Ghost Recon: Future Soldier Test – Die Geister, die Ubisoft rief

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Wohin bloß mit dem guten, alten Taktik-Shooter? Der Erfolg von “Call of Duty” und “Battlefield” scheint zumindest den Publishern die Richtung zu diktieren. Wer die Massen erreichen will, der sollte ein schlankes, zugängliches und möglichst spektakuläres Produkt auf den Markt werfen. Zu viel Taktik und Realitätsnähe verscheuchen den modernen Shooter-Kunden nur – so könnte die Lektion der letzten Jahre lauten. Was allerdings dabei herauskommt, wenn man eine ehemals anspruchsvollere Serie auf eine formelhafte Entschlackungskur schickt, das zeigte im vergangene Jahr das ziemlich miese “Operation Flashpoint: Red River“. Ob auch “Ghost Recon: Future Soldier” dieses Schicksal teilen wird und ob die neue Action-Direktive der verdienten Taktik-Reihe einen Gefallen tut, erfahrt ihr unserem Test.

Über die Handlung von „Ghost Recon: Future Soldier“ konnte man im Vorfeld der Veröffentlichung nicht viel erfahren. Ubisoft Paris hielt sich bezüglich des neusten Abenteuers der fiktiven US-Special Forces-Einheit seltsam bedeckt. Offiziell hieß es: Eine dreckige Bombe löscht ein gesamtes Ghost Team aus und ein zweites Team wird damit beauftragt, den Herkunftsort der Bombe ausfindig zu machen. Nachdem wir die Kampagne von „Ghost Recon: Future Soldier“ durchgespielt haben, wissen wir nun endlich, worum es im aktuellen Teil der Reihe wirklich geht: Eine dreckige Bombe löscht ein gesamtes Ghost Team aus und ein zweites Team wird damit beauftragt, den Herkunftsort der Bombe ausfindig zu machen.

Spaß beiseite – die Handlung saugt!

Ok, Spaß beiseite, denn besonders lustig ist die erzählerische Einfallslosigkeit, die sich in den letzten Jahren viel zu oft hinter dem Tom Clancy-Label verbarg, nun beim besten Willen nicht. Auch die Story von „Ghost Recon: Future Soldier“ besteht im Grunde nur aus einer hektisch zoomenden Weltkarte, über die irgendein harter Hund von Einsatzleiter etwas von unserer nächsten Mission faselt. Die Ghosts müssen in Nigeria, Pakistan, Russland und Norwegen Intel sammeln, V.I.Ps extrahieren und priorisierte Tangos ausschalten. „Ghost Recon: Future Soldier“ reiht sich mit seiner Inszenierung denkbar uninspiriert in den aktuellen Kanon der Militär-Shooter ein. Wir kennen das und haben gelernt, es als Genrekonzession zu akzeptieren.

Die Masken der Ghost schützen nicht nur vor Wiedererkennung der Feinde, sondern auch vor ihrer Charakterisierung als echte Personen.

 

Gänzlich unverständlich ist allerdings die Tatsache, dass Ubisoft nicht einmal versucht hat, die Hauptfiguren des Taktik-Shooters zu charakterisieren. Die Ghosts alias Kozak, Ghost Lead, Pepper und 30k blieben uns während der gesamten Kampagne vollkommen fremd. Sie bestehen aus einer grauen Masse von muffigen Militär-Klischees und lassen dem Spieler zu keinem Zeitpunkt die Gefahren ihres Berufes spüren. Selbst die Darstellung von Alex Mason wirkt gegen diese vier Jungs wie eine tiefgründige Charakterstudie.

Von seiner hauchdünnen Erzählebene wirft uns „Ghost Recon: Future Soldier“ sodann in ein schlichtes Missions-Briefing. Hier dürfen wir unsere Ausrüstung auswählen, die gewählten Waffen (Kinect-unterstützt) modifizieren und einen Blick auf eine nichtssagende Karte der kommenden Mission werfen. Während die angeblich 20 Millionen unterschiedlichen Waffenteil-Kombinationen im Multiplayer-Part von „Future Soldier“ durchaus ihre Berechtigung unter Beweis stellen, erwies sich dieses Menü im Solobereich als weitgehend überflüssig. Lediglich die zu erfüllenden Bonusziele sind hier mal einen Blick wert.

 

Im Koop-Modus kann Ghost Recon: Future Soldier sein Potential ausrollen.


 

Geht es dann endlich einmal los, wird vieles besser. Insbesondere das Missions-Design von „Ghost Recon: Future Soldier“ kann sich sehen lassen. Beklemmende Schleichabschnitte, dramatische Schusswechsel, situationsabhängige Sonderaufgaben und selbst Geiselnamen wurden von Ubisoft zu einem höchst abwechslungsreichen Gemisch vermengt. Oft bestimmen die vorsichtige Erkundung des Terrains, sowie das Kennzeichnen und leise Ausschalten von Patrouillen die ersten Minuten einer Mission. Dabei trumpft „Future Soldier“ vor allem dank der geflüsterten Funkkommentare unserer KI-Kollegen mit einer sehr dichten Atmosphäre auf. Das neue „Sync Shot“-Feature treibt die so entstehende Spannung dabei immer wieder auf die Spitze. Wir markieren bis zu vier Gegner und warten auf grünes Licht von unseren Mitstreitern. Erst wenn diese sich in Position gebracht haben, können wir koordiniert zuschlagen. Sinken die getroffenen Gegner dann alle gleichzeitig in Zeitlupe zu Boden, erzeugt „GRFS“ das befriedigende Gefühl echter Teamarbeit.

Das Missions-Design ist gelungen

Doch es geht auch anders. Auf Stealth-Passagen folgt immer auch das Chaos eines brachialen Feuergefechts. Plötzlich bestimmen nicht mehr Voraussicht und Abstimmung das Geschehen, sondern die schnelle Reaktion auf plötzlich auftauchende Gefahren. Diese bestehen dabei nicht nur aus heranstürmenden Gegnern, sondern werden darüber hinaus auch mal durch einen heftigen Sandsturm verschärft. Diesen Kontrollverlust inszeniert „GRFS“ ganz fantastisch.

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