The Unfinished Swan Test – Das nächste Journey?

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Es sind ideale Bedingungen. „The Unfinished Swan“ kann sich Dank des PSN-Hits „Journey“ ins gemachte Nest setzen. Indie ist aktuell eben in aller Munde. Kleine, schräge Spiele, die auf eine künstlerische Vision statt auf etablierte Erwartungsnormen setzen, erhalten heute mehr Aufmerksamkeit als jemals zuvor. Das ideenlose Franchising im Mainstream weckt bei immer mehr Spielern das Bedürfnis nach Neuem, nach Unerwartetem. Schade, dass „The Unfinished Swan“ genau dieses Bedürfnis nicht zu stillen vermag.

„The Unfinished Swan“ ist ein interaktives Kinderbuch. Erzählt wird die Geschichte des kleinen Jungen Monroe, der nach dem Tod seiner Mutter deren unvollendeten Bilder erbt. Als Monroe ins Waisenhaus kommt, darf er die Gemälde jedoch nicht behalten, sondern muss sich für eines entscheiden. Er wählt das Schwan-Gemälde als letztes Andenken an seine verstorbene Mutter. Als der Schwan eines Tages plötzlich aus dem Bild verschwindet, tritt Monroe durch eine magische Tür in die Spielwelt von „The Unfinished Swan“. Und so beginnt eine Reise durch die Bilderwelten seiner Mutter.

Für Aufsehen sorgte das Spiel der Debütanten von Giant Sparrow mit der Tintenklecks-Idee. Der Spieler hat nur eine Form der Interaktion. Monroe wirft Farbtropfen in eine ansonsten vollkommen weiße Welt, um diese einzufärben und sich so orientieren zu können. Ein wirklich interessantes Erlebnis, das jedoch eher den Entdecker als den Künstler in uns anspricht.

So aufregend die ersten Schritte in „The Unfinished Swan“ auch sein mögen, das kleine Farbspielchen verbraucht sich überraschend schnell. Das haben offenbar auch die Entwickler gemerkt, die die auf einer Tech-Demo basierende Mechanik schon im zweiten Kapitel durch eine neue ersetzen. Ein Muster, das sich durch das gesamte Spiel zieht. Jedes der insgesamt fünf Kapitel erhält eine frische Gameplay-Mechanik, die Monroe bei seiner Suche nach dem unvollendeten Schwan helfen soll. Mal bewässern wir Ranken, um an unerreichbare Orte zu gelangen, mal schieben wir eine leuchtende Kugel durch die stockfinstere Nacht, um uns vor bösen Spinnen zu schützen.

Leider macht keine dieser Mechaniken annähernd so viel Spaß wie das Verspritzen von Tinte und so muss man am Ende des zwei- bis dreistündigen Spielerlebnisses erkennen, dass „The Unfinished Swan“ sein Gameplay-Pulver recht früh verschießt. Das ist aber gar nicht weiter schlimm, denn „The Unfinished Swan“ will in erster Linie als gespieltes Kinderbuch erfahren (und bewertet) werden.

Fazit

Als Kinderbuch ist „The Unfinished Swan“ dann auch ein voller Erfolg. Es spielt sich leicht und unbeschwert auf eine liebevoll vorbereitete Moral von der Geschichte zu, ohne sich in platter Didaktik zu verrennen. Auch wenn man erzählerisch lange Zeit im Dunkeln tappt, wartet am Ende der ungewöhnlichen Bilderreise eine schöne Belohnung. „The Unfinished Swan“ lässt uns seine kleine Lebenswahrheit mit einfachsten Mitteln träumerisch erkunden. Dass man ein Kinderbuch im Jahr 2012 auch spielen kann, ist an sich ein großer Gewinn für diese Welt.

Dennoch fehlt es in „The Unfinished Swan“ am Ineinandergreifen von Gameplay und Geschichte. Die Spielmechaniken sind letztlich kaum mehr als eine unverwandte Aneinanderreihung von allzu bekannten Mitteln zum Zweck. Wo „Journey“ auf magische Weise eins war, zerfällt „The Unfinished Swan“ in seine Elemente. Wo „Journey“ sich neu anfühlte, hat „The Unfinished Swan“ nur Bekanntes zu bieten.

Wertung: 74 % 


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