iPad Pro im Test: Ein großes iPad für große Aufgaben

Ben Miller
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Das iPad Pro ist ein Tablet, soll aber laut Apple-CEO Tim Cook auch Laptops (nicht MacBooks wohlgemerkt!) ersetzen können. Für diese große Aufgabe hat Apple das iPad Pro nicht nur mit dem bisher größten Retina-Touchscreen und dem bisher leistungsstärksten Prozessor aus eigener Entwicklung ausgestattet, sondern ihm besonderes Zubehör zur Seite gestellt.

iPad Pro im Test: Ein großes iPad für große Aufgaben

iPad Pro – Display im Test

Das Retina-Display des iPad Pro ist schlicht und ergreifend beeindruckend, allein schon aufgrund seiner Größe von 12,9 Zoll in der Diagonalen. Es wirkt wie ein Fenster in eine digitale Welt. Die Auflösung beträgt 2732×2048 Pixel, was in einer Pixeldichte von 264 ppi resultiert. Farben sind realitätsnah und kräftig, aber nicht übertrieben. Auch die Kontrastwerte sind sehr gut. Da gibt es nichts zu bemängeln. Ein Apple-Display eben.

Surfen im Web, Filme schauen und Spielen, besonders mit einem verbundenen Gamepad, macht mit dem iPad Pro einfach Freude.

Ein so großes Display verbraucht aber auch sehr viel Strom. Um dennoch eine akzeptable Akkulaufzeit zu erreichen, setzt Apple beim Retina Display des iPad Pro auf eine variable Aktualisierungsrate, die je nach dem was auf dem Bildschirm dargestellt wird, automatisch zwischen 30 und 60 Hz wechselt. Das geschieht, ohne dass der Nutzer es bemerkt.

Eine weitere Besonderheit dieses Touchscreen-Displays ist die sehr schnelle Reaktionszeit und Abtastrate – wenn ein Apple Pencil zum Einsatz kommt.

Kleinere Version gefällig? Hier geht es zu unserem Test des iPad Pro 9.7.

Neue Apple-Wallpapers von iOS 10.3.3 und vom iPad Pro

Apple Pencil

Der Apple Pencil ist der beste Touchscreen-Stylus, den ich bisher benutzt habe, auch wenn er nicht perfekt ist.

Beim Apple Pencil handelt es sich um einen aktiven und keinen passiven Stylus. Das bedeutet, dass er per Bluetooth mit dem iPad gekoppelt wird. Er ist mit Sensoren ausgestattet, benötigt also Strom. Der interne Akku reicht für 12 Stunden bei durchgehender Benutzung. Aufgeladen wird der Apple Pencil über einen Lightning-Stecker, der sich unter der Kappe versteckt. Damit steckt man den Pencil einfach in das iPad Pro oder ein iPhone. Im Lieferumfang ist aber auch ein sehr kleiner Lightning-Adapter (weiblich auf weiblich) enthalten, womit man den Pencil an jedes Lightning-Kabel anstecken kann.

15 Sekunden laden reicht für 30 Minuten zeichnen. Von 0 auf 100 Prozent aufgeladen ist der Apple Pencil, angesteckt an ein iPad Pro, in 90 Minuten. Eine Ladung während einer Kaffeepause reicht dem Pencil also für ein paar Stunden.

In den letzten Jahren habe ich unzählige Styli ausprobiert getestet. Der Apple Pencil ist zumindest bis jetzt der mit Abstand beste Stylus – exklusiv für das iPad Pro wohlgemerkt. Er funktioniert nämlich nur mit dem iPad Pro.

Bei einem regulären iPad (oder anderem Touchscreen-Gerät) ist die Verzögerung zwischen der Aktion (man zeichnet mit einem Drittanbieter-Stylus oder den Fingern) und der darauffolgenden Reaktion des Gerätes (der Strich oder die Handschrift erscheint auf dem Display) oft sehr deutlich. Diese hohe Latenz vermittelt ein „schwammiges“ Gefühl beim Zeichnen oder Schreiben.

Das iPad Pro jedoch scannt und berechnet die Position der Spitze des gekoppelten Apple Pencils 240 Mal pro Sekunde. Somit reduziert sich die Verzögerung zwischen Aktion und Reaktion auf wenige Millisekunden. Das iPad Pro weiß also viel schneller, wo der Stylus angesetzt wird und wohin man zeichnet oder schreibt. Selbst kleinste Nuancen in der Stiftführung werden erkannt. Das Zeichen- und Schreibgefühl ist dadurch viel näher an jenem von echtem Papier und Stift.

Es kommt aber wie immer darauf an, ob die jeweilige App für die höhere Präzision Apple Pencil optimiert ist.

Die Spitze des Apple Pencil besteht aus einem besonderen Kunststoff, der zum positiven Schreibgefühl beiträgt. Denn obwohl man den Pencil auf einer Glasfläche verwendet, fühlt er sich nicht an wie eine Kufe auf Eis und auch nicht wie ein Radiergummi auf Glas, sondern wie ein Stift auf Papier. Man spürt ein angenehmes Maß an Widerstand und Reibung zwischen der Spitze des Apple Pencils und des Display-Glases.

Dieser besondere Kunststoff kann bei intensiver Nutzung des Pencils auf Dauer verschleißen. Daher ist die Spitze des Apple Pencil austauschbar. Eine Ersatz-Spitze ist im Lieferumfang enthalten.

Wie lange es braucht, um eine Spitze des Apple Pencil bis zur Unbrauchbarkeit abzunutzen, kann man nicht allgemeingültig sagen. Nach mehreren Wochen mit dem iPad Pro und dem Apple Pencil sieht die Spitze unseres Pencils immer noch aus wie neu. Apple bietet auch noch keine separaten Ersatz-Spitzen zum Nachkaufen in seinem Store an. Scheint wohl noch nicht nötig.

So toll der Apple Pencil auch ist, er hat ein paar Makel.

Er besteht aus glänzendem und ebenso schlüpfrigem Kunststoff. Schon mit leicht schwitziger Hand verliert man den Grip.

Die Kappe, unter der sich der Lightning-Stecker versteckt, schreit gerade danach, verloren zu werden. Sie wird durch rein durch Magnetismus festgehalten.

Er hat keinen Radierer, also einen digitalen Radierer. Der „Pencil by Fiftythree“ und auch Microsofts Surface Pen besitzen eine Radierer-Funktion. Man dreht diese Styli einfach um und radiert auf der digitalen Leinwand.

Es würde mich nicht wundern, wenn wir bald „Cases“ oder zumindest Klebefolien für den Apple Pencil sehen, mit denen man ihm mehr Grip verleihen kann.

iPad Pro – Akkulaufzeit

Das iPad Pro besitzt einen 38,8-Wattstunden-Akku mit einer Kapazität von 10.307-mAh. Das reicht für rund 10 Stunden leichter, durchgehender Nutzung, wie beispielsweise Surfen im Web, Audio- und Videowiedergabe. Bei intensiveren Aufgaben kann der Akku aber durchaus schneller in die Knie gehen.

Aufgeladen wird das iPad Pro mit dem beigelegten 12-Watt-USB-Netzteil, welches das stärkste ist, das Apple im Angebot hat. Aber auch damit dauert es eine gute Weile, bis der Akku des iPad Pro wieder von 0 auf 100 aufgeladen ist. Mit Quick Charge ist das nicht vergleichbar.

iPad Pro – Design

Das iPad Pro ist ein größeres iPad Air, was das Design betrifft. Es ist natürlich deutlich schwerer als ein iPad Air, besitzt aber auch vier (!) Lautsprecher, an jeder Ecke einen. Dabei erkennt das iPad Pro seine Ausrichtung und nutzt die zwei jeweils oberen Lautsprecher für die Höhen und die unteren für die Tiefen.

Dies geschieht automatisch und dynamisch, also auch wenn man das iPad Pro während einer Audiowiedergabe dreht. Eine Unterbrechung des Tons gibt es hierbei nicht.

Lautstärkeregler und Power-Button sind an den gewohnten Stellen, ebenso die Kopfhörer-Buchse, Mikrofon und die Kameras. Ja, das iPad Pro besitzt natürlich auch eine Facetime-HD- und eine iSight-Kamera, dieselben wie im iPad Air 2. 1,2 Megapixel vorne und 8 Megapixel hinten. Natürlich darf auch Touch ID nicht fehlen, wobei hier aber nicht Touch ID der 2. Generation wie in der aktuellen iPhone-Generation zum Einsatz kommt.

Interessanter ist da schon der zusätzliche „Smart Connector“ an der linken Seite des iPad Pro. Über diese Connector kann das iPad Pro Daten und Strom mit einer angeschlossenen Tastatur austauschen, beispielsweise mit Apples eigenem Smart Keyboard. Leider bietet Apple dieses Smart Keyboard nur mit englischem Tastatur-Layout an. Für diesen Test stand es uns nicht zur Verfügung, weshalb wir einfach Apples reguläres Bluetooth-Keyboard in Kombination mit einem regulären Smart Cover verwendet haben.

Der Vorteil des Smart Keyboards wäre, dass es den Strom vom iPad bezieht und nicht separat aufgeladen werden muss, auch entfällt das Koppeln.

Performance, iOS 9 und das Fazit auf Seite 2!

Weitere Themen: Apple Pencil, Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Apple