Uncharted: The Lost Legacy im Test – Es sind die kleinen Dinge, die zählen

Lisa Fleischer

Die Geschichte von Nathan Drake ist zu Ende erzählt. Dass das nicht gleichzeitig das Ende der Uncharted-Serie bedeutet, beweist Entwickler Naughty Dog mit dem Standalone-DLC The Lost Legacy. Und zeigt zudem, dass das neue Spiel trotz der „nur“ acht bis zehn Spielstunden vollwertigen Uncharted-Spielen in nichts nachsteht.

Zu wenig Zeit zum Lesen des ganzen Tests? Eine Zusammenfassung findest du ganz am Ende des Artikels. 

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Uncharted: The Lost Legacy – Story Trailer

Chloe Frazer, die dir sicherlich als Nathans Ex-Freundin aus Uncharted 2 und Teil 3 bekannt sein dürfte, ist auf der Suche nach dem verloren gegangenen Stoßzahn von Ganesha, dem indischen Gott und Herr der Hindernisse. Weil sie nicht die Einzige ist, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihn zu finden, und sich durch eine aggressive Rebellen-Armee bedroht fühlt, holt sie sich Nadine Ross auf ihre Seite. Die ehemalige Anführerin der Söldner-Truppe Shoreline, die ihren ersten Auftritt im letzten Uncharted A Thiefs End hatte, verlor im Anschluss dessen ebendiese Armee und versucht sie durch die Reise nach Indien wieder zurückzugewinnen.

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Die beiden Frauen könnten ähnlicher nicht sein: Sie beide sind erfahren in ihrem Gebiet, in gewissem Maße skrupellos und haben wenig Vertrauen in andere, wurden sie doch schon oft hintergangen. Auch gegenseitig trauen sie sich zumindest Anfangs nicht über den Weg, sind distanziert und schnippisch. Genau das macht sie zu einem wesentlich interessanteren und spannungsgeladenerem Duo als noch Nathan und Sam Drake.

Zum ersten Mal Erkundungsfreiheit

Schon in der ersten Stunde gelingt es Chloe und Nadine, ein wichtiges Artefakt, dass sie auf ihrer Suche nach dem Stoßzahn weit nach vorne bringt, vom Rebellen-Anführer Asav zu stehlen. Mithilfe der kleinen goldenen Scheibe finden sie im indischen Dschungel uralte Bauten, die es zu aktivieren gilt. Während das restliche Spiel weitestgehend linear ist, erkundest du das Dschungel-Gebiet völlig frei und kannst sogar eine große Nebenquest absolvieren.

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Wie in Uncharted 4 bewegen sich Chloe und Nadine dabei meist mit einem Geländewagen fort, der das Vorankommen nicht nur maßgeblich beschleunigt, sondern an so mancher Stelle sogar zum Lösen der doch weitaus kniffligeren Rätsel dient. Natürlich wird auch wieder viel geklettert, Chloe erreicht gefühlt sogar höhere Ziele als noch Nathan in Uncharted 4. Aber auch neue Mechaniken haben sich die Entwickler einfallen lassen: So kann Chloe eine Haarspange zum Knacken von Schlössern benutzen.

Vorteile für Schleicher

Das hilft ihr nicht nur bei den zahlreichen Knobeleien, sondern sogar im Kampf. So können bestimmte Gegner nur mit Waffen besiegt werden, die Chloe in geknackten Kisten findet. Aber auch besonders wertvolle Pistolen und Gewehre erhältst du nur dann, wenn es dir gelingt, bestimmte Schlösser zu öffnen. Genau auf diese Art finde ich auch meine Lieblingswaffe aus The Lost Legacy: Die Pistole mit Schalldämpfer. Denn auch, wenn ich im neuen Uncharted-Spiel im Schleichmodus immer noch keine Gegner zu mir her locken kann, kann ich so doch unbemerkt Gegner ausschalten, die sich nicht in meinem nähren Umfeld befinden.

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Ebenfalls sehr hilfreich im Kampf: Nadine. Während Chloe im Zweikampf mehrmals auf Gegner einschlagen muss, bis sie endgültig zu Boden gehen, braucht die kampferfahrene Söldnerin nur wenige Schläge, um ihr Ziel überwältigen zu können. Und anders als noch Sam in Uncharted 4 geht sie völlig selbstständig auf Gegner los, während du noch an anderer Stelle beschäftigt bist.

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Es sind die kleinen Dinge

Doch auch, wenn sich die Entwickler einige Neuerungen haben einfallen lassen: The Lost Legacy ist im Prinzip nichts anderes als Uncharted 4 mit frischen Protagonistinnen und einer offeneren Welt. Die Kämpfe, die obligatorischen Kletterpassagen und sogar einige Rätsel stammen eins zu eins aus Uncharted 4. Und sogar der Ablauf der Geschichte erinnert, ohne hier zu viel verraten zu wollen, an so manch anderen Teil der Serie.

Das ist aber auch gar nicht so schlimm, sind es doch viel mehr die kleinen Momente und unterhaltsamen Dialoge, die The Lost Legacy zu einem so besonderen Spiel machen. So hat Chloe zwar kein Tagebuch wie Nathan Drake, dafür kann sie mit ihrem Smartphone Fotos von ihren Abenteuern machen. An einer Stelle schnappt sich Nadine das Handy, damit Chloe mit auf dem Bild sein kann, und gibt ihr dann auch noch Anweisungen, wie sie auf dem Foto noch besser aussehen kann.

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Das lockert die sonst so angespannte Suche nach dem Schatz etwas auf und gibt den beiden sonst so toughen Frauen mehr Charakter. Natürlich ist das längst nicht die einzige kleine Geste oder Situation, die das Spiel auflockert. Findet The Lost Legacy doch in weiten Teilen im Dschungel statt, begegnet mir so manch bunt schillernder Papagei oder kleiner Affe, der an Stangen schaukelt, an denen ich mich in der nächsten Sekunde entlanghangeln werde.

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Mein Test-Fazit zu The Lost Legacy: Alles gleich und doch so anders

Vielleicht ist The Lost Legacy gerade mal ein weiterentwickeltes und in einem anderen Setting spielendes Uncharted 4, hat das Spiel bis auf ein paar Innovationen hier und da doch insgesamt nicht viel Neues zu bieten. Dass das aber auch gar nicht das Ziel von Naughty Dog war, merkst du schon an dem Preis des Spiels, kostet Uncharted: The Lost Legacy doch schon zum Release „nur“ knapp 43 Euro.

Dafür bekommst du eine kurze, aber Uncharted 4 in nichts nachstehende Story mit ordentlicher Action und flüssigem Gameplay geboten. Gekrönt wird das Ganze von den kleinen, liebevollen Momenten, die den beiden neuen Hauptcharakteren nicht nur Persönlichkeit geben, sondern meines Erachtens nach den ganzen Charme des Spiels ausmachen.

Uncharted_The_Lost_Legacy_Test_Wertung

Wird dir gefallen, wenn du auch schon Uncharted 4 geliebt hast, starke Frauen klasse findest und mit den kleinen Dingen und Momenten des Lebens etwas anfangen kannst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du von The Lost Legacy Innovationen erwartest, Schlauchlevel langweilig findest und dir acht bis zehn Stunden Spielzeit für knapp 43 Euro viel zu wenig sind.

Wertung

9/10
Getestet von Lisa

Mit The Lost Legacy beweist Naughty Dog, dass Uncharted nicht auf Nathan Drake angewiesen ist, sondern auch wunderbar mit Frauenpower an der Spitze funktionieren kann. Unterstrichen wird das Spiel von malerischen kleinen Momenten, die The Lost Legacy erst so besonders machen. So kann es gerne weiter für die Serie gehen.

Weitere Themen: Uncharted, Sony

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