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Motorola XOOM: Testbericht zum ersten Tablet mit Android 3.0 „Honeycomb“

Daniel Kuhn
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Zwei Tage können eine sehr lange Zeit sein, etwa, wenn man auf einen Bus warten muss. Wenn man aber einen ausführlichen Gerätetest schreiben soll, sind zwei Tage plötzlich sehr schnell vorbei. Wir hatten das Motorola XOOM Anfang der Woche in der Redaktion zu Gast und haben es so ausführlich, wie es der kurze Zeitraum zuließ, getestet.

Motorola XOOM: Testbericht zum ersten Tablet mit Android 3.0 „Honeycomb“

Wir hatten bereits am Montag verkündet, dass uns für zwei Tage ein Motorola XOOM zu Testzwecken zur Verfügung gestellt wurde — für diese Leihgabe möchten wir uns nochmals bei netbooknews.de bedanken. In zwei Tagen kann man solch ein neues Gerät mit einem komplett neuen Betriebssystem natürlich nicht in aller Ausführlichkeit testen. Um einen möglichst guten ersten Eindruck von den relevanten Aspekten vermitteln zu können, haben wir ein paar Funktionen außen vor gelassen. Zum Beispiel vernachlässigten wir die Kamera und Videofunktion, da ein 10 Zoll-Tablet aufgrund seiner Größe und des Gewichts wohl ohnehin nicht hauptsächlich zum Fotografieren genutzt werden wird.


Hardware

Verarbeitung und Haptik:

Das Gehäuse des XOOM ist aus Aluminium und macht aufgrund dessen einen robusten und stabilen Eindruck. Die schwarze Version ist zusätzlich mit einer Soft Touch Oberfläche überzogen. Durch diese Beschichtung fasst es sich sehr griffig an mindert die Angst davor, dass das Gerät aufgrund des hohen Gewichts von 730 Gramm aus der Hand rutschen könnte. Das hohe Gewicht verhindert andererseits aber auch, dass man das Tablet gut in einer Hand halten kann.

Die Verarbeitungsqualität konnte uns insgesamt nicht besonders überzeugen: Der obere Bereich der Rückseite, der Power-Knopf, Lautsprecher und die 5 Megapixel-Kamera samt Doppel-LED Blitz beherbergt, schließt weder bündig noch eben mit dem Alu-Teil der Rückseite ab – das sollte bei einem Gerät dieser Preisklasse schon zu erwarten sein.


Weitere Kritikpunkte sind die ungünstig angebrachten Hardware-Tasten, die zudem auch nicht jeden Druck sofort registrieren. Die Lautstärke-Wippe ist nur schwer zu treffen, da die zu kleinen Tasten ins Gehäuse eingelassen sind. Der Power-Knopf befindet sich sehr unpraktisch auf der Rückseite, so dass man das Tablet jedes Mal anheben muss, wenn man es aus dem Ruhezustand aufwecken möchte. Und warum sich die Kopfhörerbuchse mittig über dem Display befindet, hat sich uns auch nicht so richtig erschlossen.

Unangenehm sind uns außerdem einige ziemlich scharfe Kanten aufgefallen, die sich durch das hohe Gewicht des XOOM nach einiger Zeit recht schmerzhaft in die Hand bemerkbar machen. Dieses Problem gab es übrigens auch schon beim ersten iPad und wurde bei der zweiten Generation durch die Rundungen behoben — darauf hätte Motorola auch kommen können.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Gerät in Sachen Verarbeitung ein bisschen den Eindruck eines Vorserienmodells erweckt. Die Hardware ist nicht schlecht und fühlt sich auch recht gut an, aber die Summe der kleinen Mängel erweckt bei uns trotzdem den Eindruck, dass Motorola das XOOM unbedingt als erstes Honeycomb-Tablet auf den Markt bringen wollte und die Sache etwas überstürzt hat.

Display:

Im Motorola XOOM kommt ein 10.1 Zoll LCD-Display zum Einsatz, das einen guten Eindruck macht — solange kein Sonnenlicht drauf scheint. Schon indirekte Sonneneinstrahlung reicht aus, um das XOOM in einen Spiegel zu verwandeln. In einem lichtleeren Raum können Farben und Kontrast des Displays aber durchaus überzeugen.


Durch die Spiegelungen wird das Gerät für den Besuch im Straßencafé oder Stadtpark leider unbrauchbar. Im Vergleich mit dem Samsung Galaxy Tab (siehe unser Vergleichsvideo) wird deutlich, dass der enorme Grad an Spiegelung vermeidbar gewesen wäre. Das Problem wird allerdings bei manch anderem Tablet ebenfalls auftreten und ließe sich durch das Anbringen einer matten Display-Folie beheben.

Software

Das XOOM ist das erste Tablet mit Android 3.0 Honeycomb. Unser erster Eindruck des Tablet-Betriebssystems ist recht positiv. Google hat sich einige wirklich interessante Bedienkonzepte einfallen lassen um Android für Tablets zu optimieren, so etwa die durchscrollbaren Widgets.
Der neue Android-Browser bietet ebenfalls viele Verbesserungen gegenüber der Smartphone-Version wie zum Beispiel Tabbed Browsing und die langersehnte Bookmark-Synchronisation mit Google Chrome. Insgesamt surft es sich mit dem Brower schon ziemlich gut und schnell, nur bei der automatischenTextanpassung muss Google noch nachbessern.
Der Adobe Flash Player konnte mit seiner Performance voll und ganz überzeugen, was in unseren Hands-On Videos auch gut zu sehen ist. Dort ist auch zu sehen, dass Spiele wie Fruit Ninja THD und Vendetta Online super laufen und vor allem ersteres auch sehr viel Spaß auf dem großen Display machen.

Leider schien uns Honeycomb noch nicht komplett ausgereift: In den zwei Tagen, die wir das XOOM testen konnten, passierten einige App-Abstürze. Honeycomb selbst ist auch zwei Mal komplett abgestürzt, nur ein Neustart konnte das Tablet wiederbeleben. Natürlich muss und wird Google noch mit einigen Updates nachbessern, wir können aber nur den aktuellen Stand bewerten. Derzeit fühlt sich Honeycomb auf dem XOOM noch ein bisschen nach einer public Beta-Version an. Das ist natürlich nicht zwingend ein Problem von Motorola, verstärkt aber den Eindruck, dass das Gerät unfertig ist.

Konnektivität

Die Standards WLAN und GPS haben reibungslos funktioniert. Eine 3G Verbindung konnten wir nicht testen, da es sich um ein CDMA-Gerät aus den USA handelte. Die Verbindung zum PC klappt über den Micro USB-Port wunderbar und bietet auch ein sehr schönes Feature, das wir so bisher nicht kannten: Wir haben Musik vom PC auf das XOOM kopiert und diese wurde automatisch in den Musikordner geschoben, ohne dass wir einen Ordner festlegen mussten.



Einen Minuspunkt bekommt aber leider der USB-Anschluss, da er nicht zum Laden des Akkus genutzt werden kann. Warum eine solche Standardfunktion fehlt, ist uns völlig schleierhaft. Zum Laden wird ein spezielles Netzteil benötigt, das einen sehr dünnen und wenig vertrauenerweckenden Stecker besitzt.

Performance

Das Motorola XOOM ist mit dem Tegra 2 Dual Core-Prozessor von NVIDIA wirklich gut ausgestattet und bietet ordentliche Leistungsreserven. Wir haben es in dem kurzen Testzeitraum nicht geschafft, das Gerät an seine Grenzen zu führen. Alle getesteten Spiele und Apps liefen ruckelfrei und das ganze System fühlt sich sehr flüssig an. Einzig auf dem Honeycomb-Homescreen ließen sich gelegentliche Miniruckler feststellen – ein altbekanntes Android-Problem, das sich offenbar leider auch nicht durch die verbesserte Hardwarebeschleunigung in Android 3.0 „Honeycomb“ völlig relativiert. Der Adobe Flash Player, den wir in Version 10.2 testeten, lief hingegen überraschend performant, was wir für euch auch auf Video festgehalten haben.

Alltagstauglichkeit

Dieser Punkt lässt sich nach zwei Tagen natürlich nicht vollständig beurteilen, aber ein paar Eindrücke konnten wir sammeln, die sich auch bei längerer Benutzung nicht ändern dürften.

Akku:

Der 6500mAh starke Akku hat mit einer Ladung von Übergabe zu Übergabe knapp zwei Tage gehalten, und wir haben das Gerät wirklich nicht geschont. Mit einer 3G-Datenverbindung dürfte sich dieser Wert natürlich noch ein bisschen reduzieren. Auch gut: Der Akku ist nach gerade mal zweieinhalb Stunden wieder voll aufgeladen.

Mobilität:

Dieser Punkt wird eher durch das hohe Gewicht, als durch die Gerätegröße entschieden. Man wird sich zwei Mal überlegen müssen, ob man sich das Tablet zusätzlich in die Tasche stecken will, oder ob man unterwegs nicht doch drauf verzichten kann.


Modifizierbarkeit

Zum Glück hat Motorola beim XOOM auf die Verschlüsselung des Bootloaders verzichtet, so dass das Gerät leicht gerootet und von Nutzern modifizierte Firmwares verändert werden kann. Bisher gibt es zwar noch keine so genannten Custom ROMs, aber einen Mod, mit dem man den USB Host-Modus freischalten kann sowie einige Kernels mit denen der Tegra 2 Chipsatz auf 1,5 GHz übertaktet wird.

Fazit

Insgesamt ist das Motorola XOOM leider etwas ernüchternd. Zwar ist es kein schlechtes Gerät, aber es kann dem Hype, der darum gemacht wurde, letztendlich nicht standhalten. Die kleinen Mängel in der Verarbeitung könnte man durchaus noch verschmerzen, wenn das Tablet nicht so viel kosten würde. Wenn der Preis im Zuge der angekündigten Tablet-Veröffentlichungen aber noch ein bisschen sinkt, wird das XOOM wieder etwas interessanter. Ob es sich allerdings gegen die kommenden Konkurrenzprodukte behaupten kann, bleibt abzuwarten.


Galerie

Weitere Themen: android 3, Tablet, Android

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