Reportage - Die Rechte der Spieler Teil 2

Leserbeitrag
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Vor zwei Wochen veröffentlichte ich den Teil 1 der Reportage ,,Die Rechte der Spieler,,. Heute folgt der zweite Teil, auch wenn er eigentlich erst für den Freitag angekündigt wurde. Die Website Gamestar.de hat ein weiteres mal Rechtsanwälte zu den Rechten der Spieler befragt. In Teil zwei steht der Online-Service Steam und die Importspiele im Mittelpunkt. Also, schnappt euch etwas zum trinken und lest was der typische ,,Zocker,, eigentlich darf und was nicht.

 

Übersicht:

Seite 1: Einleitung

Seite 2: Umtausch bei Importspiele und Kopierschutz/p>

Seite 3: Benutzerkonto und Onlinespiele

Seite 4: Welche Daten dürfen Spielehersteller sammeln

Seite 5: Aktivierung und CD-Key

Seite 6: Darf Steam Kontos sperren / auch wegen einem Hacker

Seite 7: Weiterverkauf von Steam Spiele

Seite 8: Verkauf / Kauf von indizierte / beschlagnahmte Spiele

Seite 10: Abschluss

Manche Händler verkaufen Importspiele und weisen darauf hin, dass sie nicht umtauschbar seien. Ist das korrekt?

Sollte ein Händler vermerken, dass das Spiel nicht umtauschbar ist, so darf man dies ,,nur so verstehen, dass der Händler ein Spiel nicht aus Kulanz zurück nimmt”, so Janine Simtkiewicz. Trotzdem hat man ein Anspruch auf Gewährleistung bei Einkäufen in der EU, sollte ein Mangel bestehen.

 

Bekomme ich mein Geld zurück, wenn ich ein Spiel wegen des Kopierschutzes nicht benutzen kann, etwa weil ich keine Internetverbindung habe?

Da ein Kopierschutz für gewöhnlich kein Mangel ist, ist es aus diesem Grund auch kein Gewährleistungfall. ,,Ein solcher könnte vorliegen, wenn das Spiel wegen technischer Fehler nicht laufen oder immer wieder abstürzen würde”, meint Rechtsanwältin Carina Neumüller. Sollte der Kopierschutz den Start der Software nicht möglich machen, also wenn es bestimmte Kopier- oder Emulationsprogramme auf der Festplatte oder ein SCSI-Laufwerk entdeckt, gilt auch dies nicht als Mangel (Dies wird auch die Blacklisting-Methode genannt). Solche Probleme gab es öfters bei Spielen mit Securom, Starforce und Safedisc Programmen (z.B. bei ,,The Witcher,,). Damit das Spiel dann endlich startet, muss man diese Programme löschen oder manchmal das Laufwerk ausschalten. Deshalb Janine Smitkiewicz: ,,Der Käufer kann die Probleme beseitigen, ohne auf den Hersteller angewiesen zu sein.” Sollte ein Spiel auf der Hülle daraufhin gewiesen haben, dass es eine Internetverbindung voraussetzt, darf man nicht eine Rückerstattung des Geldes erwarten.

Ein Mangel am Kopierschutz entsteht z.B. dadurch, wenn durch diesen Sicherheitslücken entstehen. Sogar Schadensersatz könnte in Betracht gezogen werden. Zu beachten ist jedoch, dass wirkliche Schäden im System entstanden sein müssen.

Kann ich mein Spiel zurückgeben, wenn ich feststelle, dass fürs Spielen ein Benutzerkonto nötig ist, das persönliche Daten sammelt?

Ja, ,,wenn zum Beispiel entsprechende Angaben auf der Packung fehlen”, sagt Stephan Mathé. Sollte ein Hinweis auf der Verpackung vermerkt gewesen sein, sieht das ganze schon ganz anders aus.

 

Müssen auch reine Onlinespiele darauf hinweisen, dass man eine Internetverbindung benötigt?

Selbst wenn bekannt sein sollte, dass z.B. ein ,,Counter Strike,, nur mit einer Internetverbindung wirklich nützlich ist, muss der Hersteller des Spiels drauf hinweisen, dass es einen Internetanschluss benötigt; ,,damit zum Beispiel auch unerfahrene Eltern als Käufer das verstehen”, weist Janine Smitkiewicz  darauf hin. Sollten Folgekosten durch Abogebühren entstehen, muss der Spieler ebenfalls zuvor daraufhin gewiesen worden sein.

Welche Daten dürfen Spielehersteller sammeln?

Für personenbezogene Daten gibt es strikte Richtlinien. Unpersönliche Daten werden dauernd gesammelt, z.B. beim aufrufen einer Internetseite (welchen Browser man benutzt). Wenn personenbezogene Daten gesammelt werden sollen, muss der Nutzer einwilligen. ,,Das gilt in der Regel sogar für die Speicherung von IP-Adressen”, erklärt Janine Smitkiewicz. Der Betreiber muss den Nutzer informieren, dass persönliche Daten gesammelt werden sollen. Das ändern oder löschen der Daten muss zur jeder Zeit möglich sein.

Stephan Mathé weißt jedoch daraufhin, dass ein paar der persönlichen Daten auch ohne Einwilligung gesammelt werden können. Bei Online-Rollenspielen, Bestands-, Nutzungs- und Abrechnungsdaten trifft dies zu. Zu dem darf der Anbieter so genannte Nutzungsprofile erstellen, welche für Werbung, Marktforschung usw. eingesetzt werden dürfen. Jedoch nur wenn diese nicht mit den Daten der Privatperson übereinstimmen.

 

Ist es rechtens, wenn ein Spiel wichtige Daten erst bei einer Internetaktivierung herunterlädt?

Nur wenn der Käufer zuvor darauf hingewiesen wurde. Denn sonst wäre ein Mangel vorhanden und man dürfte eine Gewährleistung erwarten. Ist es rechtens, wenn ich ein Spiel nur begrenzt oft aktivieren darf?

Spiele wie Spore oder Mass Effect erlauben nur eine begrenzte Zahl von Online-Freischaltungen. ,,Das ist unzulässig”, so Rechtanwältin Janine Smitkiewicz.

Das Installieren eines Spiels mit einer bestimmten Anzahl festzulegen, könnte einen Weiterverkauf verhindern und würde somit die faktischen Weiterveräußerungssperre umgehen. Die Aktivierung für eine weitere Installation durch einen Hotline-Service ändert daran nichts, da möglicherweise Kosten durch den Anruf entstehen könnten und es möglicherweise eines Tages keinen Hotline-Service mehr für das Spiel geben könnte.

 

Wenn ein Hersteller meinen CD-Key für Multiplayer-Partien sperrt, weil ich gecheatet habe, könnte ich das Spiel auch nicht mehr verkaufen. Darf er das also nicht tun?

Doch, denn der Spieler hat es sich selbst zu zuweisen. Der Hersteller möchte doch den Spaß am Spiel erhalten und das klappt meistens nicht, wenn ein Cheater anwesend ist. Jedoch müsste man in einer Nutzungsbedingung schon zuvor auf eine mögliche Sperre hingewiesen worden sein. Stephan Mathé versteht die Rechtslage anders: ,,Ich halte es bei Online-Spielen zwar für zulässig, den Cheater ohne Rückzahlung der monatlichen Gebühren zu sperren. Das mit dem CD-Key zu tun, scheint mir zu weit zu gehen, weil der Spieler die Möglichkeit behalten muss, den Datenträger weiter zu verkaufen.”Darf ein Online-Service wie Steam mein komplettes Konto sperren, sodass ich keines der dort eingebundenen Spiele mehr spielen kann?

Auf diese Frage gibt es keine wirkliche Antwort. Bis jetzt hat keiner der Betroffenen gegen diese Art der Bestrafung geklagt. ,,Eine so harte Strafe dürfte unangemessen sein, hier hielte ich es für fair, wenn nur das betroffene Spiel gesperrt wird”, sagt Stephan Mathé. Janine Smitkiewicz meint jedoch, dass solch eine Strafe angemessen ist, da man in den Nutzungsbedingungen von Steam zuvor darauf aufmerksam gemacht wurde.

 

Mein Steam-Konto wurde gesperrt, weil ein Fremder es gehackt und missbraucht hat. Bin ich schuld?

Sollte man leichtfertig mit seinen Daten umgegangen sein, also sie z.B. in einem Forum gepostet haben, ist man selber Schuld. ,,Dann ist der Spieler mitverantwortlich und kann kaum etwas gegen die Konsequenzen ausrichten”, weist Stephan Mathé daraufhin. Auch wenn man seine Daten stets gut behütet hat, wird es trotzdem Probleme geben, da man dann Beweisen müsste ob wirklich ein Hacker das Konto missbraucht hat. In der Regel ist es sehr schwer dies zu beweisen.

Sollten mehrere Nutzer Probleme durch Hacker haben, bietet sich eine Chance gegen die Sperrung Einspruch zu erheben.

Darf ich Steam-Spiele verkaufen?

Im Februar 2010 hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass bei Steam, wie auch zuvor, die gekauften Spiele nur für ein Konto genutzt werden dürfen. Somit kann auch kein Weiterverkauf stattfinden. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen klagte gegen dieses Urteil, jedoch vergebens.

Janine Smitkiewic meint dazu: ,,Letztlich hat der BGH nur zum Ausdruck gebracht, dass ein Anbieter grundsätzlich das Recht hat, ein Angebot auf den Markt zu bringen, das den Weiterverkauf des Spiels technisch unmöglich macht.”

Das muss nicht für alle Downloadspiele gelten. Möglicherweise könnte man ja einen eigenen Account für ein Spiel anlegen oder man müsse einen Account mit allen dazugehörigen Spielen verkaufen. Doch bei Steam würde dies alles nicht klappen, da man schon im AGB zuvor drauf hingewiesen wurde, dass solche Prozesse nicht erlaubt sind.

,,Zu welchen rechtlichen Fragestellungen der BGH sich im Detail äußert, ist nicht mal dem Anwalt von Valve bekannt”, so Smitkiewicz.

Darf ich ein indiziertes Spiel verkaufen?

Ja, doch die Person an die man das Spiel verkauft muss 18 Jahre alt sein. ,,Es drohen bereits Geldstrafen und bis zu ein Jahr Gefängnis, sollten Sie einem Minderjährigen einen indizierten Titel auch nur anbiete. Lassen Sie sich sicherheitshalber einen Ausweis vorlegen, eine Kopie davon genügt nicht!”, sagt Rechtsanwalt Dr. Andreas Lober. Auch Privatleute betrifft das: Medien, die indiziert sind, dürfen nicht z.B. auf dem Flohmarkt offen liegen. Am besten man benutzt Verkaufsplattformen im Internet, die eine gute Altersverifikation anbieten.

 

Darf ich ein beschlagnahmtes Spiel kaufen?

Ja, jedoch nur zum Eigenbrauch und auch nur wenn man mindestens 18 Jahre alt ist. ,,Der private Kauf, Import und Besitz und die Nutzung beschlagnahmter Spiele ist nicht strafbar?, meint Janine Smitkiewicz. Der Zoll kann jedoch gewaltverherrlichende oder -verharmlosende Spiele beschlagnahmen, vor allem wenn man diese aus einem nicht EU-Land importiert wurden. Denn es kann sein, dass man beweisen muss, ob dieses Spiel nur für den privaten Nutzen gedacht ist. Sollte man mehrere Exemplare eines Spiels zu Hause haben, dass beschlagnahmt wurde, könnte man durch Vorratshaltung großen ärger bekommen.

Darf ich ein beschlagnahmtes Spiel verkaufen?

Lieber nicht, denn man müsste sicher gestellt haben, ob der Käufer das Spiel nicht verboten verwendet und das kann man einfach nicht vorhersagen. Händler dürfen beschlagnahmte Spiele auf keinen Fall verkaufen.

 

Warum dürfen Spiele eigentlich keine Nazi-Symbolik zeigen, Filme aber schon?

Auch bei Filmen ist es nicht einfach so erlaubt. Die Erlaubnis für Nazi-Symbolik bekommt man nur, wenn man die Sozialadäquanz-Klausel erfüllt. Da heißt, wenn es der staatsbürgerlichen Aufklärung und der Kunst zu gute kommt. ,,Spiele gelten dagegen gemeinhin als reine Unterhaltung”, erklärt Dr. Andreas Lober. Zwar könnte der Spielehersteller darüber mit dem Gericht streiten und möglicherweise sogar gewinnen, doch bis zum Abschluss des Prozesses, ist das Spiel wieder zu alt. ,,Für mich ist ein 80 Stunden dauerndes Spiel im Zweifel künstlerisch wertvoller und im Einzelfall sogar eher zur Aufklärung geeignet als etwa ein Indiana-Jones-Film, in dem Harrison Ford bösen Nazis Saures gibt”, ist Stephan Mathé´s Meinung.

Die Akzeptanz von Spielen nimmt mehr und mehr zu, so könnte es sein, dass es irgendwann mal völlig andere Gesetze geben wird. Ich hoffe euch hat der zweite Teil gefallen und ihr seit jetzt um einiges schlauer in Hinsicht der Rechte der Spieler. Wer den ersten Teil verpasst hat, sollte ihn hier einfach nachlesen. Eine weiter Reportage erscheint vermutlich am 08.November.

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