Samsung Galaxy NotePRO 12.2 im Test: Tablet-Gigant für Kreative

Frank Ritter
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Anfang des Jahres stellte Samsung eine ganze Reihe neuer Tablets vor. Eines davon zeichnete sich durch enorme Ausmaße aus: Das Samsung Galaxy NotePRO 12.2. Mit einer Displaydiagonale von mehr als 12 Zoll sprengt es die Standards der Formfaktoren im Android-Universum und bietet sich dank Integration des S Pen-Stylus als moderner digitaler Skizzen- wie Notizblock an. In unserem Testbericht zum Samsung Galaxy NotePRO 12.2 klären wir, ob das Konzept aufgeht.

Samsung Galaxy NotePRO 12.2 im Test: Tablet-Gigant für Kreative

Eine Markttaktik und Leidenschaft von Samsungs Mobilabteilung ist bekanntermaßen, regelmäßig neue Formfaktoren für neue Smartphones auszuloten. In diesem Sinne hat uns auch nicht überrascht, dass der koreanische Hersteller auf der CES im Januar des Jahres neben Geräten in „konventionellen“ Größen gleich zwei Tablets vorstellte, die mit einer 12,2 Zoll-Bilddiagonale aufwarteten. Eines davon, das Samsung Galaxy NotePRO 12.2 wurde uns für einen Test zur Verfügung gestellt.

Wir haben das Samsung Galaxy NotePRO 12.2 in der schwarzen LTE-Variante SM-P905 mit 32 GB internem Speicher getestet. Während des Testzeitraums wurde ein OTA-Update auf die Android 4.4.2-basierte Firmware P905XXUANC3 ausgeliefert, die als Basis für den Testbericht diente.


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Um eines der Ergebnisse unseres Kurztests vorwegzunehmen und gleichzeitig das Offensichtliche zu statuieren: Das Galaxy NotePRO 12.2 ist kein Gerät für jedermann. Es sucht sich seine Nische zwischen normalen Android-Geräten, Zeichentablets und kompakten Notebooks – und richtet sich darin gemütlich ein. Eines der Anliegen unseres Testberichtes, neben einer möglichst objektiven Qualitätseinschätzung, ist also zu ergründen, für welche Zielgruppen das NotePRO 12.2 denn nun geeignet ist. Doch steigen wir mit äußeren Werten in den Testbericht ein. Hier zunächst unser Hands-On-Video vom Galaxy Note 12.2, aufgenommen vom Kollegen Lars im Rahmen der CES 2014 in Las Vegas:

Größe und Handling

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Mit Abmessungen von 29,6 Zentimeter in der Länge und 20,4 Zentimeter in der Breite hat das Gerät beinahe DIN A4-Ausmaße, mit 8 Millimetern Tiefe ist es derweil recht schlank und entspricht damit ungefähr den meisten anderen Geräten der Galaxy-Reihe. Im Vergleich zu einem Zehnzoller wie dem Nexus 10 (Test) kommt man dennoch nicht umhin festzustellen, dass das NotePRO 12.2 noch einmal eine neue Größenkategorie darstellt. Im übertragenen Sinne: Das NotePRO 12.2 verhält sich zum Nexus 10 in Bezug auf die Größe in etwa so wie ein Notebook zu einem klassischen Netbook.

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Das Galaxy NotePRO 12.2 im Größenvergleich – im Uhrzeigersinn – mit Nexus 7 (2013) (unten links), Nexus 10 und Samsung Galaxy S5
Mit dieser ungewöhnlichen Größe muss man sich arrangieren, denn an einem 12-Zoller verschärft sich das Bedienungs-Dilemma noch einmal, das schon den 10-Zoll-Formfaktor ausmacht. Das Gerät in einer Hand zu halten ist aufgrund von Form und rund 750 Gramm nur für kurze Zeit möglich; das Gerät ist aber kaum bedienbar, wenn es mit beiden Händen gehalten wird. Deswegen muss der Nutzer die Haupthand entweder regelmäßig zwischen Stützfunktion und Bedienung changieren lassen oder aber das Gerät in potentiell instabilen Positionen halten – in der Regel im „Staffelei-Griff“ (Nebenhand auf der Rückseite, den kleinen Finger oder Daumen als „Haken“ unter dem Gerät) oder im „Miss-Liberty-Griff“ (Tablet balanciert auf dem Unterarm und wird von dessen Hand fixiert). Unterm Strich ist keine der freischwebenden Positionen auf Dauer stabil und bequem, ähnliche Probleme gab es bei der Nutzung auf einem Tisch oder beim Fläzen auf dem Sofa auf dem Schoß.

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Natürlich könnte man das NotePRO 12.2 auch mit einem Kickstand-Cover oder einer Anklemm-Tastatur verwenden. Dann stellt sich aber die Frage, warum man nicht gleich zu einem „echten“ Laptop greifen sollte – immerhin bewegt sich das NotePRO 12.2 preislich in Regionen, in denen man bereits Mittelklasse-Laptops bekommt. Soll heißen: Seine ergonomischen Nachteile muss das NotePRO 12.2 durch sein Featureset ausgleichen. Ob das gelingt, klären wir später.

Optik und Verarbeitung

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Die Front des Geräts ist Samsung-klassisch gehalten. Oben (im Landscape gehalten) der Samsung-Schriftzug, unten die Hardware-Buttons – hier schon im neuen 2014er-Layout, bei dem der Menü-Button durch die kapazitive Multitasking-Schaltfläche (links) ersetzt wurde. Im Landscape-Modus gehalten findet sich unten mittig dann der subtil hervorstehende „echte“ Home-Button, rechts daneben die kapazitive Zurück-Taste. Das Displayglas ist in einen silbrigen Plastikrahmen eingefasst, dazwischen befinden sich, ebenfalls Samsung-typisch, schmale Spalten, in denen sich nach einigen Monaten der Benutzung sicher ein wenig Staub ansammeln dürfte. Der Rand ist ein wenig angehoben, sodass der Finger stets das Ende der Vorderseite erfühlen kann und nicht abzustürzen droht.

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An der Seite sieht man dann einen glatten Plastikrahmen in Alu-Optik. Darin eingelassen sind an der Oberseite die schmale Power-Taste und Lautstärkewippe (links), sowie der Infrarotsensor (mittig). An der rechten Seite gibt es, von oben nach unten den Einschub für den S Pen-Stylus, einen der beiden Stereo-Lautsprecher, den USB-Port und die mit Plastikkappen abgedeckten Einschübe für micro-SIM und microSD-Karte. Links hat es nur einen weiteren Lautsprecher, die Unterseite bleibt frei.

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Die Hartplastik-Rückseite ist in derselben Pseudolederoptik gehalten wie das Samsung Galaxy Note 3 (Test), inklusive der falschen Naht am äußeren Rand, beim NotePRO 12.2 ist die Rückseite freilich nicht abnehmbar. Das Samsung-Logo auf der Rückseite besteht im Vergleich zum kleinen Schwestergerät nun nicht mehr aus abgesetzten silberfarbenen Buchstaben, sondern ist nunmehr bloß noch dunkelgrau aufgedruckt – das wirkt ein wenig lieblos. Oben mittig findet sich die Kamera.

Allgemein macht das Gerät einen stabilen Eindruck. Plastik ist wahrscheinlich die beste Materialwahl für ein Gerät dieser Größe – Aluminium macht ein Gerät in der Regel schwerer und kann vor allem unangenehm bei kälteren Temperaturen werden. Das Gerät wirkt angemessen stabil, es knarzt nicht und ist recht verwindungssteif konstruiert. Optisch und haptisch kann man das Samsung-Tablet als zweckmäßig bezeichnen. Soll heißen: Brauchbar und Alltagskompatibel, aber noch weit von der Verarbeitungsqualität eines Sony Xperia Z2 Tablet oder iPad entfernt.


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Das Display des Samsung Galaxy NotePRO 12.2

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Samsung hat das Kunststück vollbracht, alle seine im Januar vorgestellten Tablets mit einem WQXGA-Display auszustatten, also einer Auflösung von 2.560 x 1.600 Pixel. Auf einem Gerät der 8 Zoll-Klasse mag das eine atemberaubende Pixeldichte repräsentieren, auf einem Gerät mit 12,2 Zoll Bilddiagonale und daraus resultierender Pixeldichte von 247 ppi ist diese Auflösung hingegen normal und darf von einem Gerät dieser Preiskategorie vorausgesetzt werden. Da sich das Auge aufgrund des großen Bildschirms weiter vom Gerät entfernt, sind auch keine Unschärfen oder gar einzeln erkennbare Pixel zu beklagen, allenfalls ein subtiles Flimmern von sich bewegenden schrägen Kanten, etwa beim Umblättern von Seiten in Google Play Books und in 3D-Spielen. Kein Grund zur Klage, um diesen wahrzunehmen, muss man sich schon große Mühe geben.

Scharf ist es also, das PLS-Panel, aber auch farbstark. Samsung-typisch hat man es mit satten Farben zu tun, die über Presets in den Einstellungen auf Nutzerwunsch aber auch etwas gedämpft werden können. Das Schwarz ist einen Tick zu hell nach unserem Dafürhalten, ein Effekt, der sich insbesondere bei flachen Blickwinkeln auf das Tablet verstärkt. Trotzdem handelt es sich um ein gutes Display.


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Ausstattung und Hardware

Das Samsung Galaxy NotePRO 12.2 ein High End-Gerät. Es besitzt ein Snapdragon 800 Quad Core-SoC mit 2,3 GHz (WLAN-Version: Samsung Exynos Octa Core mit 1,9 GHz), 3 GB RAM, und 32 GB internen Speicher, der per microSD-Karten erweitert werden kann. Es ist mit WLAN in allen erdenklichen Varianten ausgestattet, die 4G-Variante LTE Class 4 mit (theoretischen) Downloadraten bis 150 MBit/s.

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Wir haben das Gerät durch gängige Benchmarks gejagt, es konnte sich dabei mühelos zwischen anderen Geräten mit Snapdragon 800 und 801 einordnen. Einschränkend muss gesagt werden, dass sich die höhere Bildschirmauflösung insbesondere in Onscreen-Tests schon bemerkbar macht. Soll heißen: Gegenüber dem Gros der Geräte in derselben Leistungsklasse laufen anspruchsvolle Grafik-Anwendungen (lies: 3D-Spiele) also etwas weniger performant. Deutlich wird das in den synthetischen Onscreen-Benchmarks vom GFX-Bench: dort lief ein reguläres Galaxy Note 3 mit Full HD-Auflösung zwischen 39 % (T-Rex) und 57 % schneller als das WQXGA-NotePRO 12.2. In „echten“ Spielen – getestet haben wir Galaxy on Fire 2 HD und Riptide GP2 sowie das CPU-intensive Fieldrunners 2 – war der Unterschied jedoch kaum spürbar. Wohl, weil die CPU-Leistung in Spielen allgemein eine wichtigere Rolle als die GPU spielt und Games systemimmanent auch für schwächere Hardware optimiert werden (Spieleentwickler können es sich in der Regel nicht leisten, nur für die neueste Hardware-Generation zu programmieren).

Benchmark-Ergebnisse

  • CF-Bench (native): 37518
  • CF-Bench (Java): 34128
  • CF-Bench (Overall): 35484
  • AnTuTu (gesamt): 35213
  • GFXBenchmark T-Rex (offscreen): 1446 /25,8 FPS
  • GFXBenchmark 1080p ALU (offscreen): 8306/ 138,4 FPS
  • GFXBenchmark 1080p Alpha Blending (offscreen): 7293 MB/s
  • GFXBenchmark Fill (offscreen): 3796 MTexel/s

Im Normalbetrieb läuft das Galaxy NotePRO 12.2 schön „fluffig“. Ruckler oder Hänger gibt es keine zu beklagen, weder im UI noch in Anwendungen oder Spielen – abgesehen von wenigen schlecht programmierten Apps.

Kamera

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Ja, eine Kamera besitzt das Galaxy NotePRO 12.2 auch. Die löst mit 8 MP auf und verfügt sogar über einen LED-Blitz – eine Seltenheit bei Tablets. Die Qualität der Bilder ist solide und liegt ungefähr auf dem Niveau des Samsung Galaxy S2 oder neuerer Mittelklasse-Geräte aus Samsungs Produktspektrum. Wie ästhetisch es ist, mit einem 12-Zoll-Tablet zu fotografieren, sei mal dahingestellt – wir haben das, vorsichtig formuliert, im Testzeitraum nicht allzu regelmäßig getan. Da die Kamera nach unserem Verständnis sowieso eher zweitrangig für die Bewertung eines Tablets ist, fließt diese Teilnote aber sowieso nicht in die Bewertung ein.

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Die 2 MP-Frontkamera macht vergleichsweise grobkörnige und verrauschte, aber noch ausreichende Bilder. Allerdings ist der eigene Blick, gerätegrößenbedingt, stets sehr weit von der Frontkamera entfernt, was den Gesprächspartner bei Videotelefonaten unter Umständen stören könnte.

Telefonie und Audio

Mit der LTE-Version des Galaxy NotePRO ist es auch möglich, zu telefonieren. Zu diesem Zweck kann man entweder ein angeschlossenes Headset verwenden (Bluetooth oder kabelgebunden) oder per Freisprechfunktion. Letztere klingt gut und konnte in unserem Test – in ruhigen Räumen – akustisch durchaus überzeugen. Das Tablet wird formatbedingt zwar zu keinem Ersatz für ein echtes Handy, ist aber eine sinnvolle Ergänzung für Besitzer von Multi-SIMs – schlicht als Rückversicherung dafür, dass man das NotePRO 12.2 im Zweifel auch für ein Telefonat nutzen kann.

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Mit dem Galaxy NotePRO 12.2 lässt sich telefonieren – und das sogar recht gut

Die Tatsache, dass man auch mit Freisprechfunktion gut telefonieren kann, liegt nicht zuletzt an den guten Stereo-Lautsprechern. Die kommen zwar in Sachen Bass zwar nicht an die HTC-Geräte mit BoomSound heran und weisen leider auch nicht in Richtung des Nutzers, sind aber trotzdem so gut, dass sie das Anschauen eines Filmes auf dem Gerät nicht zur Qual machen.

Software und Stylus

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Kommen wir zu dem Punkt, der das Galaxy NotePRO 12.2 wirklich auszeichnet: seine Software-Ausstattung. Zuvorderst haben wir es mit einem normalen Android 4.4.2 KitKat zu tun, das über Samsungs TouchWiz-Oberfläche verfügt, genauer gesagt: die TouchWiz Magazine UX. Es handelt sich dabei um eine Hybridversion, die einerseits Elemente aus der TouchWiz-Versionen von 2013 umfasst, andererseits aber auch flachere Designelemente, wie man sie schon vom Galaxy S5 kennt. Dazu ein helleres Farbschema, wie von den Samsung Galaxy-Tablets bekannt, das Einstellungsmenü und die Schnelleinstellungs-Buttons in der Benachrichtigungsleiste besitzen beispielsweise eine weiße Hintergrundfarbe.

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Samsung-Galaxy-NotePRO-12-2-Screenshot-Homescreen-Widgets
Samsung-Galaxy-NotePRO-12-2-Screenshot-App-Drawer
Samsung-Galaxy-NotePRO-12-2-Notifications

Besonderheit gegenüber anderen Android-Tablets ist die Tatsache, dass keine Software-Buttons vorhanden sind, was den effektiven Bildschirmplatz deutlich erhöht. Samsung hat sich auch entschieden, das Icon für den App Drawer nach rechts unten zu platzieren – für die Bedienung des Geräts definitiv von Vorteil. Auffällig sind auch die vergleichsweise großen Icons.

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Samsung-Galaxy-NotePRO-12-2-Screenshot-Einstellungen

Samsung hat in seine Magazine UX den ansehnlichen Feedreader Flipboard noch enger integriert: Ähnlich wie HTCs BlinkFeed lässt sich dieses „MyMagazine“ stets durch Scrollen auf den Homescreen ganz links erreichen. Der Nutzer hat dabei die Möglichkeit, eigene Themenfelder und Nachrichtenquellen festzulegen. An sich eine praktische Sache, wenn auch nicht jeder diese enge Verzahnung von Flipboard mögen wird. Abschaltbar ist sie auf dem NotePRO 12.2 leider – im Gegensatz zum später erschienenen Samsung Galaxy S5 – nicht.

TouchWiz hat weiterhin bekannte Probleme: Inkonsistenzen im Design (Flat UI-Elemente vs. klassisches Design). Zahlreiche unnötige Apps, die ihre ebenfalls vorinstallierten Google-Pendants ergänzen (S Voice, S Translator). Fehlende Performance-Optimierungen in manchen Apps (S Planner, Flipboard-Homescreen). Weiterhin ist die fehlende Zuwendung an Android-Standards wie dem Holo UI zu bemängeln – warum man im Einstellungsmenü und im Musikplayer immer noch nicht horizontal durch Kategorien durchwischen kann, ist und bleibt uns ein Rätsel.

Mit diesen Kritikpunkten kann man sich zweifelsohne arrangieren, zumal deutliche Fortschritte bei TouchWiz gegenüber früheren Versionen zu erkennen sind. Trotzdem hat Samsung noch einiges zu tun, bis man die visuelle Konsistenz von HTC Sense 6 oder gar Stock Android erreicht.

Meckern über Samsung ist en vogue, dabei wird aber auch gerne vergessen, dass die Südkoreaner durchaus einige Sachen richtig machen. Da wären zum Beispiel die Optionen in der Benachrichtigungsleiste zu nennen, die so wie sie sind, hervorragend funktionieren. Oder aber die hervorragende Einbindung des S Pens, jenes Stylus, der bei Samsung eine ganze Gerätekategorie begründet hat und der bei einem so großen Tablet wie dem Galaxy NotePRO 12.2 noch mehr Sinn ergibt als bei Geräten mit kleineren Display.

Der S Pen als Alleinstellungsmerkmal

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Der Umfang der auf den S Pen zugeschnittenen Funktionalität ist identisch mit dem im Galaxy Note 3 (Test), sogar der S Pen selbst mit seiner druckempfindlichen Spitze ist derselbe. Wir werden an dieser Stelle nicht auf jede einzelne Funktion eingehen, als besonders nützlich empfanden wir aber (abhängig vom Nutzertypus und Anforderung):

  • Screenshot-Notiz: Ein Bildschirmfoto wird aufgenommen, auf diesem kann herumgekritzelt werden, das Bild nach Bedarf gleich weiterversendet werden.
  • S Note: Notizen-App mit Unterstützung für handschriftliche Notizen und Texterkennung, synchronisiert sich über mehrere (Samsung-)Geräte hinweg.
  • SketchBook: Kostenlos mitgelieferte Zeichen-App von AutoDesk. Etwas gewöhnungsbedürftiges UI, aber sehr mächtig. Unterstützt mehrere Ebenen und dergleichen.
  • Air View: In diversen Apps kann man den S Pen über bestimmten Elementen schweben und sich so zusätzliche Informationen anzeigen lassen. In der Galerie etwa den Inhalt eines Ordners, im Kalender „S Planner“ zum Beispiel Details eines Termins.

Samsung-Galaxy-NotePRO-12-2-Screenshot-S-Pen-Befehle

Samsung-Galaxy-NotePRO-12-2-Screenshot-Notiz
Samsung-Galaxy-NotePRO-12-2-Screenshot-Autodesk-Sketchbook

Zieht man den S Pen aus dem Schacht oder drückt man in Bildschirmnähe auf eine Taste am Stylus, öffnet sich eine Art Kontextmenü (oben) – darüber lässt sich beispielsweise eine Screenshot-Notiz (unten links) erstellen. Das mitgelieferte Zeichenprogramm Autodesk SketchPro (unten rechts) profitiert besonders vom druckempfindlichen S Pen.

Multi Window-Modus mit vier Apps

Besonderes Augenmerk legt Samsung auch auf das Multi Window-Feature, das sich im Test schnell als nützlich erwies. War es auf früheren Geräten lediglich möglich, zwei Apps parallel zu nutzen, gehen auf dem NotePRO vier – was bei der Bildschirmgröße sinnvoll ist: So hat man beispielsweise Twitter, den Browser, eine Notiz-App und Hangouts parallel im Blick. Dabei leidet die Performance der einzelnen Apps zwar etwas, es lässt sich so aber in der Regel immer noch gut arbeiten. Die Größe der Appfenster lässt sich ändern, indem man den Mittelpunkt des „Gitters“ verschiebt.

Samsung-Galaxy-NotePRO-12-2-Screenshot-Multitasking

Am Galaxy NotePRO 12.2 kann man dank erweitertem Multitasking bis zu vier Anwendungen parallel nutzen, die abdockbare Software-Tastatur ist dafür nützlich

Nervig ist lediglich, dass die Drag & Drop-Auswahlleiste zum Öffnen von Apps im Multitasking-Modus nicht, wie auf anderen Geräten aus Samsungs Note-Reihe, per Langdruck auf die Zurück-Taste ein- oder ausgeblendet wird, sondern stets bei einer Wischbewegung vom rechten Rand erscheint – in vielen Apps und Spielen stört das. Deaktivieren kann man die Leiste nur vergleichsweise umständlich über ein Quick Toggle in der Benachrichtigungsleiste. Des Weiteren kann man nun auch Drag & Drop zwischen verschiedenen Fenstern nutzen, etwa im Browser angezeigte Bilder in ein neues Office-Dokument oder eine Chat-Konversation einfügen. Das funktioniert zwar nicht immer ganz reibungslos (mitunter wird beispielsweise die Bild-URL statt der Grafik eingefügt), ist aber eine Funktion mit viel Potenzial.

Bonus-Content und Zusatz-Apps

Überdies ist es möglich, sich mithilfe der „Remote PC“-Anwendung in einen Rechner einzuklinken und diesen mit Live-Bildschirmübertragung fernzusteuern, der entweder im selben Netzwerk oder aber auch anderswo am Internet hängt. Remote PC erfordert die Installation einer spezielle Client-Software auf dem PC und die Anmeldung über einen Webdienst. Danach sieht man den Bildschirminhalt des Rechners am Tablet und kann per Fingerbewegung oder S Pen die Maus fernsteuern oder gar Tastatureingaben übertragen. Auch die direkte Übertragung von Dateien in beiden Richtungen ist so möglich. Das ist komfortabel, auch wenn derlei mittlerweile auch mit kostenloser Drittanbieter-Software zu bewerkstelligen ist – TeamViewer und Chrome Remote Desktop lassen grüßen.

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Die von Samsung mitgelieferte Software-Tastatur ist recht gut umgesetzt. Wer das Tablet etwa auf einem Tisch vor sich liegen hat, kann diese mit ein wenig Übung beinahe wie eine „echte“ Tastatur verwenden. Besonders gut gefallen hat uns die Tatsache, dass selbst Pfeiltasten sowie eine Entf(ernen)-Taste vorhanden sind (auf die ebenfalls vorhandene Caps-Lock-Taste hätten wir hingegen verzichten können). Auf Wunsch kann die Tastatur auch abgekoppelt und in einer verkleinerten Version über den Bildschirm verschoben werden – oder als in der Mitte geteilte Version angezeigt lassen werden. Selbst ein Wischmodus und Wortvorschläge à la SwiftKey sind vorhanden. Allenfalls die dankenswerterweise abstellbaren Tastentöne nerven schnell – wie übrigens auch der Rest von Samsungs Sounddesign. Der Samsung-Benachrichtigungs-Pfiff dürfte hinlänglich bekannt sein, genau wie das nervige Blub-Geräusch das beim Öffnen jeder App ertönt.

Samsung stattet sein Gerät noch mit allerlei kostenlosem Premium-Content aus. Dazu gehören etwa 50 GB Speicher beim Cloud-Festplattendienst Dropbox für 2 Jahre, 10 kostenlose Artikel beim Paid Content-Dienst der New York Times, 6 Monate kostenloser Content vom Handelsblatt und das Office-Paket von Hancom. Für manchen Nutzer sind das gewiss brauchbare Extras, entscheidend sind sie aber nicht.


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Akku und Speicher

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Mit 32 GB an internem Speicher, von denen bei Start rund 26 verfügbar sind, ist das Galaxy NotePRO 12.2 bestens ausgestattet für nahezu alle Belange des Alltags. Ein zusätzlicher microSD-Slot erweitert den Speicher, falls nötig, zusätzlich um bis zu 64 GB. Der Akku ist mit 9.500 mAh so üppig bemessen, dass das Gerät Standby-Zeiten von mehr als einer Woche problemlos verkraften kann. Im Betrieb leert sich der Akku aufgrund des gigantischen Displays freilich deutlich schneller. Aber auch hier sind, sofern man gewillt ist, die Bildschirmhelligkeit herabzusenken, sechs und mehr Stunden des Betriebs mit aktivem Display möglich – genug für eine Bahnfahrt quer durch Deutschland oder manchen Langstreckenflug. So langsam sich aber der Akku entleert, so langsam lädt er aber auch wieder nach. In unserem Test stellten wir fest, dass es sehr zu empfehlen ist, das mitgelieferte Ladegerät und -kabel zu verwenden, nur so ließ sich das Galaxy NotePRO 12.2 auch über Nacht wieder aufladen. Mit anderen Ladekabeln dauert es hingegen extrem lang. Auch beim Galaxy NotePRO kommt übrigens die USB 3.0-Micro-B-Buchse zum Einsatz, die man bereits vom Galaxy Note 3 und Galaxy S5 kennt – in diese lässt sich allerdings auch ein reguläres microUSB-Kabel einführen, wenn man dafür das größere der beiden Löcher in der Buchse verwendet.

Unser Fazit

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Das Samsung Galaxy NotePRO 12.2 ist ein typisches Beispiel dafür, wo Wertungsschemen an ihre Grenzen stoßen. Auf dem Papier handelt es sich um ein gutes bis sehr gutes Tablet, das über viele spannende Funktionen verfügt. Trotzdem sitzt es so zwischen den Stühlen, dass dessen Zielgruppe relativ spitz sein dürfte, man sich gar unweigerlich fragt: Wer braucht so etwas? Konkret: Warum sollte ich mir ein Android-Tablet mit passablem Multitasking und rudimentärer Drag & Drop-Funktionalität zulegen, wenn ich für dasselbe Geld – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Testberichts immerhin noch mehr als 700 Euro – bereits ein gutes Windows-Notebook bekomme, mit dem man deutlich produktiver ist? Warum sollte ich Spiele, Filme oder Bücher auf einem recht unhandlichen 12-Zoller konsumieren, wenn ich für weniger Geld bereits viel handlichere und leichte Geräte wie die letzten Xperia-Tablets von Sony bekomme? Natürlich hat auch das Galaxy NotePRO 12.2 Gerät seine Nischen, aber seine Zielgruppe dürfte recht spitz sein. Insbesondere Nutzer, die gerne digital zeichnen, aber nicht willens sind, immense Geldsummen in ein – sagen wir Wacom Cintiq Companion Hybrid-Tablet (Test) – zu investieren oder Menschen, die gerne visuell Notizen anfertigen, könnten mit dem Gerät glücklich werden. Wer das möchte, aber kein so großes Gerät, hat immerhin noch die Möglichkeit, ein Note-Tablet mit kleinerem Display zu erstehen, etwa das Galaxy Note 10.1 oder 8.0.

Wertung zum Samsung Galaxy NotePRO 12.2

Verarbeitung und Haptik: 4/5
Solide und ohne Schwächen verarbeitet, aber kein Premium-Eindruck.

Display: 4/5
Hell und farbintensiv, gute Schärfe, leichte Schwächen bei Blickwinkelstabilität und Schwarzwerten.

Performance: 5/5
Rundherum flüssig.

Konnektivität und Speicher: 5/5
Unterstützung aller relevanten Standards vorhanden, Infrarotschnittstelle und Telefonie-tauglich.

Software: 5/5
Aktuelles Android, viele Extras. Leichte TouchWiz-Schwächen werden durch hervorragende S Pen-Integration kompensiert.

Multimedia: 5/5
Guter Sound, viele Videoformate. Filme schauen und Lesen macht Spaß.

Akku und Alltag: 3/5
Sehr gute Akkulaufzeit, aber unhandlicher/unpraktischer Formfaktor.

Kamera (nicht wertungsrelevant): 3/5

Gesamtnote: 4,4/5

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Pro

  • Top-Leistung
  • Gute S Pen-Einbindung
  • Gutes Multitasking

Contra

  • Zu unhandlich für viele Tablet-Anwendungsfälle
  • Keine Premium-Verarbeitung
  • Teuer


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