Die Gerüchte um Tablets reißen nicht ab, befeuert von Medien und Verlagen. Die Süddeutsche Zeitung sagt gar das Ende des E-Book-Readers durch Apples tablet voraus. Nächstes Jahr wird alles besser, aber auch mit Blick auf den Tannenbaum lohnt sich ein Blick auf das, was man jetzt in den Händen halten kann oder bald könnte, das Nook zum Beispiel.

Außerdem: Der Kampf um den Content führt zu ersten Entscheidungen, der Medienmogul Murdoch bewegt den Internet-Riesen Google sein News-Angebot im Sinne Murdochs zu erweitern.

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Verlage im Umbruch

Die Verlagsbranche ist im Umbruch. Amerikanische Zeitungsverleger kämpfen gegen den Auflagenschwund und – damit einhergehend – mit sinkenden Werbeeinnahmen. Aber auch hierzulande geht es um die Zukunft des geschriebenen Wortes. Kann man sich Journalisten aus Fleisch und Blut noch leisten?

Gelassener zeigt sich die Buchbranche, die Gattung des Schriftstellers genießt noch einen gewissen Artenschutz. Die Gefahr kommt aus einer anderen Ecke, in den Verlagen hat der lange Marsch zur kleinen Auflage begonnen. Der App Store zeigt indes, dass neue Konzepte mit geringeren Einnahmen bei höherer Verbreitung funktionieren können.

Einen kleinen Sieg feiert der Medienmogul Rupert Murdoch, in seinem Portfolio der “News Corporation” findet man zum Beispiel die altehrwürdige Times. Google hat nun zugestimmt, dass Verleger ein Limit für kostenlose News setzen können, die sowohl in den Suchergebnissen als auch auf Google News auftauchen. So können beispielsweise Anwender fünf Artikel der Financial Times am Tag lesen, bevor sie Google auf eine Bezahl- oder Registrierungsseite umleitet. Auch in Google News soll der Hinweis erscheinen, ob es sich um kostenpflichtige Inhalte handelt.

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Nook fordert Kindle heraus

Wer jetzt ein Kindle bestellt, setzt womöglich bereits auf zu teure und veraltete Technologie. Bis jetzt kann der Hersteller von E-Ink-Bildschirmen sein Monopol pflegen und die Preise hochhalten, Ankündigungen für nächstes Jahr lassen allerdings vermuten, dass andere Herstellern den Markt für Reader völlig umkrempeln könnten.

Der Herausforderer Barnes & Noble hat bereits seinen Entwurf Nook auf den Markt gebracht (wir berichteten). Amazon hat seinem Kindle zwar die Lektüre des PDF Formats beigebracht, neidisch schielt der Chef des Online-Riesen Jeff Bezos allerdings auf die Möglichkeit, Bücher auch zu verleihen. Auch wenn man es nur an einen Freund geben kann und insgesamt nur einmal verleihen darf. Während Amazon diese Funktion leicht nachrüsten könnte – wenn die Inhalte-Anbieter mitspielen – punktet Nook bei der Hardware. Neben dem E-Ink-Bildschirm finden Leser auch einen 3,5 Zoll Farb-Touchscreen am Gerät. Aber wie vertragen sich diese beiden Bildschirm-Technologien miteinander? Nicht ganz so gut, stellt Gizmodo fest, denn der klassische LCD-Screen leuchtet in der Standardeinstellung zu hell und lenkt so vom tageslichtabhängigen E-Ink-Schirm ab. Manuell lässt sich der Touchscreen aber dimmen. Überzeugen kann dafür die virtuelle Tastatur, die der Nook wie das iPhone nur im Bedarfsfall einblendet.

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Positiv bewertet Gizmodo auch die Möglichkeit, zum Beispiel Musik über den Touchscreen zu bedienen, ohne die Buchseite verlassen zu müssen. An einigen Hakeligkeiten muss Barnes & Noble hingegen noch arbeiten, das Umblättern per Swipe – zum Glück nur eine der Möglichkeiten, die Seite zu wechseln – funktioniert laut Tester Wilson Rothman nicht immer. Im gegenwärtigen Zustand sei der Touchscreen nur eine Alternative zur reinen Tastenbedienung beim Kindle, kein echter Vorteil. Zudem brauche das LCD mehr Strom, die Akkuzeit verringert sich also beim Nook gegenüber dem Kindle – ist aber immer noch im akzeptablen Rahmen von „mehreren Tagen“. Zumindest die Bedienung kann Barnes & Noble durch Updates ändern und vielleicht nutzt der Hersteller den kleinen Farbbildschirm für einige „verrückte Dinge“. Rothman fühlt sich allerdings schon durch Musik vom Lesen abgelenkt. Diese „Dinge“ könnten aber bald kommen, der Hersteller hat sich für das mobile Google-OS Android entschieden und den Bildschirm für Drittentwickler Apps freigegeben. Ob und wie das Entwickler annehmen und nutzen, muss sich noch zeigen.

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Die Zukunft: Zeitschriften auf E-Ink und LCD

Ein Demonstrationsvideo zeigt, wie eine Zeitschrift auf einem „vollständigen“ Tablet-Gerät aussehen könnte. Die Süddeutsche Zeitung sieht darin gar das Ende der derzeitigen E-Book Lesegräte und hält das Apple Tablet für beschlossene Sache. Ganz folgen will man dem Artikel nicht, denn Apple muss das Gerät erst vorstellen und von einer schwachen Akkulaufzeit des Amazons Kindle kann keine Rede sein – einer der großen Vorteile von E-Ink gegenüber Touchscreen-LCDs ist die lange Laufdauer, lediglich das Umblättern verbraucht Strom. Erfahrungsberichte sprechen von mindestens 2000 Seiten, bevor ein Kindle wieder an die Steckdose muss. Auch Schnellleser brauchen dafür einige Zeit.

Das Video von Sports Illustrated lässt die Vision der multimedialen Zeitschrift auf einem Tablet etwas „handgreiflicher“ werden. Wer am Ende das Rennen macht, E-Book-Reader, etwaige Tablet-PCs oder doch das “immer-dabei-Smartphone”, wird sich zeigen. Eher läuft es auf eine Koexistenz hinaus und zumindest in Amerika ist das E-Book erfolgreich: Auf 48 Kindle-Bücher kämen 100 „echte“ Bücher, verkündet Bezos.

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Fazit: Bislang nur für Fans englischsprachiger Literatur

Soll man bereits bei den E-Book Reader zugreifen? In Deutschland bieten sich weniger Möglichkeiten, letztlich bietet von den großen Content-Anbietern nur Sony seinen Reader mit deutschem Lesestoff an. Den Kindle kann man über Amazon aus den USA beziehen, man erhält aber nur englischsprachige Bücher;  für jene, die Bestseller lieber im Original lesen, kann sich das trotzdem lohnen.

Die interessante Alternativ Nook ist derzeit Vorbestellern in den USA vorbehalten und auch diese dürften vor Weihnachten nicht alle ihr Gerät bekommen. Wenn interne Informationen der Redaktion stimmen, dann könnte Apple Anfang nächsten Jahres das “iPad” vorstellen, das aber eine andere Zielgruppe als den klassischen Bücherwurm bedienen dürfte. Auch wenn sich die Auguren und etliche Verleger darin einig sind, dass das E-Book unaufhaltsam sein wird: Noch ist es nicht ganz so weit.

Bild: me vs gutenberg, “Leseratte”. Some rights reserved. Flickr

Bild: mueckenschweinverlag, “Zugvoegel 7″. Some rights reserved. Flickr

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