Armer iPad 2!

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Gäbe es einen iPad 2, der so gut ist, dass alle Interessenten völlig zufrieden sind, könnte man sich die dritte Generation auch gleich sparen. Stattdessen wird ein iPad 2 kommen, der lediglich ein Zwischenschritt zum iPad 3 sein wird. Aber das ist der Sinn der Sache.

Kein hochauflösendes Retina-Display, kein neues Gehäuse aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, kein SD Card Slot, keine deutlich verlängerte Batterielaufzeit, keine sofortige Verfügbarkeit – die Gründe für einen Fehlstart des neuen iPad scheinen endlos. Der iPad 2 wird automatisch eine Enttäuschung sein, bringt er gegenüber dem iPad der ersten Generation nicht genau die erwarteten Vorteile, von denen nun schon seit Wochen endlos die Rede ist. Das kann an ganz verschiedenen Stellen der Fall gewesen sein, auf höchst unzuverlässigen Quellen beruhen und zur Vision eines prinzipiell gar nicht möglichen Produktes führen, ganz egal. Und weil es da und dort hieß, Apples neuer Sofa-Begleiter könne dies und jenes, wird er unweigerlich viele Hoffnungen nicht erfüllen und nach mehr dürsten lassen. Gerüchte können regelrecht süchtig machen, wenn sie das Bild von verheißungsvollen Produkten zeichnen, die es in der Wirklichkeit dann niemals gibt – und Apple mag das ganz gerne so, denn der iPad 3 ist ja schon in Planung.

In jedem Fall wird auch beim iPad 2 ein Teil der Apple-Fans schon früh für große Umsätze sorgen und trotz vermeintlich fehlender Ausstattungsmerkmale bei einem zweiten Teil der Fans Neid erwecken („Mein iPad 2 ist aber doch deutlich schneller als Dein iPad ...“), so dass dann auch die früheren Unken zu späteren Käufern werden – man will ja mithalten. Das war schon beim eher langweiligen iPhone 3GS so und hat gut funktioniert. Insgesamt gar nicht schlecht, denn nicht auszudenken, würden alle gleich am ersten Tag zuschlagen. Wie sollte das logistisch zu bewerkstelligen sein?

Fehlen bestimmte Ausstattungsmerkmale dieses Mal, so werden diese beim iPad vom nächsten Mal als besonderer Kaufanreiz gelten – die frustrierende Suche nach dem vollendeten Produkt. Denn mit jeder Nutzung des Gerätes entstehen neue individuelle Bedürfnisse, die immer wieder den Kauf neuer iPad-Generationen in Erwägung ziehen lassen werden. Schlimmer noch, kann ein iPhone oder iPod etwas, was ein iPad noch nicht kann, überträgt der Anwender wünschenswerte Eigenschaften auch noch von einer Gerätekategorie auf die andere, es entsteht eine regelrechte Wunschwarteschleife. Fatal hierbei ist, dass die vier Plattformen iPad, iPhone, iPod und Mac sich immer ähnlicher werden – alle verfügen sie über verschiedene Varianten von Eigenschaften, die dann von einem Gerät auf das andere projiziert werden. Ein Mac müsste (auch noch) können, was ein iPad kann, ein iPhone müsste (auch noch) können, was ein iPad kann und ein iPod müsste (auch noch) können, was ein iPhone kann ...

Der perfekte iPad existiert aber nur in einer perfekten Welt. Daher sollte heute wie zu jedem Produktzyklus niemand enttäuscht sein. Das Leben in einer konsumorientierten Gesellschaft bedeutet, dass nichts für alle Zeiten endgültig gut sein wird – es sei denn, man schottet sich irgendwo hermetisch gegen alle äußeren Einflüsse ab. Und wurden wider Erwarten einmal alle Vorstellungen erfüllt, werden dennoch weiter Verfeinerungen betrieben, so dass man auch mit einem ganz neuen iPad niemals wirklich zufrieden sein kann. Die Welt dreht sich weiter – nach dem iPad-Kauf wird immer vor dem iPad-Kauf sein.

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