iPad 2 als Instant-Zugpferd

Flavio Trillo
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Das iPad 2 könnte für Apple der Zug ins 100-Milliarden-Land sein. Analysten korrigieren eifrig ihre Prognosen und sehen das Unternehmen zum Ende dieses Jahres bereits Umsätze vermelden, mit denen es sich vor IBM und Microsoft keinesfalls verstecken müsste. Apples Anteil am Media-Tablet-Budget der Konsumenten lag im vergangenen Jahr angeblich bei 99,5 Prozent – was die Untergangsphantasien der Konkurrenz zu echten Luftschlössern macht.

Die Bilder der Warteschlangen vor Apple Stores in den USA am 11. und vielen anderen Ländern am 25. März gingen um die Welt. Lieferschwierigkeiten ergaben sich noch am ersten Verkaufstag und das iPad 2 war innerhalb kürzester Zeit nicht mehr zu haben. Der enorme Erfolg der zweiten Auflage eines erstmalig vor etwa einem Jahr verkauften Geräts veranlasst Analyst Charlie Wolf von Needham & Co. dazu, seine Vorhersagen für 2010 und 2011 zu korrigieren.

Zwar sei es immer schwierig, so Wolf, Prognosen über eine neue Kategorie von Computern zu treffen. “Der Verkaufsstart des iPad 2 hat unsere Erwartungen jedoch so stark übertroffen, dass unsere vorherigen Schätzungen für 2011 und 2012 eindeutig zu niedrig ausfielen”, stellt der Analyst fest. Für dieses und das folgende Jahr hält er dementsprechend jeweils 10 Millionen zusätzliche iPad-Verkäufe für realistisch. Apple werde demnach 2011 insgesamt 30 Millionen, 2012 40 Millionen Tablets an Mann und Frau bringen.

Die errechneten Marktanteile seien bei alldem wenig aussagekräftig. Für das vergangene Jahr wurden Apple etwa 83 Prozent des Tablet-Marktes zugesprochen. Gleichzeitig lag jedoch Apples Anteil an den 9,6 Milliarden US-Dollar, die Käufer für Media-Tablets im Jahr 2010 insgesamt ausgaben, bei 9,566 Milliarden US-Dollar – der Konkurrenz blieb demnach ein kümmerlicher Rest von 34 Millionen Tablet-Dollar!

Selbst wenn man Apples geschätzten Marktanteil von etwa 70 Prozent für dieses Jahr zugrunde legt, könnte das Unternehmen sich bei 29,4 Milliarden US-Dollar Gesamtausgaben auf ein 20,6 Milliarden großes Stück vom Kuchen freuen. Wie gesehen ist diese Vorhersage aufgrund der hohen Diskrepanz zwischen Marktanteil und Dollar-Anteil äußerst konservativ. Bis zum Jahr 2015 sollen die Ausgaben für Media-Tablets übrigens um 50 Prozent jährlich anwachsen.

Die magische Umsatzgrenze von 100 Milliarden US-Dollar im Jahr könnte Apple bereits 2011 erreichen. So Wolfs von 98,9 Milliarden US-Dollar nach oben korrigierte Prognose. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass die Schwierigkeiten in der Lieferantenkette sich erst in den kommenden Monaten auswirken. Dann nämlich werden sich die Vorratslager der Hersteller von Flash-Speicher und Mikroprozessoren leeren und Nachschub kann nicht in ausreichender Menge besorgt werden.

Eine weitere wichtige Beobachtung der Analysten: Asiatische “Greifer” in den Warteschlangen vor Apple Stores decken sich mit haufenweise iPad 2 ein, nur um diese anschließend in Asien gewinnbringend zu verkaufen. Für Apple bedeutet das ein enormes Potential auf dem chinesischen Markt. Statt den “robusten Grau-Import” zu fördern, könnte das Unternehmen selbst direkt vor Ort sehr viel höhere Umsätze generieren.

Auch hierzulande war nicht jeder, der sich für das iPad 2 anstellte, nur für den Eigenbedarf unterwegs. Im Hamburger AEZ stand dank vorzeitiger Anreise am Vorabend um 19.00 Uhr ein junger Mann ganz vorn in der Schlange, der sein erworbenes iPad 2 nach dem Verlassen des Geschäfts sofort anderen Wartenden anbot. Gegen einen geringen Obolus plus Warte-Aufschlag, versteht sich.

In jedem Fall sehen die Werte gut aus. Niemand spricht mehr über die Auswirkungen einer möglicherweise dauerhaften Abwesenheit Steve Jobs’ aus dem operativen Geschäft seines Unternehmens. Der Auftritt beim iPad 2 Event hat alle Zweifel an seiner physischen und psychischen Präsenz bei Apple ausgeräumt. Dennoch sieht so Mancher die Konkurrenz im Vormarsch. Bis dieser Vormarsch aber zu einem Vorbeimarsch wird, müssen noch ein paar wirklich überzeugende Tablet-Konzepte die Werkstätten von RIM, Motorola und Samsung verlassen.

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