WoW Cataclysm - Der Nachtest: Wie gut ist das Addon auf Maximalstufe?

David Hain

Gar nicht so einfach, die Bewertung eines MMOs. Die persistenten Onlinewelten stehen und fallen mit ihrer Community, mit dem Support des Herstellers und der Qualität bzw. Häufigkeit neuer Inhalte. Selten galt diese Regel so sehr, wie im Falle von „Cataclysm, dem dritten World-of-Warcraft-Addon. Seit Tag eins spaltet es die Spielerschaft  – und auch wir sind nicht gerade erfreut. Wenn man gleich 12 Millionen Mäuler stopfen muss, kann es schon mal schwierig werden, es auch noch dem Letzten recht zu machen. Wie etwa kurz nach dem Verkaufsstart der zweiten Erweiterung „Wrath of the Lich King“. „Zu einfach“, moserte ein Großteil der Abonnenten, tatsächlich stellten die schweren, heroischen Instanzen und die Raid-Dungeons selbst für spontan zusammengewürfelte Gruppen keine Schwierigkeit dar. „Super!“, jubelten die Gelegenheitsspieler, die so nicht mehr Unmengen ihrer ohnehin knappen Zeit opfern mussten, um jene Inhalte zu sehen, für die sie schließlich bezahlen. Trotzdem entschloss sich Blizzard mit „Cataclysm“ auf die Gegenbewegung zu hören: Herausfordernder sollte es wieder werden, zeitintensiver, schwerer. Und ja, das ist es. So sehr, dass selbst Wochen nach Verkaufsstart kaum eine Abenteuergruppe um einen Satz graue Haare herum kommt, weil mal wieder Fähigkeit X von Bossgegner Y unüberwindbar scheint. Gerade „Grim Batol“ und die „Hallen des Ursprungs“ strapazieren die Geduld der Spieler – zu lang, zu zäh, zu dicht besiedelt. Nun ist ein erhöhter Schwierigkeitsgrad per se ja noch nichts Schlechtes, wohl aber die Nebeneffekte, die damit einhergehen. Wer sich nämlich nicht auf eine eingespielte Gildengruppe verlassen kann, muss auf das interne Suche-nach-Gruppe-Tool zurückgreifen – und wartet als Schadensklasse dann auch gerne mal geschlagene 45 Minuten, bis eine Gruppenzuteilung erfolgt. Das wird dann besonders ärgerlich, wenn die miteinander wenig vertrauten Spieler bereits beim ersten unüberwindbaren Bossgegner entnervt aufgeben. Ein halber Abend umsonst gewartet – für Gelegenheitsspieler ein unzumutbarer Zustand.

Der Endboss in grim Batol hat es besonders in sich.
Blizzard ist hier zum Teil weit über das Ziel hinausgeschossen, die Reaktionen der Spieler schwanken entsprechend stark. Da gibt es die einen, die den Gegentrend zur Casualisierung begrüßen und harte Instanzen wollen. Die anderen hingegen, meist Gelegenheitsspieler, die abends einfach kurz ihren Spaß haben wollen, sind quasi über Nacht aus der World of Warcraft ausgeschlossen worden. In den kommenden Wochen dürfte sich dies langsam entspannen, denn mittlerweile ersetzt das allgemeine Ausstattungsniveau das fehlende Niveau der Spielergruppen. Optimal ist dieser ausgesprochen zähe Fortschritt nicht. Die begehrten epischen Gegenstände muss man sich mühsam zusammensparen oder in Raids verdienen – die man aber nur betreten sollte, wenn man sich vorher in heroischen Instanzen ausgerüstet hat. Zum Glück sind die Raids deutlich besser balanciert – der Pechschwingenabgrund und die Bastion des Zwielichts sind angenehm hart, aber fair designt.

WoW Cataclysm - Der Nachtest: Wie gut ist das Addon auf Maximalstufe?

PVP-Probleme: Absprachen, Quests nerven

Was Blizzard im PVP-Bereich abgeliefert hat, kann man indes nur – um mal im Gamersprech zu bleiben – als „Epic Fail!“ bezeichnen. Tol Barad, das Nachfolgegebiet zum offenen Schlachtfeld Tausendwinter, ist eine einzige Katastrophe. Es sieht erschreckend langweilig aus, ist umständlich und weitläufig aufgebaut, verzichtet auf neue Ideen oder Kniffe. Nebenbei darf man sich hier seine Daily Quests abholen, die allesamt völlig uninspiriert und beliebig erscheinen. Ach und unnötig kompliziert sind sie aufgrund von unfairen Spawn-Zeiten der Mobs auch noch.

Und weil das so ist, wollt's am Anfang niemand spielen. Also half Blizzard nach – legte sich damit jedoch ein richtig dickes Ei: Anfang Januar wurde die Zahl der Ehrepunkte pro Sieg kurze Zeit auf 1800 angehoben, als Anreiz. Dummerweise rechnete man nicht mit der Schläue der Community. Die sprach sich kurzerhand ab, überließ der gegnerischen Fraktion im Wechsel den Sieg und kassierte munter Punkte. Im Nu hatten beide Seiten das neue PVP-Set zusammen gespart, bevor Blizzard per Hotfix reagieren konnte, war's schon zu spät – mittlerweile hat kaum noch jemand Lust auf PVP.

Klassenprobleme, Nebenjobs und Standbilder

Wie immer von allerlei Kinderkrankheiten geplagt: die Klassen. Balancing gab es ja im Grunde nie in Azeroth, aber derzeit schrauben die Irviner für unseren Geschmack etwas zu häufig an Krieger, Magier und Co. Erstere sind seit Patch 4.0.6 (kam am Mittwoch) im PVP überhaupt nicht mehr zu gebrauchen, Druiden werden fleißig in Grund und Boden genervt und Hexer erscheinen zu übermächtig. Business as usual.

Ganz genau wie die üblichen Probleme mit Lags und Standbildern in der jeweiligen Fraktions-Hauptstadt. In Ogrimmar und Sturmwind geht auf Mittelklasserechnern meist gar nichts, schon gar nicht nach 18Uhr. Unzufrieden sind wir obendrein mit den Nebenberufen: Warum lässt sich Juwelenschleifen nur extrem zäh aufleveln? Was für einen Sinn macht die Archäologie, wenn sie aufgrund extremer Laufwege nach wenigen Minuten bereits nur noch nervt? Und warum sind bei sämtlichen Berufen die Materialanforderung derart exorbitant, dass ohne Auktionshaus oder Gildenleihgabe praktisch gar nichts mehr geht?

Sicher, „Cataclysm“ hat zahlreiche neue Inhalte implementiert. Die Überarbeitung der Spielwelt, neue Quests und Gebiete, Skills und so weiter und so fort. Aber da wo es spannend wird, im Lategame also, da hapert es derzeit noch dramatisch. Blizzard patcht derzeit fleißig nach, beinahe wöchentlich rieseln Hotfixes ins Spiel – ein Wandel ist also erkennbar.

Weitere Themen: WoW - World of Warcraft, World of Warcraft Demo, World of Warcraft - Trial downloaden, Activision Blizzard

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz