Wie zwei Engel sehen sie auf der Bühne aus. Die blonden Zwillingsmädchen Lamb und Lynx Gaede tragen Zahnspange und Smiley-Shirts. Violinen- und Gitarrenklänge begleiten ihre zarten Stimmen. Das junge Publikum der Band “Prussian Blue” ist begeistert. Eigentlich die idealen Kandidatinnen für den Disney-Club-Gesangscontest, doch der Schein trügt.

Konzentriert man sich genauer auf die Texte, erinnern die Mädels an eine Horror-Ausgabe der Olsen-Twins: “Aryan man awake / How much more will you take / Turn that fear to hate / Aryan man awake”
Zu Deutsch: “Arier erwacht / Wie viel wollt ihr euch noch gefallen lassen / Verwandelt eure Angst in Hass / Arier erwacht”
In dem Song “Sacrifice” loben sie Rudolf Hess, Hitlers Stellvertreter, als “einen Mann des Friedens, der nicht aufgab”. Auch ihre T-Shirts sind alles andere als harmlos: Die Happy-Hitler-Smileys tragen Führerbärtchen und gescheitelte Frisur.

Kinder, die softe Folksklänge säuseln – ein schlechter Scherz? Nein, eher eine Einstiegsdroge für spätere Neonazis, wie die “Süddeutsche Zeitung” schreibt. Erich Gliebe, Manager der Plattenfirma Resistance Records und Vorsitzender der rechtsextremen National Alliance (NA), möchte mit den Mädchen Nachwuchs rekrutieren. Das Alter von elf oder zwölf Jahren sei perfekt, um Kinder auf eine “starke rassistische Persönlichkeit” vorzubereiten, sagt er. Gliebe rechnet fest damit, dass die Fans von “Prussian Blue” später auf härtere Kost umsteigen. Denn solche Bands sind bei seiner Firma ebenfalls unter Vertrag.