HTC Flyer: Testbericht zum Tablet mit Stift

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Der Markt für Android-Tablets füllt sich, langsam aber sicher. Damit ein Gerät aus dem zu erwartenden Einheitsbrei heraus sticht, müssen Alleinstellungsmerkmale her. HTC setzt mit dem Flyer zum einen auf den 7 Zoll-Formfaktor und zum anderen auf den sogenannten Magic Pen — einen Stift, der den Funktionsumfang des Tablets sinnvoll erweitern soll. Wie gut diese Rechnung aufgeht, klären wir in unserem Testbericht.

HTC Flyer: Testbericht zum Tablet mit Stift

HTC begibt sich mit Babyschritten auf den Tablet-Markt. Bevor das 10 Zoll-Honeycomb-Tablet auf den Markt kommt, darf sich der kleine Bruder, das Flyer, schon mal unter das Volk mischen. Hier unsere Erfahrungen nach einer Woche intensiven Testens.

Wir bedanken uns übrigens ganz herzlich bei Notebooksbilliger.de für das Testgerät.

Hardware

Verarbeitung und Haptik

Das Gehäuse des Tablets weist das inzwischen typische HTC-Unibody-Gehäuse-Design auf, das bereits von Smartphones wie dem Legend, dem Desire HD und dem Desire S bekannt ist. Dadurch wirkt es zum einen sehr hochwertig und stabil, zum anderen wird es dadurch aber mit 420 Gramm auch ziemlich schwer. Dieses Phänomen konnten wir bereits beim Motorola XOOM beobachten, bei dem der Effekt durch den Größenunterschied aber noch stärker ins Gewicht gefallen ist. Dennoch lässt sich das Flyer dank seiner kompakten Abmessungen auch über einen längeren Zeittraum einigermaßen komfortabel in einer Hand halten. Die Plastikabdeckungen an den Gehäuse-Enden wirken allerdings etwas billig und schmälern den Gesamteindruck der sonst guten Verarbeitung leider ein bisschen.

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Ebenfalls schade ist der ziemlich breite schwarze Rahmen um das Display: Man bekommt den Eindruck, als hätte hier noch ein bisschen Platz eingespart werden und das Gerät insgesamt noch etwas schlanker geraten können. Eine gute Idee sind die Tasten (Home, Menü, Rurück sowie die Sondertaste für den Stift), die sich beim Drehen des Tablets immer am unteren Bildschirmrand befinden. Am Anfang kann es allerdings ein wenig irritieren, dass sich die Tasten nicht immer an einem festen Ort befinden — die Macht der Gewohnheit.

An den Tasten gibt es nichts auszusetzen, auch wenn sie nicht gerade den hochwertigsten Eindruck vermitteln — sie sind eher zweckorientiert. Der Power-Knopf beherbergt außerdem noch eine LED, die auf Benachrichtigungen aufmerksam macht. Allerdings ist die Position dieser LED, wie auch schon beim Sony Ericsson Xperia Play, eher unglücklich, da sie so gut wie nie auffällt, weil man sie einfach nicht sieht.

Die Lautsprecher an der Gehäuserückseite klingen gut, so lange man das Tablet so hält, dass man mit den Händen einen Resonanzkörper bildet und den Schall nach vorne umleitet.

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Display

Das 7 Zoll-TFT-Display des Flyer bietet eine Auflösung von 1024 X 600 Pixeln und macht einen soliden Eindruck. Es macht durchaus Spaß, auf dem Gerät Filme zu gucken und das ein oder andere eBook zu lesen. Vor allem das entspannte Browsen im Internet auf der Couch, unterwegs oder ganz entspannt vorm Einschlafen im Bett ist ziemlich komfortabel. Wenn man das Display aber mit anderen Geräten wie zum Beispiel dem HTC Desire vergleicht, wirkt es allerdings eher unscharf, kontrastarm und die Farben kommen eher blass rüber. Das Problem haben aber derzeit noch die meisten Tablets und es fällt auch erst im direkten Vergleich wirklich auf. Das Display hat sich in unserem Test leider als starker Magnet für Fingerabdrücke entpuppt, man sollte also immer ein Mikrofaser-Tuch bei sich tragen, da die Innenseite der mitgelieferten Tasche diese Funktion leider nicht übernimmt.

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Konnektivität

Sowohl WLAN als auch die Verbindung über 3G funktionieren beim Flyer tadellos. Das Lade- und auch das Datenkabel besitzen einen proprietären Anschluss, allerdings kann das Flyer ebenfalls mit jedem Micro-USB Kabel an den Rechner angeschlossen und darüber sogar aufgeladen werden. Leider ist die Verbindung über das USB-Kabel nicht gerade die schnellste. Beim Übertragen von Dateien schien die Verbindung immer wieder zu stocken, wodurch der Vorgang unnötig in die Länge gezogen wird.

Der GPS-Fix ist ebenfalls nicht der schnellste, bewegt sich aber im erträglichen Rahmen. Obwohl unser Testgerät über ein GSM-Modul verfügt, ist es leider nicht möglich, mit dem Tablet zu telefonieren. Ruft man das Flyer an, hört man an der Gegenstelle nur einen Besetztton. Natürlich wäre es ohnehin etwas zu groß, um es sich an das Ohr zu halten, aber beim Samsung Galaxy Tab 7 bestand zumindest die Möglichkeit, über die Freisprecheinrichtung oder ein angeschlossenes Headset Telefongespräche zu führen. Beim HTC-Flyer beschränken sich die GSM-Funktionen auf die mobile Datenverbindung und das Senden und Empfangen von SMS-Nachrichten.

Performance

Im Inneren des Flyer werkelt ein Single Core Snapdragon-Prozessor von Qualcomm, der auf 1,5 GHz getaktet ist. Dass dieser Chipsatz über große Kraftreserven verfügt, steht zweifelsfrei fest, aber leider sind viele Spiele nach wie vor nicht für die höhere Display-Auflösung des Flyer optimiert, während andere, wie zum Beispiel Backbreaker, offenbar Probleme mit den GPU-Treibern haben und mit fehlenden Texturen dargestellt werden. Qualcomm will aber, ähnlich wie Nvidia mit der Tegra Zone, ebenfalls mit Spiele-Entwicklern zusammenarbeiten und dafür sorgen, dass es zukünftig mehr Snapdragon-optimierte Spiele gibt. Andere Apps wie zum Beispiel Google Earth konnten den Snapdragon nicht aus der Reserve locken und liefen sehr flüssig.

Auf dem Papier sehen die Werte für eine Single Core CPU ziemlich beeindruckend aus. In den Benchmark-Test hat das Tablet folgende Werte erzielt: Quadrant 2135 und Linpack 54,684.

Sehr beeindruckend fanden wir zusätzlich die Boot-Zeit. Das Tablet braucht lediglich wenige Sekunden, bis es voll einsatzbereit ist. Ob dafür eine Art Standby-Modus verantwortlich ist, ist für uns leider nicht ersichtlich.

Akku

Die Akkulaufzeit des Flyer kann durchaus überzeugen. Bei normaler Nutzung ist der Batterie nach zwei Tagen gerade mal knapp über die Hälfte geleert. Im Extremtest, die eine ausgiebigen Spiele-Session und ein paar angesehene Videos umfasst, hielt der Akku immerhin gut eineinhalb Tage.

Kamera

Das HTC Flyer verfügt über eine 5 Megapixel-Kamera auf der Rückseite und eine 1,3 Megapixel-Frontkamera für Videochat. Die Qualität der mit der rückseitigen Kamera geschossen Fotos ist aber, gelinde gesagt, bescheiden — um nicht zu sagen: grottenschlecht. Ich war regelrecht schockiert, als ich die ersten Schnappschüsse auf dem Display sah und hatte dann die Hoffnung, dass die Fotos auf einem Monitor besser aussehen. Tun sie aber nicht: Sie sind schwammig-pixelig-blass und daran ändert leider auch die Benutzung einer alternativen Kamera-App wie Vignette nichts. Generell stellt sich ja eh die Frage, wie sinnvoll ein Tablet für Fotoaufnahmen ist und HTC beantwortet diese mit der Kamera im Flyer ziemlich eindeutig. Ob eine Firmware-Update hier Abhilfe schaffen kann und wird, bleibt abzuwarten. In Sachen Video sieht das Ganze analog zur Fotoqualität leider nicht viel besser aus.

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Neben der normalen Sense-Kamera-App steht mit Snapbooth eine HTC-eigene App bereit, mit der man aufgenommene Bilder mit verschiedenen Effekten versehen kann. Es gibt im Market zwar deutlich umfangreichere Foto-Apps wie Vignette oder Camera 360, aber für den Normalnutzer dürfte Snapbooth völlig ausreichen.

Extras

Das große Extra und Alleinstellungsmerkmal des Flyer ist der mitgelieferte “Magic Pen“. Mit diesem Plastikstift lassen sich Notizen anfertigen, Bilder zeichnen und Screenshots mit Informationen versehen. Bei dem Stift handelt es sich allerdings nicht um einen kapazitiven Stylus, der quasi als Fingerersatz fungiert, sondern um eine Ergänzung zur normalen Bedienung.

Wenn man mit dem Stift auf das Display tippt, wird sofort ein Screenshot erstellt, der dann mithilfe des Stiftes verschönert werden kann. Dabei können sowohl Stift-Typ, -Breite und -Farbe variiert werden. Außerdem ist der Stift Druck-sensitiv: Drückt man fester auf, wird auch der gezeichnete Strich intensiver. Am Stylus selber befinden sich zwei Hardware-Buttons: Hält man den einen gedrückt, wird der Stift zum Radiergummi, der andere macht ihn zum Textmarker, mit dem sich getippte Wörter oder ganze Absätze markieren lassen.

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Der Stift kann momentan nur in der Screenshot-Funktion, der Evernote-Notiz-App sowie im eBook-Reader verwendet werden — HTC hat für den Stift aber eine API (Programmierschnittstelle) freigegeben, sodass Entwickler ihre Apps um die Magic Pen-Funktionalität erweitern können. Überdies lassen sich mit dem Stift auch jetzt schon Textabschnitte in PDFs markieren und die Dateien dann mit den Markierungen abspeichern.

Wenn man sich mit dem Stift erst mal ein bisschen angefreundet hat — wobei ein vorinstalliertes Software-Tutorial wertvolle Hilfe leistet — kann man ihn durchaus sinnvoll einsetzen. Für Schüler, Studenten oder Geschäftsleute ist es sicher praktisch, eine Notiz schnell mit dem Stift zu schreiben, oder auf einem Bild etwas zu markieren — für den Normalnutzer ist der Nutzen des Stiftes aber eher gering.

Zubehör

wie bereits in unserem Unboxing-Video zu sehen, befinden sich außer dem Flyer und dem Stift auch noch eine passende Kunstledertasche, Ladegerät, Datenkabel, und Headset in der Verpackung.

Software

Auf dem HTC Flyer läuft Android-Version 2.3.3, die zwar nicht für Tablets optimiert ist, aber sich trotzdem ganz wacker auf dem 7 Zoll-Display schlägt. Verfeinert wird das Betriebssystem durch die HTC-Sense-Benutzeroberfläche in der Version 2.1 für Tablets. Leider ruckelt die Oberfläche hin und wieder etwas. Das stört zwar im Alltagsgebrauch nicht weiter, wundert bei einer 1,5 GHz CPU aber schon etwas.

Auf die Sense-Oberfläche wollen wir hier nicht zu detailliert eingehen, aber ein paar Bestandteile stechen schon heraus: Wie beim HTC Sensation bietet das Flyer einen verbesserten Lockscreen. Zieht man eines der App-Symbole (die man frei belegen kann) in den Ring am unteren Bildschirmrand, so startet das Tablet sofort mit dieser App. Wenn man den Ring dagegen hoch zieht, findet man sich auf dem ersten Homescreen wieder.
Die HTC Watch App, bei der es sich um eine virtuelle Videothek handelt, hat innerhalb des Tests mehrere Male sowohl Aussehen, als auch den Funktionsumfang gewechselt, was darauf hindeutet, dass sich dieser Dienst noch im Aufbau befindet. Ein weiterer Hinweis darauf ist die noch ziemlich eingeschränkte Filmauswahl — zum Zeitpunkt des Testes stehen lediglich 51 Titel zur Verfügung. Einige Der Titel können für meist 11,99 Euro gekauft, andere dagegen nur für 30 Tage ausgeliehen werden, wofür in den meisten Fällen 3,99 Euro Leihgebühr fällig werden. Die Bezahlung ist, wie auch im Android Market, lediglich über Kreditkarte möglich. Die ordentliche Dateigröße (Der Pate: 2,65 GB) lässt es bereits erahnen: die Filme stehen in True-HD-Qualität zur Verfügung. Ein kleiner Wehrmutstropfen für Freunde des Originaltons: Die Filme werden nur in der deutschen Synchronisation angeboten und es gibt keine Möglichkeit, wie bei DVD und Blue Ray die Tonspur zu wechseln. Schade.

Modifizierbarkeit

Momentan ist der Bootloader des Flyer leider noch mit einer verschlüsselten Signatur versehen, die es leider unmöglich macht, das Gerät mit Custom Kernels oder ROMs zu verschönern. Da HTC aber kürzlich bekannt gegeben hat, die Bootloader-Politik zu ändern, besteht wieder Hoffnung, dass auch das Flyer nachträglich freigeschaltet wird.

Fazit:

Ich wurde durch das Flyer in meiner Ansicht gestützt, dass 7 Zoll-Tablets wirklich Spaß machen. Es ist sehr schade, dass statt Android 3.1 Honeycomb nur 2.3.3 Gingerbread auf dem Tablet läuft, aber HTC hat versprochen, diesen Umstand bald zu ändern.
Die Bedienung mit dem Stift hat mir durchaus gefallen, aber wenn ich ehrlich bin, würde ich den Magic Pen im Alltag nur äußerst selten nutzen.
Das größte Problem des Flyer ist aber sein Preis. Mit über 600 Euro für die 3G-Variante und 500 Euro für die WLAN-Version ist das Tablet eindeutig zu teuer. Konkurrenz-Tablets mit dieser Display-Größe wie das Samsung Galaxy Tab oder das Dell [link id=1420414]Streak 7 sind deutlich günstiger und der Stift alleine reicht leider nicht aus, um diesen hohen Preis zu rechtfertigen.

Das HTC Flyer ist also ein wirklich tolles Tablet, das allerdings derzeit noch an der Preishürde scheitert. Wer sich jedoch um Geld keine Gedanken machen muss, kann hier ruhig zuschlagen. Alle anderen, die ein 7 Zoll-Tablet haben wollen und auf die Stift-Funktionalität verzichten können, sollten sich lieber ein Samsung Galaxy Tab oder Dell Streak 7 zulegen beziehungsweise auf Preissenkungen warten — oder sich gleich für das Viewpad 7x, Acer Iconia A100 oder Asus MeMO aufheben.

Die WLAN-Version des HTC Flyer kann bereits beiNotebooksbilliger.de vorbestellt werden, ein genauer Auslieferungstermin steht allerdings noch nicht fest.

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Unsere Bewertung zum HTC Flyer

Verarbeitung und Haptik: 5/5
Display: 3/5
Software: 3,5/5
Telefonfunktion und Alltagstauglichkeit: 4/5
Kamera: 1/5
Hardware und Performance: 4/5
Alleinstellungsmerkmal “Stylus”: 3/5
Gesamt: 3,25 von 5

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