Huawei MediaPad – Das preiswerte Dual-Core-Tablet im Test

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Mit dem Ideos X3 und dem Ideos X1 haben Huawei hierzulande schon überzeugen können und das eher durch den Preis als durch High-End-Technik. Nun wagen sie die nächste Attacke. Der Tablet-Markt in Europa soll mit dem MediaPad gestürmt werden. Vor allem mit vorbildlicher Verarbeitung will man punkten.

Huawei MediaPad – Das preiswerte Dual-Core-Tablet im Test

Heute möchte ich euch ein Tablet näherbringen, welches es wohl schwer hat, einen Platz unter dem Weihnachtsbaum zu finden – das Huawei MediaPad. Huawei ist den meisten Leuten sicherlich nicht so ein großer Begriff, wie Samsung, HTC oder Sony Ericsson. Trotzdem hat diese chinesische Firma schon mehrfach mit ein paar Produkten im mittleren und unterem Preissegment überrascht. Wird auch dieses Gerät zum Überraschungshit? Der Testbericht verrät es. An dieser Stelle möchte ich mich bei der Firma Huawei bedanken, die uns großzügigerweise dieses Testexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Hardware

Lieferumfang

Hier vermutet man eher einen schottischen, anstatt eines chinesischen Fabrikanten, denn der Lieferumfang fiel relativ spärlich aus. Es gibt eigentlich nur das Notwendigste. Wir haben hier ein Netzteil, ein USB-Verbindungskabel und ein paar dünne Heftchen, die einem den Einstieg in die Tablet-Welt erleichtern sollen. Das war´s. Selbst ein Kopfhörer hat es nicht in die Verpackung geschafft. Manche Hersteller geben noch ein HDMI-Kabel, ein Putztuch oder eine Tasche dazu, doch davon ist hier keine Spur. Das ist schade.

Verarbeitung und Haptik

Bei der Verarbeitungsqualität des Tablets wurde dankenswerterweise nicht gespart. Selten – eigentlich noch nie – hielt ich so ein wertig anmutendes Gerät in den Händen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, es ist auch das erste Android-Tablet, welches ich bisher getestet habe. Das Unibody-Aluminium-Gehäuse wirkt äußerst robust. Hier wurde alles richtig gemacht. Die oberen und unteren Bereiche der Rückseite bestehen aus weichem, schwarzen Kunststoff. Leider sind diese Stellen sehr schmutzanfällig.

Oben erkennt man die 5-Megapixel-Kamera, unten kann man die Verkleidung abnehmen, um zum microSD-Kartenschacht oder zum SIM-Kartenschacht zu gelangen. Diese Abdeckung lässt sich einfach öffnen, beim Schließen verkommt die Prozedur dann aber zu einer kleinen Fummelei. Darüber kann man hinwegsehen, was einem aber bei dem Spalt zwischen Displayrahmen und Aluminiumgehäuse schwer fallen wird. Denn dieser ist ein wahrer Schmutzmagnet (siehe Fotos).

Auch das Display hat keine fettabweisende Beschichtung und zeigt einem in Bälde, wo der Finger überall schon den Bildschirm berührt hat. Das ist schade und trübt den sonst sehr guten Gesamteindruck etwas. Auf der rechten Seite gibt es den Power-Button und die Lautstärkewippe. Beide sind auch vorbildlich verarbeitet, die Lautstärketaste hat aber ein wenig Spielraum, der aber nicht weiter störend ist. Das haptische Feedback bei beiden Bedienelementen ist erstklassig.

Wenn wir schon bei der Haptik sind: Durch das wertvolle Metall fühlt sich das Gerät natürlich sehr edel an und es liegt auch vorzüglich in der Hand. Bei der Bedienung hat man stets einen sicheren Halt. Zu den Anschlüssen und weiteren Elementen noch ein paar Worte. Auf der Oberseite wurde ein Mikro und ein Lautsprecher hinter zwei kleinen Gittern verbaut, ebenfalls kann man dort den 3,5-mm-Klinkenanschluss finden. Neben der erwähnten 5- Megapixel-Hauptkamera ist vorne eine 1,3-Megapixel-Frontkamera verbaut.

Der Grund einer rückseitigen Kamera bei einem Tablet will sich mir nicht ganz erschließen, denn als Kamera-Ersatz ist so ein Gerät meiner Meinung nach zu unhandlich. Hier sollte man besser Wert auf die Frontkamera legen und diese mit mehr Features und besserer Qualität bestücken. Doch das ist nur meine persönliche Meinung. Zur Konnektivität bietet das Tablet an der Unterseite drei Anschlüsse. Einen microUSB-Port, einen microHDMI-Anschluss und einen proprietären Eingang für das Netzteil. Dass hier keine USB-Netzteil verwendet wird ist etwas unpraktisch.

Technische Spezifikationen und Ausstattung

Hier kann das Huawei MediaPad durchaus auftrumpfen. Zuerst einmal die volle Ausstattung in Stichpunkten:

  • Qualcomm Dual-Core Prozessor mit 2x 1,2 GHz
  • Adreno 220 GPU
  • 1 GB RAM
  • 8 GB interner Speicher
  • 7 Zoll-IPS-LCD-Display mit 1280×800 Pixeln
  • 5 Megapixel-Hauptkamera, 1,3 Megapixel-Frontkamera
  • HSDPA, WLAN, GPS, Quadband-GSM, Bluetooth
  • microUSB, microHDMI,
  • microSD-Kartenschacht
  • 4100 mAh Akku

Das klingt alles ziemlich gut. Abgesehen vom internen Speicher, dessen 8 GB dann doch recht knapp bemessen sind. Der Kartenschacht schafft hierbei Abhilfe. Trotzdem sind nur 5,8 GB von den 8 GB verbautem Speicherplatz nutzbar. Andere Geräte, wie das Optimus Speed haben hier wenigstens noch 6,8 GB zur Verfügung. Um eine Speichererweiterung wird man wohl kaum herum kommen, aber irgendwoher muss der relativ günstige Preis schließlich kommen.Die restlichen Werte gehen durchaus in Ordnung, besonders die Grafik- und Prozessoreinheit sind äußerst leistungsfähig. Das verwendete IPS-Panel stellt ebenso eine schöne Alternative zu den meist verwendeten Standard-Pedanten dar.

Display

Da ich vorher noch kein Tablet in der Hand hatte (ja, es soll durchaus solche Menschen geben), war für mich die 7-Zoll-Diagonale eine Wucht und das Gerät ein Klotz. Nun nach etwas über einer Woche finde ich das Tablet eigentlich noch recht handlich. Das Display könnte etwas heller bei der maximalen Helligkeit sein. Ansonsten sind Farben und Kontrast sehr überzeugend. Trotzdem kommt auch dieses Display, obwohl dieselbe IPS-Technologie verwendet wird, nicht an das meines P990 heran.

Es reagiert präzise auf Eingaben und der Lagesensor dreht den Bildschirm ebenfalls in einer Sekunde um. Die Auflösung lässt sich in den Menüs in zwei Stufen regeln. Wie bereits erwähnt, zeigt sich der Screen ungnädig bei Fingerabdrücken. Momentan gibt's auch nicht viel Sonne, wenn diese aber mal etwas stärker scheint, gibt es wohl etwas Schwierigkeiten beim Ablesen des Bildschirms. Es spiegelt recht stark, die Inhalte kann man aber dennoch erkennen.

Konnektivität

Über UMTS war der Internetempfang schnell und stabil, auch in der Wohnung. Jedoch gab es über WLAN Probleme. Das Gerät erkannte meinen Alice-Router zwar, konnte sich aber nicht fehlerfrei mit ihm verbinden. Selbst wenn ich das Tablet direkt vor den Router hielt, gab es ständig fehlgeschlagene Verbindungsversuche. Das Update, das mir bereits beim ersten Einschalten des MediaPads angeboten wurde, behob dieses Problem und die drahtlose Netzwerkverbindung funktionierte fehlerfrei.

Hier machte sich aber ein weiteres Problem beim Tablet bemerkbar, auf welches ich im Software-Bereich dieses Reviews eingehen möchte. Denn komfortabel zu installieren war das Update nicht gerade. Internetseiten laden sehr zügig und ein Ruckeln ist meines Erachtens nach auch bei überladen Web-Auftritten nicht wahrnehmbar. Das Zoomen via Multitouch funktionierte ebenfalls flüssig. Flash klappte jedoch auch nach dem Update nicht.

Man muss Adobes Programm manuell aus dem Market laden und installieren. Ist dieses kleine Hindernis genommen, öffnet sich einem aber die ganze Welt der multimedialen Internet-Unterhaltung – und das ebenfalls ohne Hänger. Wenn man das Gerät mit dem PC verbinden möchte, sollte man vorher MTP in den Optionen aktivieren. Doch man wird einen kleinen Schock erhalten, sobald der Computer das Tablet erkennt, denn es befindet sich scheinbar ein Virus auf dem Gerät.

TR/Crypt.CFI.Gen heißt der angebliche Schädling und befindet sich in der Autorun.exe der PC-Suite des Tablets. Avira schlug sofort Alarm. Wie sich aber herausstellte, ist dies ein Fehlalarm und kein echter Virus. Das GPS funktioniert blitzschnell und ist direkt nach dem Aufrufen von Google Maps einsatzbereit und das auf 20 Metern genau, sehr löblich. Eine größere Navigationstour wollte ich aber nicht mit dem Gerät bestreiten. Eine klasse Funktion ist auch der USB-Host-Modus, der einen USB-Sticks oder Eingabegeräte mittels micro-USB- zu USB-Adapter verwenden lässt.

Gesprächs- und Soundqualität

Der Lautsprecher ist ... toll. Nein, sorry, das war gelogen. Ich würde gerne etwas anderes sagen, aber diese kleine Box hat bisher so ziemlich den schlechtesten Klang, den ich auf einem mobilen Gerät seit langem gehört habe. Dumpfe und blecherne Töne dominieren hier die Klangwelt. Das ist enttäuschend. Auch die integrierte SRS-WOW-Funktion ändert daran nichts. Hier wird SRS-WOW eher zu SRS-AU, denn obwohl sich die Höhen etwas verbessern beim Einschalten dieser Funktion, kommt es zu Verzerrungen bei lauteren Passagen in Filmen oder Musik.

Das klingt nicht wirklich schön. Der Ton über Kopfhörer hingegen ist sehr gut. Leider sind aber, wie bereits erwähnt, keine dabei. Telefonieren und SMS schreiben ist für dieses Tablet eigentlich nicht vorgesehen. Das Update bereitet aber das MediaPad auf diese Funktionen vor. Wie gesagt, es bereitet das Gerät nur vor, man muss eine separate APK-Datei herunterladen und installieren, um die Features nutzen zu können. SMS schreiben klappt dann auch problemlos. Das Telefonieren aufgrund der oben genannten Mängel aber nicht. Das Tablet hat logischerweise keine Hörmuschel, also muss der Lautsprecher herhalten und dieser macht auch bei Telefonaten keine gute Figur. Wenn man das Gerät unbedingt als Not-Telefon nutzen möchte, sollte man das über ein Headset machen.

Kamera

Ideal für Beschattungen. Mit so einem Tablet fällt man schließlich kaum auf. So, nun aber Spaß beiseite. Wenn man etwas Langeweile hat, ist so eine Kamera schließlich ein witziges, kleines Gimmick. Die Qualität hierbei ist mittelprächtig. Es entsteht schnell Bildrauschen und einen LED-Blitz gibt es nicht. Dafür reagiert der Sucher aber ziemlich schnell. Es lässt sich sogar während der Videoaufnahme zoomen. Des weiteren kann man den Weißabgleich, Farbeffekte, die Komprimierungsrate, Auflösung und die GPS-Postion einstellen.

Eine witzige Idee ist die Möglichkeit, dass man Videos im Zeitraffer-Modus aufnehmen kann. Hier kann man in verschiedenen Schritten zwischen einem und 10 Bilder pro Sekunden wählen. Das Ergebnis wird dann als Film gespeichert. Dummerweise kann das Gerät selbst diese Filme aber nicht wiedergeben, da es diese in der Standardgeschwindigkeit abspielt.

Performance

Hier gibt's kaum was zu meckern. 5424 Punkte beim AnTuTu-Benchmark gehen in Ordnung und der GL-Benchmark zeigt auch passable Werte, wenngleich diese schon eher Grund zum Zweifeln bei der Spieleperformance liefert. Ich kann hier aber eine Entwarnung geben: Das Xoom zieht hier im direkten Vergleich den Kürzeren und auch in der Praxis überzeugt das Gerät.

Die mitgelieferten Spiele Asphalt 6 und Let’s Golf 2 sind absolut spielbar. Asphalt 6 hat zwar ab und an ein paar Einbrüche bei der Bildwiederholrate, aber das liegt wohl eher am Spiel selbst. Homescreen, App-Drawer und – wie bereits erwähnt – auch das Internet laufen ausgesprochen flüssig. An diesem Tablet hat man viel Freude, wenn man ein Fan von möglichst flüssig laufenden Geräten ist.

Akkulaufzeit

Knapp 2 Tage bei 3 Stunden Nutzung ist ein durchaus gelungener Wert. Hierbei wurde viel mit dem Gerät gespielt (Menüs, Games) und im Internet gesurft. WLAN war hier stets angeschaltet und das Display auf 80% Helligkeit. Es wurde jedoch nur am Anfang UMTS mittels einer SIM-Karte benutzt; nach einem Tag wanderte diese aber wieder zurück in mein Handy. Dennoch kann man zufrieden mit diesen Werten sein. Der 4100-mAh-Akku lässt hier seine Muskeln spielen.

Software

Hier macht´s Huawei wie beim Lieferumfang und gibt sich bescheiden. Nett ist das Aldiko eBook-Programm, welches auch das Buch „White Fang“ von Jack London beinhaltet. Leider ist das Buch in Englisch. Selbiges gilt auch für das eigentlich sehr komplexe Huawei Office. Eine gelungene Bürolösung, die aber auch ohne unsere heimische Sprache auskommen muss. Besonders bei einer Textverarbeitung ist das weniger optimal.

Foxit Reader schließt sich dem englischen Gespann dann an; dies ist aber nicht so wild, denn bei einem PDF-Reader kann man das verschmerzen. Ansonsten gibt's noch das schon auf der Verpackung umworbene Spielepaket bestehend aus: Let’s Golf 2, Asphalt 6 und Angry Birds. Das war´s dann auch. Beim Launcher bekommt man die bewährte Honeycomb Android 3.2 Standard-Oberfläche. Nervig ist auch bisher das Update-Verfahren. OTA-Updates gehen noch nicht. Obwohl hierfür zwei Anlaufstellen vertreten sind.

Einmal von Huawei direkt und einmal von Google. Man muss sich die Firmware-Datei herunterladen, entpacken, auf eine microSD-Karte machen und dann in den Update-Modus starten. Besitzer ohne microSD-Karte haben bislang also schlechte Karten.

Fazit

An sich hat Huawei hier ein schnelles Tablet mit Top-Verarbeitung geliefert. Kleinere Patzer bei der Software und dem Lautsprecher trüben aber etwas das Gesamtbild. Ein Kopfhörer wäre ebenfalls beim Lieferumfang nett gewesen. Für 360 Euro ist das Gerät aber sicher einen Blick wert, vor allem da man hier wirklich aktuelle Technik in Form eines schnellen Dual-Core Prozessors und 1 GB RAM verwendet hat.

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