Tobi in China - Ein erstes Lebenszeichen

Leserbeitrag
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Zunächst ist da ein vager Gedanke, eine flüchtige Idee. Er kommt, dann ist er wieder fort. Er kehrt zurück, hinterlässt ein leichtes angenehmes Kribbeln, und das geschieht immer häufiger und in immer kürzeren Intervallen. Irgendwann merkt man, wie er sich zu einem festen Vorhaben mausert, von einem Besitz ergreift. Und schließlich ist man gefangen von der Idee. Die Planung kann beginnen. So oder so ähnlich beschrieb der Survivalkünstler Rüdiger Nehberg die Ursprünge des persönlichen Abenteuers.

Vorwort

Ein guter Freund von mir ging bereits im September 2006 nach Zhengzhou, einer Stadt, die neben ihren herausragenden Textilien auch für den Kampfsport berüchtigt ist. Die Gelegenheit packte er beim Schopfe und besuchte ein traditionelles Shaolin Kloster. Es ist aber längst nicht mehr so mythisch wie in Karate Kid, versicherte er mir. Fast überall im Land ist die neue Zeit eingeläutet worden und 400 Dollar pro Monat wandern über den Eichentisch in die Hände eines lächelnden Buddha-Imitators. Anfangs berichtete er mir, abgeschottet von der Menscheit, alle zwei Monate von seinen Erlebnissen. Zwar wäre es sehr schmutzig, laut und durchgedreht, dennoch möchte er nicht mehr weg. Auf die Frage “Wieso?”, erzählte er mir schwärmend von der Schönheit des KungFu´s und vergaß nicht die chinesische Mentalität zu erwähnen, erst da kam ich ins Stutzen. Vielleicht trägt eben diese dazu bei, dass die Progamer SaSe aus Schweden oder ToD aus Frankreich, ihren Aufenthalt in China so genießen. In Interviews wird nur lobend von ihrer Lebenslage berichtet. Doch was ist diese Mentalität und was macht China noch aus? Was ist es, für das viele Chinesen einerseits beneidet und andererseits verächtet werden? Nicht nur für die einzelnen Spieler, sondern auch für Teams, Ligen und Organisationen, die immer mehr nach Osten zu schielen beginnen.

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Besonders die Disziplinen Counter-Strike und WarCraft III haben den Durchbruch geschafft. Ganz im Gegensatz zum Nachbar Korea, in dem immer noch StarCraft die Medien dominiert. Kürzlich berichtete das Print-Magazin eGames in einem ganz netten Artikel “Goldrausch im Fernost” über das Phänomen, dass längst alltäglich zu werden scheint. Doch ich möchte mich jetzt selbst von meinen Vorstellungen entweder überzeugen oder widerlegen lassen. Eine journalistische Exkursion beginnt, die es in dieser Form im eSports noch nicht gegeben hat.

Damit Ihr eine bessere Vorstellung von dem habt, was Euch im Laufe meiner Reise erwarten wird, nehme ich ein wenig des Programms vorweg: Zunächst bin ich für knapp drei Wochen in Peking. Dort leben seit einiger Zeit die Europäer 4K.ToD und mouz.SaSe. Aber auch das bekannte Team wNv schlugen ihre Zelte auf. Mit ihnen der deutsche Teammanager Andreas ‘kuchi’ Kuchheuser, der für drei Monate nach China ging, um sein Team während der WC3L zu begleiten. Am Ende belegte man, trotz großer Widrigkeiten mit dem Internet, einen erfolgreichen fünften Platz. Darüber Hinaus erwarten Euch viele Geschichten aus dem Leben, große Turniere, Überraschungen und ein Stelldichein mit der PGL und ESL China.

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Im Anschluss geht es weiter nach Shanghai. Die große Handelsstadt ist auf der ganzen Welt für jeder Art technologischer Besonderheiten und wirtschaftlicher Transaktionen gefragt. Dadurch wird sie auch für viele eSports-Firmen unumgänglich. TV-Sender wie GamesTV, NeoTV oder PLU konkurrieren um den Markt und das chinesische WarCraft-Portal “Replays.net” expandiert von Tag zu Tag. Auch das erfolgreiche WC3-Team World Elite zieht Anfang August von Xi´an zu seinen Partnern nach Shanghai um und neben vielen Specials zum Team, werde ich auch hinter den Kulissen recherchieren. Ein weiteres Highlight stellt dann sicherlich der Besuch bei den Stars War Finals vom 12.-15 Juli dar, dem größten chinesischen WarCraft-Event schlechthin. Im Anschluss führt die Reise nochmal zurück nach Beiing, um ein Special über das selbst ernannte ‘Beijing eSports Team’ zu drehen, dass unlängst die Qualifikation zur kommenden WC3L Season perfekt machte. Als wenn das nicht alles wär, trekke ich noch für einige Wochen bis zum Start der Games Convention quer durchs Land. Mit Bus, Bahn, Flieger, Fahrrad oder zu Fuß.

Ziel meiner Reise ist neben den Berichten und Fotos eine vollständige Dokumentation über die Entwicklung des chinesischen eSports. Deshalb werde ich auch viel mit der Kamera unterwegs sein und Euch am Ende meiner Reise ein hoffentlich tolles Werk präsentieren können. So, genug geredet, es wird nach zwei Monaten Vorbereitung Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen.

Weitere Fotos von Tobi aus China findet ihr in unserer Gallery

Weitere Themen: WarCraft 3: Reign of Chaos Demo, Activision Blizzard

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