Das E-Book und die Jagd nach den verlorenen Büchern

Die weltgrößte Buchmesse findet vom 14. bis 18. Oktober in Frankfurt statt: Der E-Book-Markt ist weiter in Bewegung und neue Geräte lauern am Horizont. Für einen Paukenschlag könnte der EEE-PC-Hersteller Asus sorgen, Ende des Jahres könnte der bisher billigste E-Book-Reader für umgerechnet rund 115 Euro auf den Markt kommen. In der Auseinandersetzung um Google und das Einscannen von Büchern bewegt sich der Internet-Riese auf Europa zu, Amazon entschädigt seine Kunden für die Orwell-Löschaktion.

Sony bleibt gelassen und bringt neben neuen Geräten auch seine Software auf den Mac.

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Asus kündigt EEE-Book an

Asus hat mit den Netbooks den PC-Markt ordentlich aufgemischt, nun will der Hersteller auch den E-Book-Markt erobern. Der Reader soll die EEE-Low-Cost-Linie bis Ende des Jahres ergänzen, verspricht Asus-Chef Jerry Shen. Die Times Online spekuliert, dass Asus für das Einstiegsgerät einen Preis um die 100 Englische Pfund anvisiert, umgerechnet sind das rund 115 Euro.

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Mock-Up bzw. Symbolfoto

Nächstes Jahr soll dann das Premium-Modell folgen: Neben zwei Touch-FarbbIldschirmen könnte dieses mit Webcam, Mikrofon und Lautsprecher für Skype ausgestattet sein. Den zweiten Bildschirm will Asus nicht nur zum buchähnlichen Blättern nutzen, sondern auch, um während des Lesens einen Browser offen zu halten oder eine virtuelle Tastatur einzublenden. Dank dieser Fähigkeiten soll der E-Book-Reader vielseitiger sein als die Geräte von Sony und Amazon. Welchen Weg der EEE-Reader ins Internet einschlägt, ist derzeit unklar.

Sony: Der Stand der Dinge

Sony rüstet nach – der japanische Hersteller bedenkt inzwischen auch Mac-Anwender mit Software, bisher waren diese auf Software von Dritthersteller angewiesen. Die eBook Library Software liegt für PC und Mac in der Version 3.0 vor und benötigt Mac OS X 10.4.11 und höher, das erste Modell PRS-500 unterstützt Sony nicht mehr. Der Deutschland-Start begann allerdings auch mit dem Nachfolger PRS-505, der PRS-700 mit Touchscreen und Hintergrundbeleuchtung hat hingegen nicht den Sprung auf den hiesigen Markt geschafft. Der Download der kostenlosen Software ist knapp 24 Megabyte groß.

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Statt dessen kündigt Sony die Reader TouchEdition ab Mitte Oktober an – pünktich zur Frankfurter Buchmesse – und ergänzt das Portfolio. Das neue Gerät verfügt über einen sechs Zoll großen E-Ink Touchscreen, der acht Graustufen darstellen kann. Der Hersteller hebt die neuen Anwendungen hervor: Such- und Notizfunktion sowie ein integriertes englisches Wörterbuch. Anmerkungen und Notizen lassen sich mit dem beiliegenden Stift eingeben. Die Akkuleistung soll für 7500 Seiten ausreichen. Für das schwarz-silberne Gerät ruft Sony einen Preis von 299 Euro auf.

Warten muss man dagegen auf die Reader Pocket Edition, das Modell mit 5-Zoll-Bildschirm bietet Sony in den USA für 199 Dollar an. Einen direkten Angriff auf Amazons Kindle startet Sony im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit der Reader Daily Edition, der mit integriertem UMTS-Modem und kostenlosem Zugang über AT&T Käufer finden will: Diese können Bücher dann auch jederzeit unterwegs kaufen und auf das Gerät mit 7-Zoll-Bildschirm laden. 399 US-Dollar kann man die Daily Edition aber auch nicht als Schnäppchen bezeichnen.

Google hier und Google da

Neben der Hardware kommt es aber vor allem auf die Inhalte an. Und hier spielt Google eine gewichtige Rolle. Der Internet-Riese kooperiert mit Sony und Barnes & Noble, 500.000 kostenlose Bücher im ePub-Format sind damit auf einen Schlag verfügbar. Im Vergleich: Das Gutenberg-Projekt, auf das Amazon zurückgreift, bietet “lediglich” 300.000 Bücher.

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Google greift für sein ScanProjekt auch auf kommerzielle Bücher zurück, die nicht mehr neu aufgelegt werden. Genau dieser Punkt führt nun einem Schritt zurück: Google hat in Brüssel bei einer Anhörung vor der Eurpäischen Kommission verkündet, auf europäische Verlage und Autoren einzugehen – sie sollen das Projekt Google Books mit beaufsichtigen. Dabei sollen alle Bücher aus dem Online Market verschwinden, die nach wie vor in Europa kommerziell erhältlich sind. Zuvor hatten Verlage aus Googles Sicht stillschweigend ihre Zustimmung zum Vertrieb über Google gegeben, wenn sie sich nicht ausdrücklich dagegen aussprachen. In Amerika hat der Suchmaschinen-Riese einen Vergleich geschlossen und zahlt 125 Millionen US-Dollar. Dafür darf Google Bücher anbieten, bei denen die Rechteinhaber nicht bekannt sind – was mehr als die Hälfte der Bücher betreffen könnte.

Jessica Sänger vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels begrüßt Googles Schritt, hält ihn aber für technisch schwierig und kritisiert, dass der Anbieter ein Copyright-System außerhalb des Gesetzes schaffe. Zehn Millionen Bücher hat Google bereits eingescannt.

Amazon zeigt Reue

Ganz einfach ist der Weg in die digitale Bücherwelt also nicht. Das stellt auch Anbieter Amazon fest, der mir nichts dir nichts zwei Bücher vom Kindle per Fernzugriff gelöscht hat (macnews.de berichtete). Ausgerechnet die Werke “1984″ und “Farm der Tiere” von George Orwell hat es getroffen, ein Anbieter hatte die Bücher über Amazon verkauft, ohne die Rechte zu besitzen. Amazons Aktion machte nun deutlich, wie gläsern der Buchleser mit den digitalen E-Readern wird und welch Kontrollmacht von Unternehmen ausgeht. Der Online-Verkäufer will Schadenersatz leisten, 30 US-Dollar sollen Kunden zurückerhalten.

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Amazon-Chef Jeff Bezos zeigt sich reumütig, die Aktion sei dumm gewesen. Was der Kindle-Anbieter allerdings auch mit dieser Aktion nicht wieder gutmachen kann, ist der Vertrauensverlust – wem gehört eigentlich das digitale Buch? Und was ist eine digitale Bibliothek wert, wenn der Anbieter sie über Nacht einfach löschen kann?

Teaser-Bild: Or Hiltch, “People of The Book”. Some rights reserved. Flickr
 
Bild: Gadl, “Books”. Some rights reserved. Flickr
 
Bild: Playingwithbrushes’, “Open Tattered book”. Some rights reserved. Flickr

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