Watch Dogs: Die einzige Überraschung der E3 2012 ist eine echte

von

Es passiert so gut wie nie – doch wenn es passiert, dann sitzt es auch. Die E3 2012 hat ihre erste (und wahrscheinlich einzige) Überraschung. Mit „Watch Dogs“ stellte Ubisoft gestern auf seiner Pressekonferenz eine ganz neue IP vor. Für die großen Publisher ist das dieser Tage ein echtes Novum. Schließlich sahen wir am gestrigen Abend mal wieder fast nur Fortsetzungen etablierter Marken. Nicht so „Watch Dogs“ – neues Szenario, neuer Held, neue Ansätze. Doch das Beste an diesem futuristischen Open-World-Spiel: Es ist nicht nur frisch, sondern sieht auch noch extrem vielversprechend aus.

Watch Dogs: Die einzige Überraschung der E3 2012 ist eine echte

Die Prämisse ist so schlicht wie ergiebig. Als Spieler erhalten wir die Kontrolle über eine ganzen Stadt. Genauer gesagt, die gesamte technische Infrastruktur von Chicago. Alles was in irgendeiner Form computergesteuert wird, unterliegt in „Watch Dogs“ unserem Willen.

Wer sich ein bisschen für moderne Computertechnologie interessiert, der weiß, dass das in modernen Städten so ziemlich alles ist. Die so genannten IT Service-Management-Systeme übernehmen mittlerweile einen Großteil unserer städtischen Verwaltung: Energie, Verkehr, Wasser, Überwachungskameras und selbst das Gesundheitswesen stehen zunehmend unter der Kontrolle von Computern. Eine Realität, die „Watch Dog“ in sein glaubhaftes Zukunftsszenario weiterentwickelt.

Im Spiel heißt die Software, die für die Koordination einer ganzen Stadt verantwortlich ist ct-OS. Entwickelt und kontrolliert wurde das System von privaten Unternehmen. Die sind aber nicht nur an reibungslosen Stadtverwaltung interessiert, sondern sammeln mit ct-OS fleißig Bürgerdaten. Aufenthaltsorte, Telefongespräche, Konsumverhalten, Surfgewohnheiten – „Watch Dog“ nimmt die aktuelle Debatten um Datenkraken wie Google und Facebook geschickt in sein Szenario auf.

Womit wir auch schon bei der eigentlichen Handlung von „Watch_Dog“ wären: Dem Missbrauch dieser Software. Neben den Profitinteressen und Allmachsphantasien der Konzerne, scheint das ct-OS-System im Spiel auch durch Hackerangriffe gefährdet. Wie genau der Protagonist letztlich in diese Machtverhältnisse eingesponnen ist, verriet uns die E3 Demo noch nicht. Mit seinem hochgeschlagenen Kragen und dem tiefsitzenden Basecap scheint Aiden Pearce, so der Namen des geheimnisvollen Watch Dogs-Helden, aber sehr darauf bedacht zu sein, bei seiner Mission möglichst wenig aufzufallen. Das Ziel dieser Mission hört auf den Namen Joseph Demarco, einen stadtbekannten Philanthropen und Unternehmer, den die Hauptfigur auf einer Ausstellung für digitale Kunst vermutet. Erste Hintergründe zu Joseph Demarco und dessen Rolle in „Watch Dogs“ wurden kurz nach der Pressekonferenz auf einer Teaser Seite zum Spiel veröffentlicht.

Wenngleich man uns noch nicht all zu viel über die Handlung verriet, so ließ die Demo bereits zahlreiche Gameplay-Elemente erkennen. „Watch Dogs“ funktioniert dabei weitestgehend wie ein  klassisches Open-World-Spiel, „übergibt den Spielern aber die Kontrolle über eine komplette Stadt“, so Jonathan Morin, Creative Director bei Ubisoft. „In Watch Dogs kann alles, was direkt mit dem zentralen Verwaltungssystem der Stadt verbunden ist, zur Waffe werden. Wir haben die Grenzen des Machbaren erweitert und sind so in der Lage, dem Spieler Action und Möglichkeiten der Informationsbeschaffung zu bieten, wie er sie noch nie in einem Videospiel erlebt hat.“

Der Protagonist  hat über ein Kreismenü Zugriff auf das ct-OS-System. Neben Ablenkungsmanövern durch das Stören von Handynetzen, stehen zum Beispiel die Manipulation von Ampeln, sowie die Kontrolle über U-Bahn Züge auf dem Programm. Mit Hilfe von Kontext-Anzeigen lassen sich sogar die Daten der Personen in der näheren Umgebung auslesen. Hier wird das bedrückende Szenario von „Watch Dogs“ voll ausgespielt. Wir erfahren nämlich alles über diese Menschen. Von ihrem Jahresgehalt bis zur HIV-Infektion lässt sich mit ct-OS-System alles herausfinden. Im Verlauf der Demo wird dieses Wissen verwendet, um über eine von Pearce überwachte Person in an Joseph Demarco heranzukommen.

.

Was folgt, verlässt zwar den Boden der innovativen Ansätze in „Watch Dogs“, beeindruckt aber aufgrund einer gekonnten Inszenierung nicht weniger. Die Schusswechsel in diesem Spiel sehen einfach klasse aus! Doch bevor uns die „Watch Dogs“ Demo in das Reich der wachsenden Wissbegierde entlässt, hat Ubisoft noch ein richtig fettes Ausrufezeichen an den Schluss gesetzt: „Watch Dogs“ scheint einen unkonventionellen Koop-Modus zu enthalten. Was ist mit dem auf sich hat, können wir nur vermuten. Wünschen würden wir uns zum Beispiel Kooperationsmodelle im Stile von „Journey“ oder „Dark Souls“.

Ansonsten scheint „Watch Dogs“ schon jetzt an einer Wunschliste für ganz große Spiele zu arbeiten. Das interessante Szenario, die neuen Gameplay-Ansätze und die bahnbrechende Grafik dürften diesen Titel zum wahrscheinlich heißesten Kandidaten der E3 2012 machen. Die bisher einzige Überraschung der E3 2012 ist zum Glück auch eine echte.

Bilder


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

Anzeige
GIGA Marktplatz