Tomb Raider Preview – Ikone zu verkaufen

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A Survivor is Born – Bei Laras neuem Posterspruch war der Wunsch der Vater des Gedankens. Es geht um die Wiedergeburt einer verbrauchten Ikone und den Neubau eines überlebensfähigen Fundaments für die Zukunft der Reihe. Mit Lara will man noch viel Geld verdienen. Der zuletzt kriselnde Publisher Square Enix hat sich die Neuerschaffung der angestaubten Heldin deshalb auch ganz schön was kosten lassen. Lara wurde komplett saniert und ist kaum wiederzuerkennen. Im Frühjahr 2013 betritt sie endlich die Bühne und soll dort als verängstigte junge Frau neben Nathan Drake und Desmond Miles Platz nehmen. Ob´s für das Comeback Buhrufe oder stehende Ovationen geben wird, verrät unsere „Tomb Raider“ Preview.

Tomb Raider Preview – Ikone zu verkaufen

Die Sache mit dem Überleben könnte für Square Enix einen üblen Beigeschmack entwickeln. Mit einem verbuchtem Netto-Verlust von 53 Millionen Euro blickt man derzeit etwas angespannt auf das erste Quartal 2013. Das „Tomb Raider“-Reboot muss irgendwo zwischen “BioShock Infinite“, “Dead Space 3“, “God of War: Ascension“, “Gears of War: Judgment“ und „GTA V“ sein Publikum finden.

Als wäre die starke Konkurrenz nicht schon genug, hatte die neue Lara dann auch noch ernsthafte Kommunikationsprobleme. Erst wurden kritische Stimmen aus dem Lager der alteingesessenen Fans laut, die sich mit der weinerlichen und allzu verletzlichen Charakterisierung ihrer sonst so coolen Action-Heldin schwer taten, dann sorgte der E3-Trailer mit seiner Beinahe-Vergewaltigung auch noch für schlechte Presse. Hype geht anders.

Tomb Raider Reboot – Hype geht anders

Beim Hands-On in Hamburg ließ Square Enix nun endlich das Spiel selbst zu Wort kommen. Volle drei Stunden konnte ich mit der schiffsbrüchigen Lady Croft auf große Entdeckungsreise gehen. Drei Stunden, die wie im Flug vergingen.

Zunächst gilt es einige Entwarnungen auszusprechen. Dank Laras neuer Autorin Rhianna Pratchett (u.a. “Mirror´s Edge“) ist die unnahbare, nervenstarke Action-Überfrau, die wir zuletzt in „Underworld“ waren, tatsächlich Geschichte. Im Gegenzug bekommen wir aber einen Charakter, der viele frische Facetten ins Spiel bringt. Während meines Überlebenskampfes auf der mysteriösen Insel lernte ich eine mitfühlende junge Frau kennen, die mit ihren Herausforderungen wächst und sich den Mut wortwörtlich antrainiert. Ähnlich wie zuletzt Jason Brody in „Far Cry 3“ wird auch Lara mit einer Situation konfrontiert, der sie zunächst nicht gewachsen zu sein scheint. Doch was für Brody der Weg der Rakyat-Krieger war, ist für Lara das große Erbe ihrer Vaters Richard Croft. Auch sie wächst im Angesicht des Todes und durch die Gefährdung ihrer Freunde über sich hinaus und entwickelt sich zu der Actionheldin, die wir kennen.

Am Ende meiner Spiel-Session war Lara bereits bis an die Zähne bewaffnet und mähte in einem verlassenen japanischen Kriegsbunker dutzende Gegner mit einem Maschinengewehr nieder. „Tomb Raider“ wird trotz neuem Fokus auf Storytelling und glaubhafter Charakterisierung vor allein eines: ein Actionspiel.

Der Ablauf dieser Script-gespickten Action-Sequenzen ähnelt dabei stark jenen aus der „Uncharted“-Reihe. Crystal Dynamics setzt voll auf filmische Inszenierung. Wenn Lara also eine morsche Holzbrücke überqueren muss, wissen „Uncharted“-Spieler schon, was sie erwartet. Natürlich reißt ein Seil, natürlich zerfällt das gesamte Konstrukt in seine Bestandteile und natürlich muss sich Lara in letzter Sekunde mit einem halsbrecherischen Stunt in Sicherheit bringen. Szenen wie diese gibt es in „Tomb Raider“ zu Hauf.

Uncharted überall

Crystal Dynamics führt uns mit der Kamera dabei immer wieder ganz nah an die fantastisch animierte Heldin heran. Egal, ob sich Lara mit Pfeil und Bogen zur Wehr setzt, von Deckung zu Deckung stürzt, in einem Quicktime-Event ein Rudel Wölfe erledigt oder sich mit einem Klettereisen an einer Steilwand heraufzieht – ihre lebensechten Bewegungen lassen stets ihre Unerfahrenheit und die Dramatik der Situation erkennen.

Mit der Orientierung an „Uncharted“ kauft sich „Tomb Raider“ aber auch das Problem mangelender spielerischer Freiheiten ein. Die Action ist zwar spektakulär in Szene gesetzt, außer der Wahl der passenden Waffe und dem Suchen von Deckung gibt uns Crystal Dynamics in den linearen Kampfpassagen keine nennenswerten Gadgets oder Taktiken an die Hand. Zudem wirkten die Gegner in der gespielten Version noch etwas zu träge und unterbelichtet.

An der Schlichtheit der Action kann auch das neue Skill- und Upgrade-System wenig ändern, denn das ist eher auf die Verbesserung bereits vorhandener Spiel-Elemente, denn auf die Einführung tatsächlich neuer Fähigkeiten ausgelegt. Mit ihrem „Hunter“-Skilltree verbessert Lara zum Beispiel den Umgang mit Schrotgewehren, im „Survivor“-Bereich werden unter anderem neue Karten-Details freigelegt und Dank des „Brawler“-Baums wird Frau Croft etwas versierter im Nahkampf. Ähnlich seicht sieht es im Upgrade-System aus, welches uns Handfeuerwaffen, Bogen und Ausrüstung in Zehnerschritten optimieren lässt. Um es kurz zu machen: Die Rollenspiel- und Survival-Elemente sind in „Tomb Raider“ eine nette Dreingabe – besonders viel Tiefgang sollte man sich von ihnen aber nicht erhoffen.

Die Insel als Abenteuerspielplatz

Zum Glück hat „Tomb Raider“ über die Einführung neuer Spiel-Mechaniken die alten Stärken der Reihe nicht vergessen. Die Erkundung einer geheimnisumwobenen Spielwelt und das Lösen von Umgebungsrätseln spielen erneut eine prominente Rolle.

Insbesondere die Erforschung der frei begehbaren Areale macht bereits viel Spaß. Das Hands-On führte mich in ein abgelegenes Tal, in welchem ich Laras Mentor Conrad Roth nach einer aufregenden Fluchtsequenz in Sicherheit bringen musste. Roth ist in dieser Situation schwer verletzt. Um ihm helfen zu können, muss Lara zunächst ein paar verlassene Hütten erkunden, einen Berg erklimmen und die zuvor verlorene Ausrüstung aus einer Wolfshöhle bergen.

Diese kurzen Erkundungstouren leben vor allem von „Tomb Raiders“ toller Spielwelt und deren abenteuerlicher Inszenierung. Im genannten Beispiel trägt die Verschlechterung der Wetterlage viel zur rauen Stimmung in der an sich recht simplen Kletterpassage bei. Je höher Lara klettert, desto stärker bläst ihr der aufkommende Sturm um die Ohren. Mit Stilmitteln wie diesen lässt uns Crystal Dynamics Laras Überlebenskampf auf intensive Weise mitempfinden. Oben angekommen, gilt es dann in der unheilvollen Stille der finsteren Höhle einen Leitwolf im Quicktime-Event zu besiegen.

Wirklich Sinn machen die frei erkundbaren Hubs, die – so verspricht man uns beim Hands-on – im Verlauf der knapp 15 Stunden Spielzeit noch sehr viel größer werden sollen, aber nur für echte Achievement-Hunter und alle jene, die „Tomb Raider“ wirklich jedes Geheimnis entlocken wollen. Zwar lassen sich in diesen Arealen einige wenige Ressourcen finden, wirklich zwingend ist die lückenlose Erkundung der Hubs aber nicht.

Zur Abwechslung tragen sie allemal bei. Überhaupt scheint Crystal Dynamics großes Augenmerk auf ein abwechslungsreiches Spielerlebnis zu legen. Während sich die offenen Areale eher ruhig und besonnen anlassen, geht in den pompösen Action-Schläuchen schön die Post ab. In meinen drei Stunden „Tomb Raider“ stellte sich so ein schöner Spielfluß ein.

Ausblick

Crystal Dynamics will eine einstige Ikone der Spielekultur an eine neue Genration von Gamern verkaufen. Um das zu erreichen, hat man sich von aktuell populären Titeln inspirieren lassen. Die furiose Hollywood-Action orientiert sich an „Uncharted“, die frei erkundbaren Areale wirken wie Zugeständnisse an die „Assassin´s Creed“-Zielgruppe und Rollenspiel-Elemente braucht heutzutage ja sowieso jedes Spiel. Die neue Lara soll eben alles können.

Dass aus „Tomb Raider“ dabei kein Gemischtwarenladen erfolgreicher Spielkonzepte wird, liegt an der stimmigen Charakterisierung seiner Hauptfigur, der erstklassigen Inszenierung und der interessanten Spielwelt. Nach drei Stunden auf der geheimnisvollen Insel will ich vor allem eines: weiterspielen! Ich will sehen, wie Lara ihre Ängste überwindet, ich will wissen, was es mit dem verlorenen Königreich auf sich hat und ich will, dass Lara aus ihrem ersten Abenteuer als frischgebackene Ikone hervorgeht. Wenn „Tomb Raider“ die Qualität der ersten drei Stunden zu halten vermag, könnte das sogar klappen.

Ersteindruck: „sehr gut“

Neuigkeiten zur Tomb Raider Demo gibt es derweil noch nicht. Sobald sich das ändert, halten wir euch aber selbstverständlich auf dem Laufenden.

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2013

Weitere Themen: Tomb Raider Demo, gamescom 2013: Vorverkauf für 2014 hat begonnen, Square Enix


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