XCOM – Enemy Unknown Test – Besser spät als gar nicht

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Unser Test kommt spät. Schuld sind die verfluchten Cyberdiscs. Mein Team befand sich auf einer simplen Routine-Mission. Eine Absturzstelle irgendwo in Deutschland, der außerirdische Widerstand würde kein Problem darstellen. Rein und wieder raus. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits weit über 20 Stunden in „XCOM – Enemy Unknown“ versenkt. Dann kam es zum ersten Kontakt mit den Cyberdiscs. Mein Squad war chancenlos. In der Basis warteten weitere Hiobsbotschaften. Wir hatten Ägypten und Australien verloren, der Satelliten-Uplink war nicht rechtzeitig fertig geworden und die Kassen waren leer. In diesem Moment wurde mir klar: Das XCOM-Projekt war gescheitert und es war allein meine Schuld.

Neues Spiel, neues Glück. Dass ich mehr als 20 Stunden Spielzeit ohne mit der Wimper zu zucken einfach mal eben gelöscht habe, zeigt bereits die größte Qualität von „XCOM – Enemy Unknown“. Es motiviert enorm und macht aus seinen Spielern willige Suchtpatienten.

Firaxis hat den Spielwitz des 1994er Klassikers umzingelt und dingfest gemacht. Die Gründe für diesen kapitalen Erfolg sind mannigfaltig. Ein stetig steigendender Schwierigkeitsgrad verlangt uns alles Gelernte erbarmungslos ab. Hier gibt es kein Netz, das dumme Fehler auffängt – aufpassen, anwenden, siegen. Die Wahl des nächsten Bewegungsfeldes ist dabei genauso wichtig wie die langfristige Planung der globalen Ressourcen. „XCOM – Enemy Unknown“ macht uns zu einem echten Entscheidungsträger. Niederlagen schmerzen, Erfolge fühlen sich gut an.

Fühlen ist ein gutes Stichwort

Überhaupt ist fühlen ein unerwartet gutes Stichwort für dieses Spiel. Wer hätte gedacht, dass man aus dem Genre der Runden-Strategie Anno 2012 noch so viele  Gefühlssäfte quetschen kann. Das beginnt schon bei dem fast fürsorglichen Verhältnis zu den Soldaten, die wir ins Feld schicken. Wer mit angesehen hat, wie aus dem unerfahrenen Private Soto nach und nach ein echter Anführer geworden ist, wer seinen Weg liebevoll mit den besten Waffen und Rüstungen aus der Forschungsabteilung gepflastert hat, wer mit seinem voll ausgebauten Skill-Tree etliche Mutons ins Jenseits geschickt hat, der wird – wenn es Soto dann doch erwischt – die Faust auf den Tisch schlagen und die Nachbarn mit Kraftausdrücken nerven. „XCOM – Enemy Unknown“ spielt sich mit Herz und Seele.

Firaxis sind die wohl aufregendsten Kämpfe in einem rundenbasierten Strategiespiele gelungen. Wenn das Squad unter plötzlichem Beschuss in Deckung flieht, schnell noch eine defensive Rauchbombe zündet und die Schüsse der Feinde nur knapp an den Köpfen vorbeirauschen. Wenn man mit der Assault-Klasse dann alles auf eine Karte setzt, mit ihrer „Run & Gun“-Fähigkeit aus der Deckung heraus prescht und sich bis auf wenige Meter dem Alien nährt, um diesen einen entscheidenden Schuss zu setzten – dann kulminieren komplexe, taktische Erwägungen in einem emotionalen Moment: Boom!

Viele Änderungen – zum Glück!

Natürlich wird es von Seiten der Veteranen einiges zu meckern geben. Immerhin sind die Änderungen am Original drastisch und zahlreich. Die Squads wurden verkleinert, Munition und Haltungen der Soldaten ersatzlos gestrichen, die Zahl der Basen auf eine einzige reduziert und sogar an der Struktur der Maps und dem Rundenverlauf hat man sich im Hause Firaxis vergriffen. Dazu kann ich – selbst ein Fanboy der ersten Stunde – nur sagen: zum Glück! Keiner der Eingriffe hat dem Patienten geschadet. „XCOM – Enemy Unknown“ lebt und ist unbeschadet im Jahr 2012 angekommen.

Wenn es Kritikpunkte gibt, dann beziehen diese sich auf Details. So leistet die Alien-KI zwar gute Arbeit, sie wirkt jedoch seltsam passiv. Selbst auf dem klassischen Schwierigkeitsgrad agieren unentdeckte Gegner zum Beispiel erst dann, wenn wir sie durch das Vorstoßen der eigenen Einheiten “aktiviert” haben. Hier wäre es sicherlich zweckdienlicher gewesen, wenn die KI schon auf unsere ersten Schritte auf der Karte reagieren würde. Hinzu kommt der etwas linearere Aufbau der Karten, der nach dem Verlassen des Transportschiffes grundsätzlich nur eine Richtung für den Vorstoß und das Aufdecken der Karte anbietet. Alles jammern auf höchstem Niveau versteht sich.

 

Fazit

Die Faszination von XCOM und die hohe Qualität dieser Neuauflage liegen in der Natur der Sache. Du bist der Commander einer weltweit operierenden Organisation, die eine Invasion von Außerirdischen abwenden muss. Um dein Ziel zu erreichen, führst du ein Team von internationalen Soldaten in den Krieg, beauftragst Wissenschaftler und Ingenieure geborgene Alien-Technologie zu erforschen, entsendest Satelliten und Kampfjets, um Raumschiffe abzufangen und baust dabei deine riesige, unterirdische Basis immer weiter aus. „XCOM – Enemy Unknown“ ist ein grandioser Titel, weil sich all das exakt so spielt, wie es sich anhört. Vielschichtig, fordernd und einfach total aufregend. Runden-Strategie war nie besser.

Wertung: 90% 

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