Amazon Kindle Fire HD vs. iPad 3: Game Changer oder Rohrkrepierer?

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Am Donnerstag präsentierte Jeff Bezos der Weltöffentlichkeit die neuen Amazon-Tablets. Kindle Fire HD heißen sie und ab 199 Dollar oder 199 Euro kann man im 7-Zoll-Bereich mitspielen. Nirgendwo sonst gibt es derzeit ein vergleichbares Preis-Leistungsverhältnis. Aber muss König iPad deshalb um seinen Thron bangen?

Amazon Kindle Fire HD vs. iPad 3: Game Changer oder Rohrkrepierer?

Das iPad ist bislang unumstrittener Herrscher über den Tablet-Markt. Und das trotz des recht hohen Einstiegspreises von 479 Euro. Amazon meint, nicht nur zu diesem Preis das beste Tablet anbieten zu können, sondern auch in allen anderen Preisklassen, in denen das Kindle Fire HD vertreten ist.

Klassenprimus: Amazon hat viel vor

Da wäre zunächst das Einstiegsmodell mit 7-Zoll-Display mit 1280×800 Pixel, 16 GB Speicher, Stereolautsprecher und angeblich 40% schnellerem Wi-Fi als das iPad 3 (laut Hersteller bis zu 31 MB/s). Zweifelsohne ist hier das von Asus produzierte und durch Google verkaufte Nexus 7 der erklärte Gegner. Für letzteres muss man 50 Dollar mehr auf den Tisch legen, wenn man die 16-GB-Option möchte.

Das Kindle Fire HD mit 8,9 Zoll gibt’s schon ab 299 Dollar, mit 499 schlägt die 32-GB-4G-Variante zu Buche. Bei 599 Dollar ist Schluss: So viel kostet das Top-Modell mit 64 GB und ebenfalls 4G-Konnektivität.

Auch in der Oberklasse sucht man lange nach gleichwertigen Geräten zu diesem Preis. Insbesondere sollte man sich an dieser Stelle einmal den Preisunterschied zum aktuellen Marktführer iPad 3 (Top-Modell mit 4G) auf der Zunge zergehen lassen: Stolze 230 Dollar günstiger ist das Amazon-Tablet. Das ist selbst bei einem Größenunterschied von 0,8 Zoll in der Displaydiagonale alles, aber kein Pappenstiel.

Hinzu kommt das schier unerhört günstige Angebot, mit dem Kindle Fire HD ein Jahr lang übers 4G-Netz zu surfen, gegen einen einmaligen Obolus von nur 50 Dollar. Da bleibt die Frage: Wie macht Amazon das und reicht es, um den Tabletmarkt doch noch zu erobern?

Den Markt erobern: Das Ökosystem soll helfen

In jedem Fall macht das Unternehmen eines richtig: Die Hardware, so gut sie auch sein mag, ist nur das Vehikel zum Kerngeschäft. Die Inhalte – Bücher, Filme, Musik – werden dem Käufer eines günstigen Premium-Geräts quasi untergejubelt.

Wer ein Kindle Fire HD kauft, ist sofort startklar. Das heißt, das Tablet ist direkt auf das Konto des Käufers angemeldet und dem ersten Einkauf steht nichts mehr im Weg. So geht Amazon, was die Bindung der Kunden an das eigene Ökosystem angeht, sogar noch einen kleinen Schritt weiter als Apple, denen diesbezüglich häufig ein ganz besonders starker Trieb nachgesagt wird.

Man hat keine Wahl. Jedenfalls kommt man nicht so einfach in den Google Playstore – ähnlich wie ein iPad ohne Jailbreak, könnte man sagen.

Günstig? Ja, aber wie?!

Halten wir also fest: Das Kindle Fire HD ist günstiger als iPad und Nexus 7, auch in der Version mit 8,9 Zoll und 4G-Internet. Fest steht, dass Amazon diesen Kampfpreis nur erreicht, indem es sich die Hardware querfinanziert. Eine echte Marge wird, betrachtet man die Hardware isoliert von den Inhalten, kaum übrigbleiben.

Damit ist das Kindle Fire HD trotz eines extrem niedrigen Preis kein “Game Changer” im eigentlichen Sinne. Es wird nicht den Tabletmarkt komplett aufräumen. Bedient wird eine Zielgruppe, die hauptsächlich Medien konsumiert. Es wir immer Kunden geben, die ihr Tablet nicht hauptsächlich für den Genuss von Filmen, Büchern und Musik verwenden. Die Popularität des iTunes App Store zeigt, wie wichtig eine große Vielfalt von Anwendungen für die User ist.

Diese Vielfalt kann aber der Amazon App Store gerade nicht bieten. Amazon selbst sagt nichts darüber, wie viele Apps in ihrem App Shop erhältlich sind. Was nicht gerade dafür spricht, dass es überraschend viele sind.

Jetzt fragt die Überschrift aber: “Game Changer oder Rohrkrepierer?” Wenn es nicht das Eine ist, muss es dann das Andere sein? Nein. Das Kindle Fire HD sieht, egal wie groß das Display, nach einem hervorragenden Tablet aus.

Hopp oder Topp? Irgendwas dazwischen

Amazon hat dem Android-Betriebssystem, das die Basis der Kindle Fires bildet, etwas mehr Bedienungsfreundlichkeit eingehaucht. Damit entstand, auf Kosten der Möglichkeiten zur Personalisierung, ein Mehrwert in der Benutzererfahrung. Weniger Konfigurationsmöglichkeiten bedeuten nämlich auch einen geringeren Konfigurationsaufwand für Otto Normalverbraucher. Erneut: Das kennen wir so oder so ähnlich vom Erfolgs-Vorbild Apple. Sicher werden sich eine Reihe von Kunden, vor allem solche, die ohnehin bereits häufig bei Amazon Filme, Musik und Bücher kaufen, dem Kindle Fire HD zugeneigt fühlen.

Das iPad steht aber meiner Meinung nach immer noch auf zu vielen, zu festen Beinen, als dass es einfach so umgestoßen werden könnte.

Das Kindle Fire HD mit 7-Zoll-Display wird bald auch in Deutschland erhältlich sein. Was meint ihr – ist es eine gangbare Alternative zum iPad?

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