iPad mini: Veröffentlicht Apple eine Totgeburt?

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Mit etwas Glück und Zuversicht erleben wir nächsten Dienstag eine kleine Revolution. Für nicht wenige „Kenner“ der Materie veröffentlicht Apple mit dem iPad mini ein Produkt, dass eigentlich gar nicht existieren dürfte. Schließlich erteilte Steve Jobs himself den kleinformatigen Tablets einst eine klare Absage. Ein Trugschluss?

iPad mini: Veröffentlicht Apple eine Totgeburt?

Steve Jobs war nicht nur Mitbegründer und langjähriger CEO von Apple. Für viele Fans der Kultmarke ist er noch immer das eigentliche Gewissen der Firma. Seine Vision, seine Ansichten gelten als ungeschriebenes Gesetz. Tim Cook und seine Mannen haben sich daran gefälligst zu orientieren, eine Abkehr oder Fehlinterpretation gilt diesen Anhängern als Frevel und Zeichen des bevorstehenden Untergangs.

iPad mini: Der Anfang vom Ende?

Demnach brechen harte Zeiten an, denn bestätigen sich die Berichte im Vorfeld, wird jener Tim Cook nächste Woche den Aufstand riskieren, aus dem Schatten seines ehemaligen Herrn und Meisters treten und ein kleines iPad mit 7,85-Zoll-Display vorstellen. Ein Unding, denn das iPad mini kann nicht sein, weil es nicht sein darf. Wie kann er es wagen, dieser gnadenlose Langweiler, Sparkassenvorsteher und Nicht-Charismatiker?

Dabei waren die Worte des Steve Jobs im Herbst 2010 doch deutlich gewählt: 7-Zoll-Tablets sind schlichtweg eine Totgeburt. Das Display ist viel zu klein für hochwertige Apps. Einen passenden Ratschlag an Samsung und Co hatte er auch noch parat. Man solle den Gerätschaften doch gleich Schmirgelpapier beilegen, damit die Kunden sich ihre Finger „kleinschleifen“ könnten. Auch prognostizierte Jobs die baldige Abkehr der Konkurrenz von diesem Formfaktor und die Zuwendung allein zu größeren Tablets.

Was verleitet Apple demzufolge zu dieser Missetat, warum schlägt man den beherzten Ratschlag des Steve Jobs einfach so in den Wind?

Steve Jobs: Taktiker

In 2010 war der Tablet-Markt noch eine unbekannte Größe. Apple galt einst wie beim iPhone als Wegbereiter und Trendsetter, etwaige Mitbewerber wurden auf dem kalten Fuß erwischt und hatten dem Erfolg des iPads nichts entgegenzusetzen. Damit dies jedoch so bleibt, galt es, frühzeitig andersartige Konzepte in Frage zu stellen. Kleinformatige Tablets waren von Apple zu diesem Zeitpunkt nicht vorgesehen. Man folgte dem Motto: Das beste Produkt ist immer noch das, das wir aktuell im Portfolio haben.

Eine bewährte Taktik. Schon beim iPod zuvor verwarf Steve Jobs zunächst die Idee von Videoinhalten – zu klein das Display, zu unkomfortabel die Nutzung. Wenig später folgte der iPod der fünften Generation, dessen Hauptmerkmal zwar noch immer die Musikwiedergabe war, dennoch „überraschend“ auch die Möglichkeit bot, Videos und Filme abzuspielen. Nicht das einzige derartige Beispiel in der Ära Jobs. Steves Ansichten konnten sich mit der Zeit wandeln, in Abrede gestellte Konzepte zu einem späteren Zeitpunkt dem Phoenix gleich aus der Asche auferstehen.

Wie war das doch gleich: Niemand hat die Absicht bei Apple, ein Telefon oder ein Tablet zu bauen – von wegen. Vorsprung durch Verwirrung und gezielte Desinformation, so nennt sich diese (erfolgreiche) Vorgehensweise.

iPad mini: Die Zeiten ändern sich

Nicht anders beim prognostizierten iPad mini. Die Aussage des Steve Jobs mag, abseits des schon erwähnten Kriegsgeheuls, in 2010 durchaus treffsicher und richtig formuliert gewesen sein. In 2012 muss dies aber beileibe nicht mehr gelten.

Auch bei Apple blieben die anfangs starken Verkaufszahlen des Amazon Kindle Fire nicht unbemerkt, ebenso die starke Nachfrage nach Googles Nexus 7. Im Vergleich zu den noch höheren Verkaufszahlen des iPads, mögen diese zwei Beispiele für kleinformatige Tablets momentan nur Achtungserfolge darstellen, dennoch wird Apple nicht tatenlos zuschauen und abwarten, wie sich dieser Trend bei der Konkurrenz verstärkt und der Erfolg weiter zunimmt.

Apple benötigt dementsprechend ein schlagkräftiges Gegenangebot. Besonders die Fire-Familie des Kindle von Amazon gilt als ausgemachtes Angriffsziel. Nicht verwunderlich, dass im Vorfeld das Hauptaugenmerk auf eine neue Version der iBooks-App liegt. Auch Amazon sieht den Kindle in erster Linie als kostengünstigen Player für den nachfolgenden Verkauf von digitalen Inhalten. Die Erweiterung der iPad-Serie durch ein preiswerteres Einstiegsgerät gilt nicht wenigen Branchenbeobachtern deshalb als Notwendigkeit, um in diesem Markt langfristig bestehen zu können.

Schlusswort: Das Erbe

Apple tut gut daran, vermeintliche Dogmen seines großen Visionärs zu „missachten“. Im Gegenteil, nur so wird Tim Cook und seine Mannschaft dem Geiste eines Steve Jobs gerecht. Die Botschaft lautet: Kümmere dich nicht um dein Geschwätz von gestern, blicke stattdessen nach vorn. Nicht zuletzt bewunderte auch Tim Cook die Gabe Steves, die eigene Meinung schnell zu ändern.

Das iPad mini mag im Angesicht früherer Aussagen des ehemaligen CEOs ein Affront sein, wahre Experten erkennen darin aber das ursprüngliche Genom und das Wesen einer einzigartigen Firma, für die Steve Jobs bis zu seinem letzten Tage stand. Ich freue mich auf das neue, kleinformatige Familienmitglied. Amen.

Bildquelle Titel: iPad mini (Martin Hajek), Rose (LazyCrazy), Abwandlung Sven.

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iPad Mini

  • von Holger Eilhard

    Nachdem wir bereits diverse Bilder des vermeintlichen iPad-mini-Gehäuses sehen durften, wurde nun auch das Display vom Ersatzteil-Dienst ETrade Supply abgelichtet. Wie erwartet ist wieder einmal mit einem 4:3-Seitenverhältnis zu rechnen.

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    Alle Beobachter sind sich einig: Am kommenden Dienstag wird in San Jose ein kleines iPad mit rund 8 Zoll großem Display vorgestellt. Glaubt man der Gerüchteküche soll das Gerät Anfang November, genauer gesagt am 2. November, in den Apple Stores stehen.

Weitere Themen: Tim Cook, Steve Jobs, iPad mini Wi-Fi + Cellular (4G): Gewinnspiel (Gewinner), Apple


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