The Witcher 2 Test - Erotisch, blutig, düster, episch - ein Fest!

David Hain
8

Was wurde geschimpft und geflucht und gemeckert, als "The Witcher" im Jahr 2007 erschien und nicht den Erwartungen entsprach. Bugs, lange Ladezeiten, starre Zwischensequenzen gab es da zu bemängeln – alles Dinge, die die Enhanced Edition ein Jahr darauf behob. Und es waren Dinge, die eigentlich kaum ins Gewicht fielen. Denn "The Witcher" war mehr als nur die Summe seiner spielerischen Komponenten. Es war düster, erotisch, brutal, unwirtlich und lebendig – wie die mittelalterliche Epoche, in der es spielte. Ein echtes Rollenspiel also – das nun würdig fortgesetzt wird.

The Witcher 2 Test - Erotisch, blutig, düster, episch - ein Fest!

Die “Witcher”-Welt war geprägt von Sex, Gewalt, Rassenhass und Intrigen. Wenn wir eine Straße betraten, grüßten uns umtriebige Händler, maulten verarmte Bürger, lockten verruchte Bordelldamen. Mehr noch als “Gothic” wusste “The Witcher” seine Umwelt zu inszenieren: Als pulsierenden, stinkigen Moloch, mit unglaublich dichter Atmosphäre, einem echten Kerl von Hauptcharakter und Dialogen, die erwachsene Spieler nicht für dumm verkaufen wollten.

Was “The Witcher 2″ mit diesen Voraussetzungen macht? Aufgreifen, verfeinern, hübsch verpacken und ein Schleifchen drumherum binden. Schon im ersten Städtchen wähnt man sich nach rund 15 Minuten wie zu Hause: Vorn am Marktplatz kritzelt ein Bankier aufgeregt vor sich hin, am Hafen erzählen die Arbeiter von ihren Reisen, den “echten” Ungeheuern, die man gesehen hat, den Frauen, die erobert wurden. Hinten im Eck will uns jemand ans Leder – “Her mit dem Zaster”, brüllt er, in der Hand ein zweischneidiger Flegel, im Blick die kalte Mordlust.

Das könnte auch Berlin sein. Oder Frankfurt. Natürlich ohne die Ungeheuer. Und Hafenarbeiter. Denn es zeugt davon, dass CD Project nicht einfach nur eine Armee von Modellierern an den Leveleditor kettet. Hier arbeiten Leute mit Herzblut, mit Leidenschaft, selbst die “Geschichtenerzähler-Company” Bioware kann nicht viel mehr, als zahllose Klon-Bewohner in enge Gassen zu pflanzen, die starr verwurzelt darauf warten, angesprochen zu werden.

Doch bevor wir uns in dieser Welt verlieren, ein kurzer Exkurs in die Belange des Hexers. Der “Witcher”, das ist nach wie vor Geralt von Riva. Mutant, Frauenschwarm und eigentlich mausetot – zumindest wenn es nach den offiziellen Romanen geht. Warum er trotzdem munter durch die Gegend stolziert, wird durch die Allmacht des Gedächtnisverlustes verschleiert, zu Teilen aber im Verlauf der Handlung beleuchtet.

Inhaltlich schließt CD Project direkt an den Vorgänger an: Geralt findet sich in den Diensten von König Foltest wieder, der gerade irgendeine Burg belagert, seine Frau bekämpft und deren Sohn meuchelt – was man halt so macht, als Monarch. Dann passiert…”etwas” – weshalb es uns folglich zunächst in einen dunklen Kerker und später in das verdreckte Vorstädtchen Flotsam verschlägt. Begleitet von Triss Merigold, Rittersporn und Zoltan schwingt sich der Hexer ins Abenteuer – und zieht uns mit.

Wie er dies tut, ist dabei über alle Maßen beachtenswert: “” inszeniert sich pausenlos in spektakulären Zwischensequenzen, jede Unterredung wird in ein erstklassig gefilmtes Korsett gepresst, mit Gegenschnitten, Zooms, Schwenks und allem pi-pa-po. Kein Vergleich zum starren Holzpuppentheater des ersten Teils, der in den Dialogszenen in etwa so viel Dramatik versprühte, wie ein Besuch im Flohzirkus.

Hier gleich zur Witcher 2 Komplettlösung.

Weitere Themen: The Witcher: Versus

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