World of Warcraft: Cataclysm Test - Wie gut ist World of Warcraft: Cataclysm wirklich?

Steven Drewers

Wie sinnvoll ist eigentlich ein Test, wenn laut offiziellen Angaben zwölf Millionen Menschen dieses Planeten sowieso in den Laden stürmen und bereitwillig die Portemonnaies zücken. Braucht es da überhaupt eine Kaufberatung?

Wohl eher nicht. Werten wir dies also eher als Bestandsaufnahme: Nach sechs Jahren „World of Warcraft“, sechs Jahren, in denen die Branche komplett auf den Kopf gestellt wurde und MMOs als Zukunft der Gamingindustrie gelten, sicherlich keine schlechte Idee.

Mit „Cataclysm“ geht Blizzard nun erstmals einen anderen Weg. Statt neuer Welten (Burning Crusade) und Kontinente (Wrath of the Lich King) wird die bereits bestehende grundlegend (sprich: kataklysmisch) verändert. Jahrelang forderten Spieler die Überarbeitung der alten Inhalte – jetzt gibt Blizzard nach. Im Detail bedeutet dies: Sämtliche Zonen Azeroth werden umgestaltet, grafisch wie inhaltlich. Städte zerfallen, Flüsse trocknen aus, Schluchten überfluten. Unglaubliche 3000 neue Quests finden sich im Spiel, viele alte Aufgaben werden dafür entfernt oder ersetzt.

Nicht schlecht – es braucht schon ordentlich Eier, den längst etablierten Content mal eben einfach auszuradieren und nahezu komplett zu ersetzen. Anderseits: Viele Fans der alten Stunde dürften etwa alle zwei Minuten ihre mittelschweren bis großen Deja-Vu-Momente erleben. Denn so sehr sich Azeroth auch gewandelt haben mag, im Grunde bleibt es dieselbe „World of Warcraft“. Ganz so drastisch, wie man nach der „Cataclysm“-Ankündigung hätte vermuten können, fallen die Änderungen eben doch nicht aus.

Dafür ist der Spielfluss für Neueinsteiger so gut wie nie zuvor. Überall gibt es jetzt etwa zu tun, vieles davon macht auch tatsächlich Spaß. Passagen, wie man sie früher zum Beispiel im Ödland oder in Tanaris fand, in denen kilometerweit Leerlauf herrschte, wurden quasi ausgemerzt. In einigen Fällen gehören die witzigen, spannenden oder auch einfach mal verblüffenden Quests zum Besten, was das MMO-Genre je hervorgebracht hat. Spätestens wenn man selbst als Questgeber für vorlaute Nachwuchshelden agiert oder gar eine Tower-Defense-Variante nachspielt, leuchten selbst die abgebrühtesten Veteranen-Äuglein.

Komplett neue Inhalte gibt es natürlich auch: Zum einen wären da die beiden neuen Klassen, Goblin und Worgen, die spielerisch zwar keinen frischen Wind verbreiten, dafür aber zwei exzellente Startgebiete im Gepäck haben. Ganz ehrlich: Was im Blizzard in den Goblin-Zonen „Kezan“ und „Die verlorenen Inseln“ an Einfallsreichtum und Spielwitz abfeiert, passt auf keine Kuhhaut. Die Quests in Gilneas, dem Worgengebiet, fallen dagegen zwar etwas ab,

Für hochstufige Spieler wird das Maximallevel auf 85 angehoben. Um dies zu erreichen locken fünf neue Zonen, in denen die „Cataclysm“-Story richtig ins Rollen gerät. In Mount Hyjal geht's los – hier gebietet ihr an der Seite von Malfurion Sturmgrimm dem Feuerfürst Ragnaros Einhalt, versucht euch als Naturschützer und erlebt die Wiedergeburt von Halbgott Cenarius. Hyjal ist ein schönes, sehr abwechslungsreiches und vor allem flüssig spielbares Questgebiet. Vashjir, die nachfolgende Zone, hält da leider nicht ganz mit. Sicher: Die allererste Unterwasserzone ist grafisch wunderschön, hat aber immer wieder sehr zähe Segmente zu bieten. Dafür kommt hier die Story erstmals gewaltig in Fahrt.

Danach wird es in Tiefenheim richtig episch. Überall schweben dort geborstene Felsen in der Luft, luminiszierende Steine tauchen die Höhle in ein schummriges Licht – atmosphärisch und grafisch stellt dieses Gebiet alles Bisherige in Azeroth locker in den Schatten. Weniger gut hat uns Uldum gefallen – was aber größtenteils am stark ägyptisch geprägten Design liegt, das Questdesign bleibt hingegen auf hohem Niveau. Im Schattenhochland, dem letzten neuen Gebiet, wird es dann handlungstechnisch noch einmal richtig spannend, auch wenn die optisch eher gewöhnliche Zone als Abschluss recht unspektakulär wirkt.

Die neuen Instanzen und Raids sowie deren Bosse aufzuzählen, würde an dieser Stelle wahrscheinlich den Rahmen sprengen, daher nur so viel: Endlich zieht der Schwierigkeitsgrad wieder an, ohne den gemeinen Casual-Spieler zu überfordern. Vor allem die nahezu verloren geglaubten Crowd-Control-Taktiken ziehen wieder in den Kampfverlauf ein – einfach draufstürmen und zuhauen läuft also nicht mehr.

Und sonst? Besonders gefallen hat uns das neue Gildenlevelsystem – wer im Verbund spielt, freut sich künftig über passive Boni. Der frische Beruf Archäologie ist hingegen nicht mal als eine dröge Dreingabe, die erstens nur wenig Spaß bringt und zweitens maximal für Achievementjäger interessant sein dürfte. In Punkto PVP bleibt alles beim Alten – will heißen: Sonderlich gelungen ist das System immer noch nicht. Dafür kommen neue Battlegrounds. Großartig gelungen ist abermals der Soundtrack, dessen Tracklist so virtuos zwischen Jazz oder pompöser Klassik wechselt, dass man sich immer wieder dabei ertappt, die Lautstärke nach oben zu regeln.

Fazit: Ihr questet euch seit Jahren begeistert durch Azeroth, opfert Stunde um Stunde für den letzten Erfolg im schwersten Raiddungeon des Spiels oder plaudert mit Freunden in einer der Hauptstädte am Lagerfeuer? Dann holt ihr euch „Cataclysm“ doch sowieso. Und werdet es nicht bereuen, denn sowohl die neuen Inhalte als auch der überarbeitete Content gehören zur qualitativen Speerspitze des MMO-Genres. Ihr konntet mit WoW bisher hingegen so gar nichts anfangen? Dann dürfte sich auch jetzt nichts daran ändern. Insofern bleibt – trotz kataklysmischer Runderneuerungen – eigentlich alles beim Alten.

Weitere Themen: WarCraft, Activision Blizzard

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