Retro-Kult: Schreibmaschine mit iPad selberbauen

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Retro ist Kult, Steampunk ist überall. Gegen die kanten- und bruchlose Optik neuer Geräte hilft oft nur der Rückgriff auf Nostalgisches und Überholtes. Mit etwas Mut und wenig Material lässt sich die alte Schreibmaschine zur USB-Tastatur für iPad, Mac und PC umbauen. Nur ein Beispiel für den neuen Selbstbau-Trend.

Retro-Kult: Schreibmaschine mit iPad selberbauen

Do-it-yourself, DIY, ist der Dauerläufer unter den Zukunftstrends. Klar, nicht jeder hat die Fähigkeiten dazu, doch Selberbauen mit IT-Hilfe wird immer mehr zum nicht zu vernachlässigenden Geschäftszweig. Das zeigt nicht zuletzt auch der neue eigene „Hardware-Hacks“-Kanal bei heise.de, den der IT-Verlag seit kurzem online pflegt.

Wird dort mehr die Weiterverwendbarkeit von alten IT-Geräten hochgehalten, wie zum Beispiel der Umbau eines alten iMacs zum schmucken Katzenkörbchen – schließlich sind die Hardware-Hacks auch aus dem Heise-Wettbewerb „Mach flott den Schrott“ entstanden – haben Trendforscher „Do-it-yourself“ schon seit längerem in ihren Zukunftsszenarios.

Diese sehen nicht nur einen Ausbau des Baumarkt-Geschäfts, sondern auch den eigenen 3D-Drucker in jedem Haushalt voraus. Mit dem in Kürze erhältlichen „Replicator“ von MakerBot kann man schon für 1750 US-Dollar seine eigenen Kaffeetassen oder Bierhumpen aus Plastik drucken – oder was man gerade so braucht.

Während die Replikatoren aus Raumschiff Enterprise damit allmählich Realität werden, verbindet ein anderer Selbstbau-Trend Altes und Neues. Dort heißt es: Zurück zu den Anfängen. Zurück zur Schreibmaschine.

Kann sich noch jemand an Buchtitel wie von Robin Williams erinnern? Fast verzweifelt wurde dort dafür plädiert, den Mac doch bitte für etwas anderes als für die reine Textverarbeitung mit Word und Co. zu verwenden.

In heutigen Zeiten, wo das iPad bereits als die letzte, verschwindende Form unserer gewohnten Computer-Vorstellungen angesehen wird, wo Touchscreens, Gesten- und Sprachsteuerung und eventuell elektrisch-induzierte Stromschläge ein Tastendruckgefühl ersetzen sollen, werden Haptik und Originalität wieder zum Alleinstellungsmerkmal.

Da ist einmal der biologisch begründete Wunsch, sich gegenüber anderen auszuzeichnen und sich von ihnen zu unterscheiden, zum anderen ein ungebrochenes Verhältnis zu alten Formen und Funktionen.

Hand aufs Herz: Wer von uns hat noch eine alte Schreibmaschine zuhause, selbst benutzt oder geerbt? Schreibmaschinen sind aber auch sowas von out, das es schon gar nicht mehr geht. Aber schön und echt nach Steampunk, dieser Kombination von digitaler Funktion im Dampflok-Look, sehen sie aus.

Zu schade zum Wegschmeißen, sofern man es nicht schon längst getan hat, sind sie schon, die alten Maschinchen. Jetzt könnten auch sie zu neuer Bedeutung kommen, nämlich als USB-Tastatur für jeden Mac, PC oder eben das neue iPad.

Drei Dinge befriedigt man damit: Man nutzt Altes weiter, das Selbstbewusstsein steigt durch Selberbauen in stolze Höhen und die Hochachtung der Freunde ist einem sicher. Vielleicht spart man auch ein kleines bisschen Geld, schließlich muss man kein Geld für eine echte Tastatur ausgeben, aber das dürfte wohl in den seltensten Fällen der Grund für den Umbau sein.

Mit dem auf dem Etsy angebotenen Selbstbaukit von Jack Zyklin lässt sich nahezu jede beliebige Schreibmaschine zur USB-Tastatur bzw. zur iPad-Schreibmaschine umbauen. Für rund 58 Euro erhält man zwei Platinen, die man selbst mit allen beigelegten Elektronikteilen belegen und verlöten muss. Das Ganze muss noch mit etwa 20 Steckteilen und einer 50 Punkt-Laser-gefertigten Kontaktkonsole für die Tastenhebel verbunden werden.

Etwas Erfahrung in solchen Dingen sollte man mitbringen, ansonsten hilft eventuell auch ein erfahrener Freund oder das örtliche Do-it-yourself-Repair-Café oder der Selbstbauer-Club. Rund drei bis vier Stunden benötigten erfahrene Elektronikbastler für das Löten der Teile und noch einmal drei Stunden für die Einrichtung mit der Schreibmaschine.

Viel mehr Werkzeug außer einem guten Lötkolben, einer so genannten dritten Hand, ein paar Kabeln, Gaffer-Tape und Heißkleber ist nicht nötig, so dass das Ganze zu einem wunderbaren Selbsterfahrungstrip für angehende Steampunks, Individualisten und Trendsetter werden kann.

Das Schöne dabei: Die komplette Schreibmaschinenfunktion bleibt sogar erhalten. Es gibt keine Kabel, die die Tastenhebel lahm legen oder binden. Das heißt, es lässt sich auch weiterhin ein Blatt Papier einspannen und die Schreibmaschine verwenden.

Schöpfer von Idee und Bausatz ist der 27-jährige Elektronikingenieur Jack Zylkin aus Philadelphia. Seine Freundin wollte die geerbte alte Schreibmaschine gern weiter benutzen, also baute er sie um. Mittlerweile bietet er komplette, umgebaute Schreibmaschinen und den Selbstbausatz kommerziell an.

Zylkin ist Mitglied eines Hackerspace in Philadelphia, Hive76, einem dieser typischen und immer mehr Interesse weckenden „Mach flott den Schrott“-Clubs, die Altes mit Neuem verbinden und Ressourcenschonung mit kreativem Gewinn verbinden.

Übrigens gibt Zylkin Kunden mit Sehschwäche oder Blinden Rabatt, schreibt Ulrich Goll auf taz.de. Für sie sei die Schreibmaschine eine notwendige sinnlichere Erfahrung als eine Tastatur und kein Luxusgegenstand mit Verbindung in die Vergangenheit. Eine Garantie, dass es mit der eigenen Schreibmaschine klappt, gibt Zylkin nicht: “Jede Schreibmaschine ist anders.”

Bilder: iMac-Katzenkorb, Heidi Hochrein; USB-Schreibmaschinen, Jack Zylkin

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Weitere Themen: iMac 2014, Apple


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