kolumne cw1 - Kolumne: Warum Warcraft III ein Problem hat

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(cw) bisher fandet Ihr auf der -Seite vor allem Sendungsnews, viele Infos zu unserem Events, Videos und so weiter. Heute sehe ich mich erstmalig, vielleicht nicht zum letzten mal, genötigt aus einem anderen Grund in die Tasten zu hauen. Warcraft III hat ein Problem und ich sage Euch welches.

kolumne cw1 - Kolumne: Warum Warcraft III ein Problem hat

Seit einem Jahr moderiere ich nun für und Warcraft III-Spiele, habe es bereits vorher für ESL-TV getan und ich habe viele Spieler kommen und gehen sehen. Ich gehörte zu Reign of Chaos-Zeiten zu den bekannteren Spielern, war Team Manager des Team-Germany, habe mit meinen Shoutcasts Hunderte unterhalten bevor auch nur an die Entwicklung von waaaghtv gedacht wurde und man möge mich für eingebildet halten: Ich glaube, ich kenne dieses Spiel verdammt gut. Darum nehme ich mir heraus festzustellen, dass Warcraft III ein großes Problem hat.

Der letzte Patch wurde vor den Battle.net Season 4 Finals veröffentlicht, aber er enthielt keine direkten Änderungen an den vier Rassen, sondern behob lediglich den großen Vorteil, den ein Orc gegen einen Human hatte, wenn er auf bestimmten Karten ein Lightning Shield fand. Am Spiel selber hat das meiner Meinung vor allem zwei Dinge geändert:

- Die betreffenden Karten sind besser ausbalanciert und
- es gibt noch weniger Überraschungen.

Mit Freuden erinnere ich mich an die Gefühle des Moderators vor dem Creep an den Stellen, wo bekanntermaßen Items fielen, die ein Spiel entscheiden können. Spannung bis zum letzten Trefferpunkt und dann…
“Ahhhhh, nur ein Circlet of Nobility. Auch ein schönes Item, aber er hätte sich natürlich mehr über Lightning Shield gefreut”

Natürlich haben wir uns über die Imbalance beschwert und natürlich haben sich die Spieler geärgert, denn es war so, dass eine Rasse besonders von diesem Item betroffen war. Ich war froh über die Änderungen des letzten Patches, doch je länger er nun gespielt wird und je mehr Topturniere stattfinden, desto mehr wird mir mein Irrtum deutlich und ich bin willens meinen Fehler einzugestehen. Richtig ist, dass keine Rasse bevorzugt sein darf, weder durch eine Item, eine Map oder eine besonders starke Einheit. Falsch war das Balancing nicht, aber falsch war es zu glauben, dass mit dem Verschwinden solcher Items die Spiele enger, ausgeglichener und somit spannender werden.

Das Gegenteil war der Fall. Je mehr Unwägbarkeiten entfernt wurden, desto mehr rückten die reinen Strategien in den Vordergrund und hier offenbart sich ein Teil des Problems. Die Strategien scheinen derzeit ausgesprochen festgefahren zu sein.

Warum ich das alles schreibe? Weil, meiner Meinung nach, das Problem nicht mehr nur im Balancing liegt. eSportler haben eine Bringschuld. Diese ist keine Geringere als zu unterhalten. Ich rufe Blizzard nicht dazu auf, dies durch weitere Patches zu ändern, denn ich glaube (noch) daran, dass die Schuld bei den Spielern liegt. Kreativität und Risikobereitschaft sind gefragt.
Neues ausprobieren und eventuell auf die Nase damit fallen, das wollen wir sehen! Wir haben so vieles kommen und gehen sehen. Orc-Tower, Masscaster, Armeen nur aus Bäumen bestehend und vieles mehr. Doch es dauerte nie lange, bis jemand mit etwas Neuem kam und alle verblüffte mit seiner Idee, die ebenso erfolgreich wie innovativ war.

Ich appelliere an allen Untoten, die sich nicht gegen Orc durchsetzen können; an alle Nachelfen, die einen Human-Tower nach dem anderen in ihrer Base finden; an alle Orcs, die ihre Helden ein ums andere mal in die Luft geschleudert vorfinden: Spielt mit Necromancern, Banshees, Faerie Dragons, Glaive Throwern, Shadowhunter als First-Hero oder mal ein Pitlord? Probiert alles aus und versagt von mir aus kläglich. Ich will mich nicht damit abfinden, dass die derzeitigen Strategien die finalen sind, denn ich finde sie und damit kommen wir zu dem Grund, warum dies überhaupt ein Problem darstellt, derzeit nicht schön anzusehen.

Warcraft III ist eSport und als solcher muss er auch unterhalten. Er ist auf kurze Zyklen zwischen neuen Strategien angewiesen, sonst wird er über kurz oder lang langweilig. Noch ist es nicht soweit, noch können uns geniale Aktionen begeistern, doch es können nicht immer nur Grubby, ToD und Lucifer spielen. Auch Fisch versus Lash muss spannend sein!

Die Spieler sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Es gab und gibt bessere Fußballspieler als Uli Stein, Steffen Freund oder Anthony Yeboah und doch sind sie unvergessen und wurden bejubelt von ihren Fans. Der Grund war, dass sie verstanden hatten worum es geht. Sport – auch eSport – ist Siegen, Kämpfen und eine große Show. Nur wer alle drei Teile gleichermaßen verkörpert wird auch noch über seine Zeit hinaus bekannt bleiben. Ein mTw-Tak3r oder SK-Madfrog hatten dies verstanden. Ein Miou wächst langsam in diese Rolle hinein – das ist schön zu sehen. Noch heute zieht ein Spiel von Elakeduck mehr Leute an als manch anderes und ich verstehe wieso, so sehr er einen Moderator zur Verzweiflung treiben kann.

In diesem Sinne ein letztes mal: Für mehr Mut und Kreativität im Spiel und nicht zuletzt außerhalb des Spiels, damit unser Sport als solcher weiter existieren kann. Für zufriedene Fans und Zuschauer, Moderatoren und Investoren.

Weitere Themen: WarCraft 3: Reign of Chaos Demo, Activision Blizzard

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