raumstation brauche, kann ich eigentlich schon von Anfang an. Ich habe sie nur noch nicht herausgefunden.

Intuitiv und fast ohne Tutorial-Hinweise schafft es „The Swapper“, seinem Spieler neue Mechaniken beizubringen, zum Umdenken anzuleiten und dadurch einen Aha-Effekt nach dem anderen zu provozieren. Jeder Rätselraum ist in sich geschlossen, stets muss mein Astronaut eine Energiekugel erreichen, die er zum Öffnen weiterer Areale benötigt. Dabei bietet die Umgebung jedes Raumes verschiedene Umstände, die es zu überwinden gilt.

So gibt es etwa rotes Licht, dass es mir zwar erlaubt, darin Klone zu erschaffen, allerdings kann ich mein Bewusstsein nicht hindurch schießen. Bei blauem Licht ist es genau umgekehrt und rosa Licht blockt gleich alle Funktionen meines Swappers. Später kommen noch Platten hinzu, die die Schwerkraft für den jeweiligen Klon umkehren, was zu noch komplexeren, aber nie überkomplizierten Rätseln führt.

Oft saß ich einige Minuten an einem Puzzle, experimentierte mit waghalsigen Manövern – mir etwa im freien Fall einen Klon erschaffen und mich in ihn hineinversetzen – nur um schließlich und endlich auf die Lösung zu kommen. „The Swapper“ schafft es, genau das richtige Niveau für seine Puzzles zu finden. Nach jeder geknackten Nuss fühle ich mich ein wenig smarter und wage mich motiviert sofort ans nächste Rätsel.

Nicht nur das Puzzle-Design, sondern auch die Story und vor allem die organische Verbindung der Erzählung mit dem Gameplay sind vorbildlich. Die minimalistisch erzählte Geschichte um eine mysteriöse Alienform und die Frage, was Bewusstsein eigentlich ist, fasziniert bis zum Finale. Auch das Ende passt perfekt zum Spiel und zwingt mich förmlich, noch lange danach darüber zu grübeln.

Die handgemachte Basteloptik gibt „The Swapper“ einen sehr plastischen, greifbaren Look, lässt aber trotzdem die bedrückende Weltraum-Atmosphäre der Raumstation Theseus zu, nicht zuletzt dank der tollen Lichtstimmung. Bei der Soundkulisse verlässt sich „The Swapper“ hauptsächlich auf melancholische Piano-Klänge und kaum auszumachendes Rauschen.

„The Swappers“ schlimmstes Vergehen ist es, schlicht zu schnell vorbei zu sein. Nach etwa drei Stunden flimmerten die Credits über den Bildschirm. Zwar hat der Indie-Titel ein durchaus befriedigendes Ende, ich hätte mir aber trotzdem ein paar zusätzliche, eventuell optionale Rätselräume gewünscht. So ist an „The Swapper“ aber immerhin kein Gramm Fett.

Fazit:

The Swapper“ ist eine intelligente, anspruchsvolle und atmosphärisch dichte Weltraum-Odyssee. Die erstklassig designten Rätsel, die Schmelze zwischen Gameplay und Story und die einzigartige Präsentation machen diesen Indie-Titel zum absoluten Pflichtkauf für Fans von Spielen wie „Braid“ oder „The Misadventures of P.B. Winterbottom“. Nur sollte euch bewusst sein, dass dieser faszinierende Trip ins Weltall nach drei bis vier Stunden auch schon wieder vorbei ist.

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Wertung

9/10
Getestet von Thomas

The Swapper ist erstklassiges Rätseldesign und eine vorbildliche Fusion aus Story und Gameplay. Unbedingt spielen!

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