Witzig nur, dass Reality Pump einfach mal das Setting komplett über den Haufen wirft. Im Hauptspiel war’s ein fieser Zauberer, der uns in ein Abenteuer um Orks, Drachen und mysteriöse Hexen gehetzt hat. Hier nun plötzlich: Piraten! Warum, wieso? Eigentlich wurscht – Piraten muss man nicht erklären. Zumal sich die Freibeuter herrlich ins bestehende Setting einfügen. Denn schon “Two Worlds 2″ bestach in erster Linie mit dem wunderbar rauen Charme der Charaktere.

An vorderster Front stehen da natürlich wir, der Held, abermals von Daniel Craigs Synchronstimme vertont, wunderbar lässig und trotzdem glaubwürdig. Hinzu kommen neue Typen, vorwiegend natürlich Piraten, wie Captain Teal, dessen ganze Erscheinung als einzige große Overacting-Bühne dient – der fuchtelt und gestikuliert in den Gesprächen, pausiert alle zwei Worte, raunt und brüllt, als gäbe es einen Drama-Preis zu gewinnen. Toll ist das, wie schon im Hauptspiel, weil man nie gewillt ist, Dialoge wegzuklicken, weil sie zu banal, zu langatmig oder unsinnig wären.

Die Story? Hach…naja, die war halt schon im Hauptspiel eher so…nebensächlich eben. Es gab keine weitreichenden Entscheidungen, keine epischen Verwicklungen, nichts, was man nicht schon zig Mal im Rollenspielgenre gesehen hätte. Aber es motivierte genug, um bis zum Ende interessiert zu bleiben. “Pirates oft he Flying Fortress” macht das ähnlich, vorbei der Einschub, samt Piraten und fliegenden Festungen irgendwie sehr gewollt wirkt. Reality Pump baut gerade zu Beginn nur wenig Spannung auf, zu wenig, als das wir wissen wollten, wie es ausgeht.


Allerdings halten die Quests bei Laune, die abermals erstklassig gelungen sind. Die kleinen Geschichten, die selbst in der dritten Nebenquest von links erzählt werden, sind oft humorig, immer gewitzt und klasse erdacht. Schon mal eine Zombiedisco besucht? Eine verzauberte Truhe über Karibikinseln gejagt? Schon mal Brot gebacken – mit einem Geist? Wahrscheinlich nicht. Das Spiel beginnt zwar mit “Bringe mir drei Mal Bärenfett”, die richtig kreativen Aufgaben überwiegen aber klar.

Reality Pump hat sich größtenteils an der Kritik des Hauptspiels orientiert und verbessert. Das Inventar zeigt nun endlich auch kleinere Symbole, endloses scrollen fällt also aus. Die Bossgegner verlangen neuerdings auch minimal mehr Taktik, wirklich einschneidend ist dies aber nicht. Armbrüste sind völlig neu, aber wie die Bögen eher unbrauchbar. Grafisch ändert sich nahezu gar nichts, allerdings kam es uns so vor, als wäre der teils immens übertriebene Überblendeffekt des Hauptspiels entschärft worden.


Was sich nicht geändert hat, sind die vielen technischen Mängel, die “Two Worlds 2″ plagten. KI-Aussetzer, maue Animationen, seltene Bugs, gelegentliche Abstürze. Nichts übermäßig dramatisches, aber der Weg in die obere Rollenspiel-Liga bleibt so leider verwehrt. Dafür ist die Spielzeit mit 12 Stunden hoch. In einer Spielwelt wie dieser, so atmosphärisch, so akribisch und detailverliebt gestaltet, verbringen wir ja auch gern unsere Zeit.

Fazit
Lange Reden können wir an dieser Stelle eigentlich auslassen: “Pirates of the Flying Fortress” ist eines dieser Add-Ons die man sicher nicht zwingend braucht, die man als Fan des Hauptspiels aber gespielt haben sollte. Die dichte Atmosphäre, die tollen Charaktere, die witzig durchdachten Quests – all das funktioniert wie im Hauptspiel hervorragend, fesselt uns für Stunden an den Bildschirm. Die Piraten-Nummer wirkt zwar irgendwie erzwungen, ähnlich wie der gesamte rote Faden des Add-Ons, aber – hey- es geht für ein paar Stunden zurück nach Antaloor, wer mag sich da schon beschweren.
83%