Klebriger Bauspaß: Klecksen mit World of Goo

Tizian Nemeth

Wer als Kind gerne Kleckerburgen aus Wasser und Sand gebaut hat, dem dürften geometrische Formen aus klebrigen Tropfen heute gerade recht kommen: “World of Goo” ist ein Puzzle-Spiel, in dem man kleine klebrige Lebewesen rettet, die Goo-Balls.

WorldGooTeaser
Das Spielziel ist einfach: Die Goo-Balls müssen ins Abflussrohr. Da jedoch fangen die Schwierigkeiten schon an: Vor dem Ausgang aus dem Level erstreckt sich eine schier unüberbrückbare Leere, die die Bälle mit Deiner Hilfe überwinden müssen.

Wie Blattschneideameisen erheben sich die klebrigen Goo-Balls in luftige Höhen. Sie überwinden tiefe Abgründe, hohe Berge und trotzen anderen Gefahren, die ihnen den Weg zum rettenden Ausgang versperren.
Um die Gefahren zu meistern, benötigt man  ein wenig physikalisches Verständnis und eine gute Portion Gedankenarbeit.

Der Spieler wählt mit der Maus per Drag-and-drop einen Schleimbatzen nach dem anderen aus und stapelt sie zu Türmen und Brücken. Dazu klebt man die wabernden Bälle Stück für Stück an das entstehende Geflecht. Ihre physikalischen Eigenschaften sind bereits mit im Spiel, die einzelnen Teile der Konstruktion halten adhäsiv zusammen.

WorldGooBau

Die Goo-Balls sind zwar von öliger Konsistenz, allerdings nicht beliebig dehnbar. Wie weit entfernt Du einen Ball von seinen Verwandten platzieren kannst, zeigen weiße Linien an. Dabei sollte man sein Augenmerk vor allem auf die Stabilität richten. Achtet man beim Turmbau nicht auf die Statik und verteilt das Gewicht gleichmäßig, so neigt er sich auf Grund der Schwerkraft gleich dem schiefen Turm von Pisa dem Erdboden zu und zerfällt im schlimmsten Fall.

WorldGooBridge
Bei einer Brückenkonstruktion hingegen musst Du ein seitliches Neigen bewusst herbeiführen, allerdings solltest Du dem wakligen Bau durch Querstreben zu mehr Stabilität verhelfen.

Selbst gewiefte Taktiker kommen im Verlauf des Spiels immer wieder an verzwickte Wegpunkte: Um eine Aufgabe erfolgreich zu erfüllen, muss eine festgelegte Anzahl der Schleimkugeln den Ausgang erreichen, für die Problemlösung steht deshalb nur eine begrenzte Anzahl zur Verfügung. Hat der erste Tropfen das Ziel erreicht, werden die anderen an der Rettung beteiligten Bälle eingesaugt.

WorldGooGrune
Neben schwarzen Öl-Tropfen bietet das Spiel im späteren Verlauf andersfarbige Kugeln, die sich physikalisch anders verhalten und dadurch neue knifflige Herausforderungen schaffen. Sollte Dir in der Planung einmal ein entscheidender Fehler unterlaufen, kannst Du den letzten Bauschritt rückgängig machen. Dazu muss man mit einem Klick die herumfliegenden „Knackkäfer“ zum Platzen bringen.
Im Laufe des Spiels nehmen die Bauarbeiten immer größere Ausmaße an. Damit der Architekt nicht die Orientierung verliert, weisen Schilder mit teils lustigen Bemerkungen den rechten Weg.

Rettet man mehr Goo-Balls, als vorgegeben sind, wandert der Rest in einen Pool. Aus diesem kannst Du jederzeit das Baumaterial für ein Extra-Level entnehmen und einen Schleimturm erbauen, der am besten Babelsche Ausmaße hat. Verfügt der Rechner über eine bestehende Internetverbindung, so siehst Du im Hintergrund die Bauwerke anderer Schleim-Architekten – und kannst vergleichen, wer den größeren Turm hat. Der weltweit abrufbare Online-Highscore sorgt zudem für einen indirekten Wettbewerb mit anderen. Vielleicht schaffst Du es ja, der weltbeste Goo-Stratege zu werden.

WorldGooLuftballons
World of Goo fordert den Spieler in fünf teils nervenaufreibenden Kapiteln und einer Vielzahl an Einzelmissionen. Die Steuerung ist intuitiv, ohne langes Rumexperimentieren kann man sogleich die ersten Rätsel in Angriff nehmen. Bei der Suche nach einem Ausweg kannst Du frei zoomen.
Sollte der Spieler an einer Stelle einmal nicht weiter kommen, kann er das Level überspringen und zu einem späteren Zeitpunkt erneut den Versuchen wagen. Allerdings bleibt man trotz dieser Möglichkeit nicht von dem ein oder anderen frustrierenden Moment verschont. Denn auch wenn die Lösungen einem offensichtlich erscheinen: Die unkontrolliert herumhuschenden Schleimbälle sorgen durch Gewichtsverlagerung hin und wieder für den Zusammensturz der Konstruktion.

WorldGooDali
Die Comic-Grafik erscheint auf den ersten Blick recht einfach, ist aber mit viel Liebe zum Detail entwickelt worden. Die kleinen Goo-Balls schauen mit ihren großen Augen neugierig in die Welt und quieken zufrieden, sobald man sie im Konstrukt verankert. Einige Hintergrund-Bilder erinnern an Dali und “Die zerrinnende Zeit”, die musikalisch Untermalung wird auch bei längeren Spielesitzungen nicht langweilig.
Für lange Stunden mit viel Spielspaß sorgen die Rätsel trotz mancher Schwierigkeit auf jeden Fall – so zerrinnt die Zeit und die rund 25 Euro sind eine gute Investition in kurzweiliges Freizeitvergnügen. Wer noch zweifelt, testet zunächst die Demoversion.

World of Goo-Seite – mindestens Mac OS X 10.4. – 512 Megabyte Arbeitsspeicher – 25 Euro.

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