Tomb Raider Vorschau & Video – Tobi und David erleiden Schiffbruch

von

Der Lack war ab. Die Ikone Lara Croft hatte zuletzt viel von ihrer Popularität eingebüßt. Nun hat „Tomb Raider“ wieder unsere volle Aufmerksamkeit. Woran das liegt? Lara ist plötzlich Opfer, sie wirkt verletzlich, ist komplett überfordert. Entwickler Crystal Dynamics hat dem globalen Videospiel-Star alles genommen. Kein Heldenmut mehr, keine trockenen Sprüche, keine akrobatischen Sprungeilagen in John Woo-Manier. Lara ist nur noch Mensch und sie hat eine Scheißangst.

Tomb Raider Vorschau & Video – Tobi und David erleiden Schiffbruch

Zu Recht, wie sich beim „Tomb Raider“ –Event im Hamburger Hafen herausstellte. Waren es bisher in erster Linie vermoderte Tempelruinen, wilde Tiere und abgehalfterte Schurken, die der britischen Hobby-Archäologin Sorgen bereiteten, bekommt die junge Lara es im Reboot mit ganz anderen Kalibern zu tun. Nach ihrem Schiffsbruch auf einer mysteriösen Insel setzen die Entwickler sie jeder nur erdenklichen Stresssituation aus.

Hunger und Kälte stellen da noch ihr geringstes Problem dar. In den ersten Spielminuten, die man uns an diesem Nachmittag präsentierte, schlottert sich die arme Lara eine zerklüftete Steilküste entlang, um etwas Essbares und weitere Überlebende zu finden. Wir können sehen, dass es der 21-jährigen Frau richtig mies geht. Sie zittert am ganzen Leib, wirkt zögerlich und ängstlich. Crystal Dynamics hat sich Gedanken zur Körpersprache der neuen Lara gemacht und weiß diese auch technisch beeindruckend umzusetzen. Das Ergebnis ist eine ungewöhnlich hohe Identifikation mit dem Schicksal der Schiffsbrüchigen.

Lara geht´s schlecht und das ist auch gut so

Laut Brand Manager Karl Stewart ist das auch die wichtigste Grundvoraussetzung, damit das neue „Tomb Raider“ überhaupt funktioniert. Wir sollen uns in Laras Situation einfühlen, erleben was sie erlebt, fürchten was sie fürchtet. Ganz neue Töne für ein Franchise, das sich mit kniffligen Schalter-Rätseln, ausgefeilter Kletter-Mechanik und großen Brüsten seinen Ruf verdiente. Woher kommt dieser plötzliche Umschwung in Richtung Storytelling und Charakterisierung, wollten wir von Karl Stewart wissen. Der verweist auf Quantic Dreams „Heavy Rain“ und Christopher Nolans „Batman Begins“ als wichtige Inspirationsquellen für den Neustart der Serie. Emotionale Einbindung der Spieler und eine glaubhafte Legendenbildung – das sind die erklärten Hauptziele des neuen „Tomb Raider“.

Um diese Ziele zu erreichen greifen die Entwickler bisweilen zu ungewöhnlich drastischen Mitteln. Selbst vor einer angedrohten Vergewaltigung macht Crystal Dynamics nicht halt. Sie wollen Lara und damit auch uns Spielern die Angst zurückgeben. „Tomb Raider“ – so Stewart – will die Geschichte einer jungen Frau erzählen, die diese Angst mit dem Mut der Verzweiflung überkommt und am Ende über sich hinauswächst.

Noob am Feuer – Lara muss noch viel lernen.

Ok, gekauft, Mr. Stewart – doch wie passen die alten Serienmerkmale in dieses Bild? Immerhin lässt sich das minutenlange Herumschieben von irgendwelchen Blöcken nicht gerade als besonders emotionales Spielerlebnis beschreiben. Stewart sieht das genauso und erklärt, dass man sich aus genau diesem Grund von einigen Spielelementen trennen musste. Ein Befreiungsschlag, den man durch zahlreiche neue Gameplay-Mechaniken unterstreichen möchte. Die häufige Verwendung von Quicktime-Events soll die filmreife Inszenierung von „Tomb Raider“ ermöglichen, ein rudimentäres Erfahrungspunkte-System spiegelt Laras langsame Entwicklung zu einer schlagkräftigen Heldin wieder und simple Schleich- und Kletterpassagen dienen vor allem dem Erzeugen von Spannung.

Abwechslungsreich oder oberflächlich?

Zweifler könnten nun mit einiger Berechtigung behaupten, das neue „Tomb Raider“ mache irgendwie alles, aber nichts davon richtig. So fiel auch uns auf, dass die sogenannten „Open-World-Hubs“ derzeit noch etwas unverwandt neben den sehr schnellen und straff inszenierten Spielabschnitten stehen. In diesen Bereichen dürfen wir mit Lara ohne Zeitdruck auf Jagd gehen und dann am provisorisch eingerichteten Base-Camp einkehren. Außer dem Erlegen von ein paar scheuen Rehen und dem Sammeln von Bonus-XP gab es hier jedoch kaum etwas zu tun.

Offen für Neues – in den Open-World-Hubs geht Lara auf Wildfang.

Ausblick:

Doch bevor wir der neuen Lara hier vorwerfen, sie sei eine oberflächliche Göre, die vieles beginnt und nichts wirklich zu Ende führt, müssen wir sie noch etwas besser kennenlernen. Schließlich lässt sich die überaus abwechslungsreiche Mixtur aus Action, Quicktime-Events, Schleichpassagen, sowie gelegentlichen Jagd- und Kletterausflügen genauso gut als zweckdienlich darstellen. Dieser Zweck wäre dann die Erzählung einer glaubwürdigen und emotional ergreifenden Geschichte, die uns Frau Croft näher bringt als jemals zuvor. Wir finden, es wurde langsam Zeit für eine neue Lara und Crystal Dynamics scheint hier fast alles richtig zu machen.

Ersteindruck: sehr gut

Tomb Raider

Weitere Themen: Tomb Raider Demo, gamescom 2014: Das müsst ihr wissen – Tickets, Wildcards, Spiele und Termin, Square Enix


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

Anzeige
GIGA Marktplatz